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„Wir machen keine albernen Spielchen“

Interview mit Radio-1-Moderatorin Anja Caspary „Wir machen keine albernen Spielchen“

Anja Caspary (50) moderiert seit 18 Jahren bei Radio Eins. Sie ist seit dem Senderstart mit dabei. Im MAZ-Interview spricht sie darüber wie es ist, Programm für Berliner und Brandenburger zu machen und wie das Internet das Radio verändert hat.

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Moderatorin Anja Caspary.

Quelle: Detlev Scheerbarth

Potsdam. Seit 18 Jahren gibt es nun Radio Eins. Genauso lange ist auch schon Anja Caspary als Moderatorin mit dabei. Im MAZ-Interview sagt sie, welchen Einfluss das Internet auf das Radiomachen hat und wie sie ihre Liebe zum Radio entdeckt hat.

Frau Caspary, Sie sind bei Radio Eins von Anfang an dabei. War es eigentlich schwer, ein Programm zu entwickeln, dass für Brandenburger und Berliner gleichermaßen spannend ist zu hören?

Caspary: Als Radio Eins anfing, haben wir zwar nicht für zwei Kulturkreise gesendet, aber wir wussten, dass die Leute auf dem Land anders waren als in Berlin. Das hat sich längst geändert. Heutzutage muss ich doch keinem Brandenburger mehr erklären, was das Berghain ist.

Ihre Hörerschaft ist auf gleichem Stand?

Caspary: Ja, in etwa. Mittlerweile wohnen auch viele Hauptstädter im Brandenburgischen, das hat sich sehr vermischt. Kürzlich hatte ich den Inhaber der Wassermühle Gollmitz in der Sendung. Er ist ein ehemaliger Berliner, der in die Nordwestuckermark gezogen ist und dort einige Konzerte veranstaltet. Da spielen Knorkator und andere bekannte Bands. Oder schauen Sie, was im Schloss Neuhardenberg los ist! Dort ist Van Morrison aufgetreten, nicht in Berlin. Man darf die Leute nicht unterschätzen.

Wie hat sich das Radiomachen verändert ?

Caspary: Durch das Internet hat es sich sehr verändert. Früher konnte man mit dem Melody Maker, einer Musikzeitschrift, unterm Arm ins Studio kommen und den Hörern erzählen, wer in England gerade Nummer eins ist oder wer von der Bühne gestolpert ist. Als Moderator war man der große Star, wenn man eine Sendung machte mit Platten, die man aus Amerika oder England mitgebracht hatte. Barry Graves zum Beispiel hatte immer die neuesten Scheiben aus New York dabei. Heute kann jeder im Internet tolle Musik entdecken.

Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Caspary: Wir müssen die Dinge einordnen, sagen, warum etwas gut oder weniger gut ist. Und dabei hilft uns unser Wissen und unsere Erfahrung.

Stellen Sie sich jemanden vor, während Sie ins Mikro sprechen?

Caspary: Nein, keinen konkreten Menschen, aber ich habe eine vage Vorstellung von jemandem der – je nach Tageszeit – gerade im Auto oder in der U-Bahn sitzt und zur Arbeit fährt. Bei einer Abendsendung spreche ich vielleicht zu einem Menschen, der in der Badewanne liegt.

Haben Sie Kontakt mit den Hörern?

Caspary: Natürlich! Minütlich bekommt man Reaktionen über Facebook und Twitter! Das ist auch anders als früher, als noch Postkarten verschickt wurden. Radio Eins ist in den sozialen Netzwerken sehr verzweigt. Wenn der Moderator Quatsch erzählt, kommt prompt eine Reaktion. Die Hörer kommen sogar auch persönlich vorbei.

Radio Eins hat lange gebraucht, um bei den Hörern anzukommen.

Caspary: Ja, das stimmt. Aber seit ungefähr zehn Jahren hat sich die Mischung aus seriöser Information und anspruchsvoller Musik etabliert. Und die Persönlichkeiten, die am Mikrofon stehen, machen Radio Eins unverwechselbar. Wir machen keine albernen Spielchen und haben keine gekünstelte gute Laune, wie man es so oft im Radio hört.

Wann haben Sie Ihre Liebe zum Radio entdeckt?

Caspary: Als Kind bin ich ohne Fernseher aufgewachsen, darum war für mich das Radio sehr wichtig. Ich habe viel nachts gehört, obwohl ich eigentlich schlafen sollte: Wunschsendungen und Hörspiele. Es ist schön, wenn allein durch eine Stimme Bilder im Kopf entstehen.

Und wie sind Sie beim Radio gelandet?

Caspary: Auf einer Party nach dem Abitur sagte jemand zu mir, meine Stimme erinnere ihn an Nena und ob ich auch singen könne. Das war ein Musikproduzent, durch den ich einen Plattenvertrag für eine Single bekam. Mit dem Song wurde ich zum Hessischen Rundfunk eingeladen und interviewt. Und dort im Hörfunkstudio merkte ich, Moderieren ist mein Traumjob. Ich habe damals noch meine Ausbildung zur Physiotherapeutin beendet und mich dann beim SFB für ein Praktikum beworben.

Zwischendurch haben Sie beim Fernsehen (VH-1) gearbeitet, aber nicht so lange.

Caspary: Im Fernsehen zählt nur, wie man aussieht, die Optik überstrahlt alles. Da kann das Interview noch so gut sein, wenn man den falschen Blazer trägt, wäre nur dies das Thema. Das ist doch ein Vorteil vom Radio: Man hört nur hin und konzentriert sich auf die Stimme.

Zusammengefasst: Traumjob Radio Eins?

Caspary: Absolut! Und das liegt nicht nur am Chefredakteur Robert Skuppin, der auch schon mal alle zum Kochkurs schickt, damit wir uns besser ernähren. Und nicht immer nur Kekse zwischendurch naschen.

Von Claudia Palma

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