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Rainald Grebe huldigt Brandenburg in Berlin

Rainald Grebe spielt ein großes Konzert in der Berliner Wuhlheide Rainald Grebe huldigt Brandenburg in Berlin

Witze über Königs Wusterhausen, ein Kamel aus Waltersdorf, jede Menge Gags und natürlich the one and only: Rainald Grebe. Am Samstag hat er in der Berliner Wuhlheide ein einmaliges Konzert gegeben. Es stand unter dem Motto „Volksmusik“. Doch so mancher hatte von dem Abend etwas anderes erwartet.

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Kultmusiker Rainald Grebe hat am Samstag in Berlin mit dem Wuhlorchester ein einmaliges Konzert gegeben.

Quelle: dpa

Berlin. Da trommelt Rainald Grebe seit Monaten für sein Konzert in der Wuhlheide, bezahlt sich für technische Effekte dumm und dusselig, reitet auf einem Kamel ein, lässt sich von Streichern, Chören und Kapelle begleiten und dann das: Die ersten Zugabe-Rufe kommen mitten im Konzert, als ein anderer auf der Bühne steht. Der Bariton Thomas Quasthoff hat gerade mit brillant gespielter Ernsthaftigkeit eine nur am Klavier begleitete Version von Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ gesungen. Die Besucher fragen sich, was das ist, das sie durchfährt: Gänsehaut oder Lachkrampf? Genial, wie der Gesangsprofessor den Mitgröhl-Schlager zelebriert. Hochkultur trifft Schützenfest – das ist vor allem deshalb so komisch, weil Quasthoff schaut, als hätte er gerade einen Mord begangenen – den er nicht bereut.

An diesem Samstagabend ist das Drumherum der Star. Rainald Grebe führt durch die Show, zuerst nervös und wirr, als die Dunkelheit einbricht und die Größe der Arena die Bedrohlichkeit verliert dann pointierter. Er hat es mit einem Publikum zu tun, das nach dem großen Event und den schnellen Gags zu gieren scheint und das mindestens so lange wie Grebe selbst braucht, um zu verstehen was das hier eigentlich ist. Kleinkunst auf großer Bühne, hintersinnige Lieder, mal sperrig, mal albern, meistens sehr nah dran an Gesprächen und Berichten, die Grebe im Alltag aufsaugt und zu Songs knetet.

Die Wuhlheide war voll besetzt

Die Wuhlheide war voll besetzt.

Quelle: dpa

Rainald Grebe arbeitet an mehreren Schauspielhäusern als Regisseur, schreibt Theaterstücke. Sein großes Arena-Konzert inszeniert er in der Tradition der 1973 in der Wuhlheide gefierten Weltjugendspiele, mit Ironie statt Ideologie. Vielleicht ist es ein Lob für einen Theatermacher, dass sich einige Höhepunkte zwischen seinen eigenen Auftritten verbergen. Zum Beispiel in der Pause. Vier Frauen in weißen Reifröcken blicken konzentriert wie bei einer Doktoranden-Prüfung auf den Chor-Dirigenten und singen dämlichsten Party-Quatsch. „Titten raus, es ist Sommer“, „Ich habe ‚ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin bin ein Döner“, „Finger im Po, Mexiko“. Grebe hatte angekündigt, er gehe an diesem Abend auf die gemeinsame Suche nach dem deutschen Volkslied.

Wo sonst, wenn nicht am Ballerman auf Mallorca, werden Volkslieder noch gesungen? Zig Union-Berlin-Fans in Trikots und Schals wissen die Antwort: im Fußballstadion. Nachdem sich ein blasierter Chanson-Schönling an Grebes „Brandenburg“-Hymne versucht hat, rufen Sie „Auf die Fresse!“. Als es endlich dunkel ist, zünden sie ein bengalisches Feuer an, roter Rauch steigt aus dem Block. Anderswo würde Stadionverbot drohen, in der Wuhlheide machen derlei Hingucker den Abend zu einem bunten, chaotischen Spektakel.

Das Motto des Abends

Das Motto des Abends: Volksmusik.

Quelle: dpa

Trotzdem dankt das Publikum Grebe nicht jeden Einfall, am Bierstand sagt eine zu ihrem Freund: „Vielleicht versteht man das nachher, wenn man betrunken ist.“ Nur gut, dass sich der Zeremonienmeister mit dem sächsischen Komiker Olaf Schubert einen Komiker eingeladen hat, der die Gier nach Gags routiniert stillt. Er lästert über die Pegida, deren Ausländerhass ohne Ausländer und scheint sich auch mit der brandenburgischen Bevölkerungsstruktur bestens auszukennen: „Dresden ist die islamisierteste Stadt nach Königs Wusterhausen.“

Am Ende stehen hunderte Freunde, Musiker und sonstige Unterhalter – darunter die rührend dadaistisch daherredende Chorleiter-Legende Gotthilf Fischer - gehorsam hinter Rainald Grebe. Der Zeremonienmeister singt „Brandenburg“, die Hymne aller Hymnen. Ganz wie es sich für Berlin, die Metropole des mündigen Verbrauchers, gehört, gibt es dazu ein Feuerwerk, das sich recyceln lässt. Es ist aus Holz, die Zuschauer aus der ersten Reihe drücken es in die Luft. Die Bühne leert sich, dann ein letzter Auftritt. Thomas Quasthoff singt nochmal, großer Applaus.

Von Maurice Wojach

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