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Kultur Raubkunst im Potsdamer Museum Barberini?
Nachrichten Kultur Raubkunst im Potsdamer Museum Barberini?
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16:23 30.01.2019
Henri Edmund Cross, "Regatta in Venedig", 1903/4, ausgestellt im Museum Barberini, Potsdam, 30.1.2019 Quelle: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Klafft in der Henri-Edmond-Cross-Ausstellung im Potsdamer Museum Barberini demnächst eine Lücke? Eine Wandfläche ohne Bild? Im Museum will man sich lieber nicht weiter dazu äußern. „Die Situation ist im Moment völlig unklar“, sagt Sprecher Achim Klapp. Klar ist nur Folgendes: Das Museum steht im Verdacht, in seiner aktuellen Ausstellung NS-Raubkunst zu zeigen.

Eine Leihgabe des Museum of Fine Arts in Texas

Konkret geht es um das Gemälde „Regatta in Venedig“, das der neoimpressionistische Künstler um 1903 gemalt hat und das derzeit in der Ausstellung „Farbe und Licht“ zu sehen ist. Das Bild ist eine Leihgabe des Museums of Fine Arts in Houston im US-Bundesstaat Texas. Auf welchem Weg genau es in die USA kam ist bislang ungeklärt. Nur so viel: Es handelt sich um eine Schenkung der US-Politikerin und ehemaligen Gesundheitsministerin Oveta Culp Hobby an das Museum aus dem Jahr 1958. Fest steht allerdings: Die Erben des 1977 verstorbenen französischen Geschäftsmannes und Kunstsammlers Gaston Lévy behaupten, es sei 1940 von deutschen Soldaten gestohlen worden.

Einstweilige Verfügung gegen das Barberini

Die Berliner Anwaltskanzlei Partsch und Partner, die die in Italien und Belgien lebenden Erben vertritt, hat deshalb beim Landgericht Potsdam gegen das Barberini eine einstweilige Verfügung beantragt und will erreichen, dass das Bild unverzüglich an die rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben wird, oder wenigstens an einen Treuhänder, bis geklärt ist, wem das Bild rechtmäßig gehört. „Die Erben haben lange Zeit nach dem Bild gesucht“, sagt Rechtsanwalt Christoph Partsch. Jetzt seien sie fündig geworden.

Kommende Woche fällt die Entscheidung

Beim Landgericht Potsdam bestätigt man den Eingang des Antrages der Rechtsanwaltskanzlei. Die Entscheidung über den zumindest vorläufigen Verbleib des Bildes werde voraussichtlich kommenden Dienstag oder Mittwoch fallen, sagt Sprecher Sascha Beck.

Nazi-Vermerk auf der Rückseite

Die bislang vorliegenden Indizien sprechen dafür, dass das Bild in der Tat unter die Kategorie Nazi-Raubkunst fallen könnte. Denn auf der Rückseite des Gemäldes sei noch heute die Nummer MA-B 1085 vermerkt, sagt Partsch. Die Abkürzung stehe für „Möbel Aktion Bilder“ des Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg, in der systematisch jüdisches Eigentum konfisziert wurde. Offenbar ein eindeutiges Zeichen, dass es sich bei dem Bild um Raubgut handelt.

Auf der Rückseite des Bildes Regatta in Venedig von Henri-Edmond Cross ist der Vermerk aus der Nazizeit noch zu sehen.  Quelle: Museum of Fine Art, Houston.

Zumindest ein Blick auf die Internet-Seite des Museums of Fine Arts bestätigt dies. Die Texaner zeigen dort nicht nur das Bild „Regatta in Venedig“, sondern auch mehrere Details, sowie die Rückseite, auf der NS-Vermerk deutlich zu erkennen ist. Insofern müsste eigentlich bekannt gewesen sein, dass es sich bei dem Bild um Raubkunst handelt.

Das Barberini bemüht sich um Aufklärung

Im Potsdamer Museum Barberini gibt man sich reserviert. Das Museum in Houston bemühe sich intensiv um eine „möglichst sofortige Aufklärung des Sachverhaltes“, teilte das Museum am Mittwoch mit. Vom Museum of Fine Arts war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten. Vermutlich in Abstimmung mit dem Barberini hieß es in Potsdam: „Sowohl das Museum of Fine Arts Houston wie auch das Museum Barberini sehen die Klärung der rechtmäßigen Eigentümerschaft als dringende Verpflichtung an.“

Die Washingtoner Erklärung

Dass das Bild an die Lévy-Erben zurückgegeben werden muss, falls sie als Eigentümer bestätigt werden, ist damit allerdings noch nicht ausgemacht. Denn die Rechtslage ist kompliziert. Anwalt Partsch beruft sich auf die sogenannten Washingtoner Erklärung von 1998, in der sich die Bundesrepublik und 43 weitere Staaten dazu verpflichteten, „nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu suchen und gegebenenfalls die notwendigen Schritte zu unternehmen, eine gerechte und faire Lösung zu finden.“

Verjährungsfrist nach 30 Jahren

Staatliche Museen in Deutschland sind deshalb angehalten, Raubkunst zurückzugeben. Private Institutionen können jedoch nicht dazu gezwungen werden, betont Frey Paschen vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste in Magdeburg, das auf Provenienzforschung, also Klärung der Herkunft von Kulturgütern spezialisiert ist. Es handle sich lediglich um eine moralische Verpflichtung und keinen Rechtsanspruch. Und Kunstdiebstahl verjährt in Deutschland nach 30 Jahren.

Moralisch Verpflichtung

Im Museum Barberini sieht man deshalb sehr wohl eine moralische Verpflichtung. „Die Frage der Provenienz ist umso wichtiger, da es sich bei Cross um einen Künstler handelt, dessen Werk in Deutschland durch nationalsozialistische Beschlagnahmungen auch aus deutschen Sammlungen in Vergessenheit geraten ist“, erklärt das Museum.

Von Mathias Richter

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