Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Rafael Seligmanns böser Zukunftsblick
Nachrichten Kultur Rafael Seligmanns böser Zukunftsblick
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 28.06.2017
Gewiefter Satiriker: Der Politologe und Zeithistoriker Rafael Seligmann macht in seinem Roman „Deutsch meschugge“ den Quotenjuden einer rechtspopulistischen Partei zum Bundeskanzler. Quelle: picture alliance / dpa
Anzeige
Hannover

Deutschland in der zukünftigen Gegenwart. Wir schreiben das Jahr 2019. Die ewige Regierungschefin Hedwig Kleinert hat abgewirtschaftet. Zwar rettet sie in den Bundestagswahlen ihre Konservativen noch auf Platz eins der Wählerstimmen, doch dahinter kommt mit viel Dynamik schon die rechtspopulistische „Deutsch-Nationale Mehrheitspartei“. Die Partei mit ihrem neonazistischen Anführer Urban Hansen greift nach der Macht – und mit ihr der ehrgeizige hessische Landesvorsitzende, Paul Levite.

Eine Geschichte von Macht und ihren Versuchungen

Als Quotenjude soll er der Partei einen republikanischen Anstrich geben. Levite, barocker Genussmensch und unsteter Geist, gewinnt Gefallen an der Macht und entdeckt unerwartet macchiavellistische Züge an sich. Er putscht sich an die Spitze der Bewegung und wird schließlich Bundeskanzler, indem er ein Bündnis mit den DDR (Die Deutschen Realsozialisten) eingeht.

Seligmann, gewiefter Satiriker einer- und gefragter Politberater andererseits, erzählt eine Geschichte von der Macht und ihren Versuchungen, von Hybris und Selbstzweifeln und auch von den Brechungen einer jüdischen Identität im selbstgefälligen Deutschland der Jetztzeit. Fantasienamen für all die Merkels, Höckes, Gaucks und Wagenknechts, für die Linke und die AfD scheinen nur ausgewählt, um dem Buch die eine oder andere Unterlassungsklage zu ersparen. Denn egal, ob man „Deutsch meschugge“ jetzt als Satire oder als düstere Projektion deuten mag, die Handlung ist – bis auf das etwas zu kulminierte Ende – so frappant realistisch, dass während des Lesens ein Blick auf das eine oder andere Nachrichtenportal Entspannung verschafft: Nein, Merkel ist noch nicht Kleinert, der Präsident heißt Steinmeier und die AfD steht bei 6,5 Prozent in den Umfragen …

Buhlen um jüdische Bürger

Dass allerdings die AfD vermehrt um jüdische Bürger buhlt, deren berechtigte Angst vor islamistischen Radikalen schamlos ausbeutet so wie auch die jüdischen Mitglieder, die als demokratisches Feigenblättchen die teils offen neonazistischen Strukturen verhängen sollen – und dass es den einen oder anderen „Paul Levite“ in der AfD schon gibt, das war Rafael Seligmann nach eigener Aussage nicht bekannt.

Also hat ihn die Realität hier schon eingeholt – wenngleich die literarische Stärke des Buches vor allem in der fein durchbrochenen Schilderung des Menschen Levite liegt – eines selbstzweifelnden Polterers, der eigentlich von allen geliebt werden möchte und alle liebt. Vor allem alle Frauen. Und weil er den Schwung der ersten Verliebtheit niemals verlieren möchte, wechselt er die Damen auch, bevor sich nur ein Ansatz von Routine entwickeln kann. Diese private Unstetheit, die Seligmann mit spitzer Feder an den Rändern jüdischen Selbstmitleids entlang- und vorbeiführt, hat natürlich mit den Erlebnissen der Shoah zu tun, aus der sich auch Levites einziges moralisches Motiv speist: nie wieder wehrlos zu sein.

Vielschichtig verstörter Held

Die sensible Schilderung dieses so vielschichtig verstörten Helden ist für das Buch mindestens so wichtig wie die implizite politische Mahnung des Autors, die Demokratie im Lande sei nur ein dünner Firnis. Wer „Deutsch meschugge“ liest, wird um diese Erkenntnis nicht herumkommen – schon allein deshalb nicht, weil manches unnötig dick aufgetragen wird. Wieso bei der Rechtspartei permanent von Gauen und Reichsvorstand die Rede ist, erschließt sich überhaupt nicht, da die Strukturen ansonsten gänzlich unberührt bundesdeutsche sind. Da sind dem Lektor einige überflüssige Naziarabesken durchgerutscht. Sie allerdings trüben das Leseerlebnis kaum. Das könnte wohl nur die Realität, so sie denn das Buch überholen sollte …

Von Daniel Killy / RND

Wenn sich einer wie „Wilson“ im Bus oder Flieger neben Sie setzt, haben sie verloren. Craig Johnson verfilmt eine Graphic Novel über einen nervtötenden Zeitgenossen. Aber Woody Harrelson kriegt den munteren Misanthropen nicht so recht in den Griff. Was gar nicht mal seine Schuld ist.

28.06.2017

Starke Dokus, spannende Spielfilme und eine Hommage: Das Jüdische Filmfestival zeigt mehr als 30 Filme, die mal auf heitere, mal auf ernstere Weise von jüdischen Lebenswelten in Amerika, Europa und Israel erzählen. Außerdem widmet sich eine Sonderreihe dem sehr produktiven Regisseur und Produzenten Emeric Pressburger (1902–1988).

30.06.2017
Kultur Premiere im Hans-Otto-Theater - Tücken und Freuden einer Männer-WG

Das Hans-Otto-Theater in Potsdam präsentiert als Sommer-Open-Air 2017 die Komödie „Ein seltsames Paar“ von Starautor Neil Simon. Die Geschichte um die aus der Not geborenen Männer-WG der beiden Pokerfreunde Oscar und Felix, die sich rasant in eine nervige Beziehungskiste verwandelt, wurde durch die Hollywood-Verfilmung weltweit bekannt.

27.06.2017
Anzeige