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Ralph Hammerthaler und der Sex in der Kleinstadt

Brandenburg-Roman Ralph Hammerthaler und der Sex in der Kleinstadt

Im Keller in einem Haus am Rande einer Kleinstadt drehen Jugendliche Pornos. Der Berliner Ralph Hammerthaler war einige Monate Stadtschreiber in Rheinsberg und ließ seine Eindrücke in einen fiktiven Roman einfließen. Darin geht es aber um viel mehr als um Sex.

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War Stadtschreiber in Rheinsberg: Ralph Hammerthaler.

Rheinsberg. In der gegebenen Welt liegt nicht alles offen zutage. Der Berliner Ralph Hammerthaler verbrachte 2012 viele Tage und Nächte als Stadtschreiber in Rheinsberg. Aus dieser Erfahrung speist sich sein „Kurzer Roman über ein Verbrechen“. Es ist kein Krimi, auch wenn es eine Tote gibt, sondern luzide Rollenprosa mit dem Anspruch eines Gesellschaftsromans.

Die handelnden Personen sind Jugendliche einer brandenburgischen Kleinstadt, die aber nicht beim Namen genannt wird. Til ist Nazi, Mücke eine Linke, Arben stammt aus dem Kosovo und die hübsche Anna klaut zwanghaft in Supermärkten. Der Ich-Erzähler ist gerade 20 und nennt sich stolz „Start-up-Unternehmer“. Er produziert mit den Jugendlichen Pornos fürs Internet und hat Mühe, den Laden zusammenzuhalten. „Ich wusste, dass unsere Kunden eine Vorliebe für Teenies hegten.“ Um sie zu binden, gewinnt er als Identifikationsfigur auch noch Gerhard hinzu, einen Familienvater mit Bauch-Ansatz, der den Usern der Seite das genussvolle sexuelle Doppelleben vorexerzieren darf.

Hammerthaler entwirft ein durchaus realistisches Szenario. Die Orgien steigen im Keller eines Hauses am Stadtrand, das eine Großmutter dem Enkel Til überlassen hat. Nach einer üblen Nazi-Attacke kann die verschworene heterogene Gemeinschaft, die sich nach außen als Yoga-Gruppe ausgibt, Til nicht einfach vor die Tür setzen.

Doch Gegensätze ziehen sich an. Der Sex im Keller wird zum heilsamen gemeinsamen Nenner, der einzelnen Akteuren sogar zu mehr Selbstvertrauen verhilft. „War die Arbeit beendet, begaben wir uns nach oben ohne die Vertrautheiten mitzunehmen.“ Bis ein Exzess das Gleichgewicht aushebelt.

Hammerthaler hat keinen Porno geschrieben, das Ausfantasieren expliziter Szenen bleibt dem Leser überlassen. Vielmehr gelingt ihm ein vielschichtiges Beziehungspanorama und Stimmungsbild einer Kleinstadt. Obendrein stellt der Autor auch die Frage nach der wahren Liebe, denn jenseits aller Äußerlichkeiten ist sein Ich-Erzähler unglücklich verliebt.

Info: Ralph Hammerthaler: Kurzer Roman über ein Verbrechen. Verbrecher Verlag, 136 Seiten, 19 Euro.

Von Karim Saab

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