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Prominente möchten, dass Matthus Chef bleibt

Kammeroper Schloss Rheinsberg Prominente möchten, dass Matthus Chef bleibt

Das Opernfestival in Rheinsberg steuert in eine ungewissen Zukunft. Seit Monaten ist von einer „Neuausrichtung“ der Kammeroper Schloss Rheinsberg die Rede. Was damit gemeint ist, weiß niemand. Dem Nachfolger von Frank Matthus bleibt wenig Zeit. Es könnte aber auch sein, dass sich der künstlerische Leiter noch einmal bewirbt und sein eigener Nachfolger wird.

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Opernarien im Ehrenhof des Rheinsberger Schlosses am Grienericksee.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. „Neuausrichtung!“ – Seit Monaten schwebt diese Vokabel als Verheißung oder auch als Drohung über der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Im Juli wurde bekannt, dass der künstlerische Leiter Frank Matthus nach vier Jahren im September 2018 aufhört. Sein Dreijahresvertrag war offenbar vom Kulturministerium unter Führung von Martina Münch (SPD) um ein Jahr verlängert worden – Bedingung: Matthus tritt „freiwillig“ ab. Offiziell heißt es deshalb: „Diese Entscheidung respektieren wir.“

Doch Frank Matthus würde gern weitermachen. Er kann 2017 auf eine erfolgreiche Saison verweisen. Die Zahlen haben gestimmt und sogar die Kritiken waren gut. Er ist wie kein zweiter Opernfachmann in Brandenburg verwurzelt. „Es haben zahlreiche Leute Briefe an die Ministerin geschrieben, unter ihnen der Dirigent Christian Thielemann, der Opernregisseur Harry Kupfer und der Freundeskreis der Kammeroper, in denen sie sich für meine Person einsetzen“, sagt Frank Matthus im MAZ-Interview.

Stelle vom Vater übernommen

Frank Matthus (53) trat 2015 die Nachfolge seines Vaters, des Komponisten Siegfried Matthus, an. Der hatte 1990 das Opernfestival Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet.

Da Frank Matthus die Stelle des künstlerischen Leiters ohne Ausschreibung übertragen wurde, stand er unter Beobachtung. Im MAZ-Interview äußert er sich ausführlich über diese heikle Personalie und die Probleme des Opernfestivals.

Das Interview mit Frank Matthus lesen Sie unter www.maz-online.de/matthus

Schon im März 2016 habe ihm der damalige Kulturstaatssekretär Martin Gorholt gesagt, „dass es für die Kammeroper eine Neuausrichtung geben soll“, verrät Matthus. Wie die Zukunft des Opernfestivals aussehen könnte, darüber lässt sich bisher nur spekulieren. Vor einem Jahr übernahm Thomas Falk die Geschäftsführung der Gesellschaft Musikkultur Rheinsberg, der auch die Musikakademie Rheinsberg untersteht. Der vom Kulturministerium eingesetzte Kulturmanager, heißt es, sei aufgefordert, zur Aufsichtsratssitzung am 20. Oktober ein Konzept mitzubringen. „Dass wir dass dann nicht noch monatelang diskutieren müssen, davon gehen wir aus“, so Stephan Breiding, Sprecher des Kulturministeriums. Um eine personelle Entscheidung soll es erst später gehen. Doch kein künstlerischer Leiter kann einen Festivalsommer in wenigen Monaten stemmen. Matthus kann sich vorstellen, sich noch einmal zu bewerben.

Frank Matthus ist künstlerischer Leiter der Kammeroper Rheinsberg

Frank Matthus ist künstlerischer Leiter der Kammeroper Rheinsberg.

Quelle: dpa

Ist es legitim, dass über die Zukunft eines Festivals, für das die öffentliche Hand jährlich mehr als eine Millionen Euro zur Verfügung stellt, nur hinter verschlossenen Türen diskutiert und entschieden wird? Wird künftig größer oder kleiner gedacht? Sollen die Aufführungen vor allem Touristen anlocken oder dürfen auch künstlerische Risiken eingegangen werden? Steht in Rheinsberg künftig die historische Rekonstruktion im Vordergrund oder darf es auch zeitgenössisches Musiktheater sein?

Der Charme des abgelegenen Kulturstädtchens in einer demografisch schrumpfenden Region reicht nicht aus, um die Menschen aus dem Großraum Berlin ins Ruppiner Land rauszulocken. Das Land spricht gern von einem „kulturellen Leuchtturm des Landes“. Rheinsberg ist verkehrstechnisch nicht gut angeschlossen. Will es Opernfreunde aus Nah und Fern langfristig an sich binden, muss es regelmäßig qualitativ hochwertige und einzigartige Aufführungen bieten. Damit ist noch lange nicht erreicht, dass der Leuchtturm über Brandenburg hinaus strahlt und konkurrenzfähig zu anderen Festivals ist.

Rheinsberg als „kultureller Leuchtturm des Landes“

Rheinsberg als „kultureller Leuchtturm des Landes“.

Quelle: Peter Geisler

Musikgeschichtlich war Rheinsberg im 18. Jahrhundert ein bedeutender Ort. Hecken- und Schlosstheater sind eindrucksvoll rekonstruierte Zeugnisse aus dieser Zeit. Friedrich II. und sein Bruder Heinrich versammelten hier Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Joachim Quantz, die Gebrüder Graun, Franz Beda und Johann Abraham Peter Schulz.

In seiner vierjährigen Ära interessierte sich Frank Matthus weniger für das 18. Jahrhundert, sondern ließ drei romantische Opern aus dem späten 19. Jahrhundert aufführen. Was in Rheinsberg künftig gespielt wird, ist völlig offen. Im Kulturministerium, wo vielleicht schon eine Entscheidung gefällt wurde, stehen die Zeichen derzeit auf Synergie und Fusionen. So hält sich das Gerücht, dass die künstlerische Hoheit über das Festival der Kammerakademie Potsdam zugeschlagen werden könnte. Mit ihrer alljährlichen Winteroper hat sich das Orchester in der Branche bereits einen guten Namen gemacht. Nur ob das den Rheinsbergern gefällt?

Von Karim Saab

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