Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Punk und Kammermusik

Sabine Herrmann und Klaus Killisch im Kunst-Kontor Punk und Kammermusik

Die beiden sind ein Paar, doch an den Bildern lässt sich das nur schwer erkennen. Sabine Herrmann und Klaus Killisch stellen ihre grundverschiedenen Bilder in der Potsdamer Galerie Kunst-Kontor aus. Die Malerin feiert das Licht des Südens, der Maler sieht sich in der Tradition des Punk-Pop. Gibt es da Schnittmengen? Man muss aufs Detail schauen.

Voriger Artikel
Willkommen im Obenland
Nächster Artikel
Horst Eckert ließ sich von den NSU-Morden inspirieren

Klaus Killisch vor seinen Bildern in der Galerie Kunst-Kontor – seine Motive spielen mit dem Pop und dessen Plattencover.

Quelle: Lars Grote

Potsdam. Klaus Killisch war ein junger Wilder, er saß bei Judy Lybke am Kanonenofen, Leipzig in den 80ern, als allen klar war, das die DDR sie nicht mehr wärmt. Die Partei, sagt Killisch, hatte die Kunst nicht mehr so richtig auf dem Zettel. Denn das System war morsch, und den finalen Schuss, den sie so fürchtete, erwartete die SED nicht zwingend von den Künstlern um den Galeristen Lybke. „Die Stasi fand das ganz bequem, dass sich die illegalen Maler alle in der kalten Werkstatt aufgehalten haben – das war schön überschaubar“, sagt Killisch, 57 Jahre, und grinst. Weil Lybke längst nicht mehr der Hausherr dieser Rasselbande ist, sondern ein hoch renommierter Kunsthändler.

Auch Klaus Killisch atmet nicht mehr jene Anarchie, mit der man sich als Maler seinerzeit in Leipzig schmückte. Vor einem Jahr vollzog er jenen Schritt, mit der man aufgenommen wird im Schoß des Bürgertums: Er hat geheiratet. Er kannte seine Lebensgefährtin Sabine Herrmann seit dem Studium. Nun, als Ehefrau und Ehemann, wagen sie erstmals eine Doppelausstellung, zu sehen in der Galerie Kunst-Kontor am Jungfernsee. „Natürlich gibt es ein bisschen Konkurrenz“, räumt Killisch ein, er lächelt – „auch wenn wir das nicht zugeben würden.“.

Das Temperament des Malerpaares unterscheidet sich enorm. Klaus Killisch sieht sich als Künstler des Punk-Pop, neulich war er bei den Pixies, den lauten, vorlauten Helden der 80er Jahre. Hier liegt sein Lebensgefühl. Damals schaute man nicht aufs Detail, eher auf den Effekt, und ähnlich lassen sich auch Killischs Bilder lesen. Das Bunte geht hier übers Filigrane, auch wenn die Farben nie gedankenlos gesetzt sind. Wenn Killisch malt, dann dreht er die Subwoofer auf, Grateful Dead, Dark Metal, DJ Koze. Diese Tonlage sieht man auch auf den Bildern, sie sind laut und dominant. Privat aber ist er ein ruhiger Mann, nachdenklich, feinsinnig. Sabine Herrmann, seine Frau, wirkt kommunikativer, und doch scheint ihre Malerei verhaltener als die von ihrem Mann.

In Nizza das Licht des Südens gefunden

Mit der Ausstellung „Ich & Ich“ setzt die Galerie Kunst-Kontor ihre Themenreihe zu Künstlerpaaren fort. Sabine Herrmann (geb. 1961 in Meißen) und Klaus Killisch (geb. 1959 in Wurzen) haben sich beim Studium an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee kennengelernt.

S abine Herrmann
bekam als freischaffende Künstlerin 1992 ein Stipendium des französischen Kulturministeriums für einen einjährigen Aufenthalt in Nizza, wo sich ihr das Licht des Südens offenbarte, das ihre Malerei seither beeinflusst.

Klaus Killisch hat seine Hommage an die Band Grateful Dead im Museum Junge Kunst in Frankfurt (Oder) gezeigt, seine Bilder waren auch in Ausstellungen wie der Biennale di Venezia zu sehen, dem Museum Folkwang und der Neuen Nationalgalerie in Berlin.

Die Galerie Kunst-Kontor zeigt die Bilder des Künstlerpaares bis zum 17. Dezember. Öffnungszeiten Di, Mi 15-19 Uhr, Do 15-20 Uhr, Sa 13-18 Uhr. Bertiniweg 1a. Infos: www.kunst-kontor-sehmsdorf.de

Die Bilder von Sabine Herrmann sind transparenter, luftiger, die Dinge stürzen ein auf ihrer Leinwand. Wenn Klaus Killisch sich beim Malen an der Tonlage des Pop-Punk orientiert, dann zählt Sabine Herrmann zur Kammermusik, der man eine Harfe in den Raum geschoben hat.

Wer das Kunst-Kontor der Galeristin Friederike Sehmsdorf besucht, der käme nicht auf die Idee, dass hier ein Ehepaar ausstellt. Sehmsdorf aber betont, „dass hier zwei Künstler der letzten Generation ausgestellt werden, die noch nicht marktkonform zurechtgebogen wurden.“ Sie gingen noch als „reine Künstler“ in die Welt.

Klaus Killischs Motive kreisen immer wieder ums Plattencover, auch das ist eine Gattung, die heute immer mehr verblasst. Die Langspielplatte bot Platz für üppige Gestaltung, die CD hat diese Fläche radikal verknappt. Der Download legt nun keinen Wert mehr auf die Titelseite, die gestaltbar wäre.

Wenn sich Killischs Welt gerne bei Neonlicht in Clubs einrichtet, atmen die Bilder seiner Frau das Licht des Südens, das sie bei einer Reise nach Nizza kennenlernte.

Im Kunst-Kontor sind Bilder aus den letzten zwei Jahren zu sehen. Gegensätze, männliches und weibliches Prinzip. Unterm Strich: Geglücktes Zeugnis einer Liebe.

Von Lars Grote

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?