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Potsdams Unidram jagt allen Kitsch vom Hof

Festival Potsdams Unidram jagt allen Kitsch vom Hof

Das Potsdamer Theaterfestival Unidram geht in sein 22. Jahr, an diesem Dienstag wird die Premiere mit der israelischen Inszenierung „Salt Of The Earth“ gefeiert. Elf Stücke sind innerhalb von fünf Tagen zu sehen, darunter sieben deutsche Erstaufführungen. Eingeladen sind freie europäische Theatergruppen, die sich selbstständig finanzieren.

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Die Gruppe anonymoUS ist in Potsdam mit ihrem Stück „Insight Men“ zu sehen.

Quelle: Festival

Potsdam. Ennio Morricone ist kein Mann, der unsere Blicke schärft, im Gegenteil, er treibt uns Wasser in die Augen, denn wenn wir ehrlich sind, müssen wir heulen, wenn Mister Morricone unsere Wege kreuzt. Er ist ein Komponist, schreibt Filmmusik, er gibt selbst stumpfen Bildern eine Macht, die ihnen eigentlich nicht zukommt – wie er das schafft? Er weiß, dass Geigen einen Kuschelmodus haben, der ähnlich anrührend wie kleine Robbenbabys wirkt. Wo sie sich blicken lassen, sind die Emotionen groß. So geht es auch mit Mister Morricones Melodien, und jeder, der „Spiel mir das Lied vom Tod“ gesehen hat, der kennt vor allem dieses Lied. Eine Mundharmonika (denn auch die haben einen Kuschelmodus, wenn sie nicht ausgerechnet von Bob Dylan gespielt werden) wie ein Schnitt in eine saftige Zwiebel. Sofort die Tränen.

Man schämt sich ja als Kinogänger für den billigen Effekt und für die Seufzer, die man nicht unterbinden kann. Hohe Zeit also, dem Mann die Grenzen aufzuzeigen. Morricone ist jetzt 87 Jahre alt, er ist genug gefeiert worden – es scheint legitim, dass er in Potsdam jetzt dekonstruiert wird. Das Unidram-Festival ist allgemein dafür bekannt, heiße Luft in jeder Form von Aufgeblasenheit zu ächten und Kitsch nicht auf den Leim zu gehen. Also haben sie Zic Zazou & Lutherie Urbaine aus Frankreich eingeladen, um Mister Morricones Stücke zu traktieren mit Flaschenklavier, Schlauchfanfaren, Rohrharmonikas, Eimerpauken und Handschuhpfeifen. Zu sehen ist diese gesetzlose Form des multimedialen Konzerts am kommenden Samstag um 21.30 Uhr in der Fabrik in Potsdams Schiffbauergasse.

An diesem Dienstag startet die 22. Auflage des Unidram-Festivals, das jährlich eine Bühne für freie europäische Theatergruppen bietet – für Ensembles also, die kaum Geld vom Staat bekommen. Fern der gut geheizten Bürgerstuben wird hier etwas riskiert, das selten in die Hose geht, doch manchmal eine Flughöhe erreicht, die einen schönen Schwindel in den Bauch zaubert wie zwei, drei Glas Prosecco. Bis Samstag dauert das Festival, elf Inszenierungen aus sieben Ländern sind eingeladen, darunter sieben deutsche Erstaufführungen.

Zur Premiere ist an diesem Dienstag um 20 Uhr in der Fabrik „Salt Of The Earth“ von der israelischen Hazira Performance Art Arena & Puppet Cinema zu sehen. Ein Stück, das im Grenzbereich von Film, Figuren- und Objekttheater angelegt ist.

info Unidram vom 3.-7. November am Potsdamer Kulturstandort Schiffbauergasse. Infos und Karten unter www.unidram.de und 03 31 / 71 91 39.

Von Lars Grote

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