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Prollig, aber gut: Volbeat in Berlin

Ausverkauftes Konzert in der Zitadelle Spandau Prollig, aber gut: Volbeat in Berlin

Volbeat sind ein Phänomen. Kaum einer scheint die dänische Rock’n’Roll-Band zu kennen, aber die Konzerte sind fast so schnell ausverkauft wie die von Popstars wie Adele. Der Auftritt in der Zitadelle Spandau geriet gewohnt prollig, aber sympathisch. Sänger Michael Poulsen huldigte seinen Helden – von Johnny Cash bis Motörhead. Und auch für eine gerade verstorbene Legende stimmte er ein Liedchen an.

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Michael Poulsen, hier bei einem Konzert der Band am 4. Juni beim „Rock im Park“ 2016.

Quelle: Daniel Karmann

Berlin. Der Volbeat-Sänger Michael Poulsen trägt seine Helden auf einer Jeansweste um die Welt. Ganz oben prangt ein Aufnäher von Motörhead, darunter ein Schriftzug von Johnny Cash, eingerahmt von zwei Revolvern. Bei einer Ansage betont Poulsen, dass er nicht nur Musikern huldigt. Der dänische Rockstar erinnert an Muhammad Ali und sagt: „Er war kein Sänger, aber ein großer Kämpfer“.

Die verstorbene Box-Legende und die dänische Rock’n’Roll-Band passen zueinander wie die finale Faust ins Gesicht des Gegners. Wuchtig, hart, geradeaus – so war der Boxer und so sieht sich auch Poulsen, der Volbeat-Chef mit der abgerissenen Metal-Weste. Beim Konzert am Dienstagabend in der Zitadelle Spandau stellen er und seine drei Bandkollegen das unter Beweis. Mit ihrer vom Country angehauchten Version von Heavy Metal sind Volbeat zum Phänomen geworden. Kaum einer scheint Volbeat zu kennen, aber alle gehen hin. Der Auftritt in Spandau war neben denen der Superstars Adele und Rammstein eines der am schnellsten ausverkauften Berlin-Konzerte des Jahres.

Prollig, aber sympathisch

Die 10.000 Fans wissen genau, was sie kriegen – den schnellen Spaß. Geschichten aus dem Country-Kosmos über harte, einsame Kerle und vom Heavy Metal nur das Beste, nämlich brettharte Riffs und eine rasend schnelle Doublebass. Die Dicke-Hose-Attitüde der im Ausfallschritt rockenden Kerle ist ein bisschen prollig, aber sympathisch. Am besten geht die Rechnung bei „Sad Man’s Tongue“ auf. Poulsen schiebt die Akustikgitarre über die elektrische, singt mit Elvis-Stimme zur Melodie von Johnny Cash, legt die Klampfe ab und verwandelt den Song noch in ein Thrash-Metal-Gewitter. Eine Rockband, die sich auf Johnny Cash bezieht, kann nichts falsch machen. Der Outlaw von einst ist seit seinem Tod für Erwachsene das, was Pizza für Kinder ist – alle fahren darauf ab. Wichtig aber ist, die Liebe der Dänen scheint echt und keine Marketing-Masche zu sein. Gegen den volltätowierten Poulsen, dessen Haare im Rockabilly-Stil mit Gel nach hinten gekämmt sind, wirken The Boss Hoss wie Wildwestclowns aus dem Disneyland.

Subtil wie ein Youporn-Clip

Was die Show angeht, sind Volbeat so subtil wie ein Youporn-Clip. Vorgegrölte Oi-Rufe, hochsteigende Flammen auf der Bühne und Rücken an Rücken gespielte Gitarrensoli wie bei Status Quo. Beeindruckend ist, wie routiniert der 2013 bei Anthrax ausgestiegene Caggiano seinen Auftritt absolviert. Verglichen mit dem Hochgeschwindigkeits-Thrash-Metal seiner vorigen Band, muss er sich bei Volbeat nicht besonders verausgaben. Er spielt die Soli mit der Lässigkeit eines Fährmanns, der zum tausendsten Mal den Kahn ans Ufer steuert. Und so geht nach rund eineinhalb Stunden auch das Konzert zu Ende: Nicht euphorisch, aber souverän – mit dem alten Hit „Fallen“ und dem neuen „Seal The Deal“. Die Fans klatschen sich ab und gehen wieder rüber zum Bierstand. Da ist es wie auf der Bühne – man weiß, was man kriegt.

Von Maurice Wojach

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