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Kultur Regener: "Musiker ist man immer"
Nachrichten Kultur Regener: "Musiker ist man immer"
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01:10 27.09.2014
Sven Degener, Sänger der Band Element of Crime. Quelle: dpa

MAZ: Herr Regener, auf Ihrem neuen Album geht es in Richtung Country, der war schon auf dem Album „Try To Be Mensch“ von 1987 zu hören…
Sven Regener: …weil wir dieselben drei Songs immer wieder aufnehmen, es kommt nur jedes Mal etwas anderes dabei heraus. Von drei Grundsongs kannst du musikalisch ein ganzes Leben bestreiten. Auch textlich geht es am Ende immer um dieselben drei Themen. Es gibt ja Maler, die malen ihr Leben lang nur Blumen. Guck mal auf Monet. Daran ist gar nichts Seltsames, man sollte auch nicht behaupten, dass darin keine Entwicklung steckt.

Warum haben Element of Crime, die in den Texten so schillernd mit der deutschen Sprache spielen, eigentlich auf den ersten vier Alben Englisch gesungen? Da ist viel Potenzial verschenkt worden …
Regener: Das Englische war für uns damals ideal. Wir konnten Sachen singen, die wir uns auf Deutsch nicht trauten. Englisch passte damals zur ungeschliffenen Musik. Und wegen der Musik gründet man ja eine Band. Nicht wegen der Texte. Wir sind damals, in den späten 80ern, nicht zufällig mit Bowie oder Velvet Underground verglichen worden.

Wenn Sie von den großen Velvet Underground als Vorbild reden, müssen Sie erklären, wie Sie in den 80ern deren Genie John Cale als Produzenten gewinnen konnten. Sie waren noch unbekannt, Cale war ein Star!
Regener: Eigentlich wollten wir gar keinen Produzenten. Aber unser Label sagte: Einer muss die Verantwortung für das Geld übernehmen. Dann gaben sie uns eine Liste: Elvis Costello, Nick Lowe... John Cale hatte Lust. Wir waren aufgeregt, aber haben uns nichts anmerken lassen. Das konnten wir schon immer gut (lacht).

Hat sich Cale über Ihr sehr norddeutsches Englisch geärgert?
Regener: Das war dem egal. Wir wirkten arrogant, auch das war ihm egal. Die Deutschen hatten an meinem Englisch dauernd was zu nörgeln, die Engländer fanden es okay. Oder auch nicht. Aber John Cale, das war ein Durchbruch!

Sie singen nun mehr als 20 Jahre auf Deutsch. Vor 13 Jahren ist „Herr Lehmann“ erschienen, der erste Roman von Ihnen. Ihre Lieder sind poetisch und verknappt, die Bücher umgangssprachlich und ausschweifend. Wie kann man diesen Spagat, der fast ein Widerspruch ist, hinbekommen?
Regener: Das sind zwei verschiedene Sportarten. Die kann ich halt. Dafür kann ich andere Sachen nicht. Dass ich 100 Songtexte geschrieben hatte, hat mir bei den mittlerweile vier Romanen nicht geholfen. Wir schreiben ja erst die Musik, dann lege ich die Texte drüber – dadurch wird die Verknappung erzwungen.

Was ist künstlerisch erfüllender, Musik zu machen oder Bücher zu schreiben?
Regener: Manchmal ist es toll, etwas ganz alleine zu tun und zu verantworten. Dann ist es wieder verdammt einsam. In der Band bist du unter Leuten. Aber wenn du ein Buch fertig hast, ist die Arbeit getan. Du kannst Lesungen machen, doch das ist eine freiwillige Zusatzleistung. Musiker ist man immer, Schriftsteller ist man nur, wenn man gerade ein Buch schreibt.

Aber wenn man zusammen arbeitet, gibt es öfter Streit. Ist Element of Crime eine Band, die ihre Kreativität durch Reibung gewinnt?
Regener: Wenn man jung ist, hat man immer das Gefühl, die eigene Meinung komme zu kurz, darum ist man aufbrausender. Es ist gut, dass es so ist. Aber es ist auch gut, dass es irgendwann aufhört. Die Beatles waren nach zehn Jahren Kampf um den Platz in der Band so erschöpft, dass sie aufhören mussten.

Da Sie von Lennon/McCartney und ihren großen Liedern sprechen: Wie kommt es, dass bei Element of Crime nicht die Singles, sondern die Alben Erfolg haben?
Regener: Wir machen keine Songs, auf die sich plötzlich alle einigen können. Hätten wir 1988 einen tollen Single-Hit gehabt, dann wären wir 1990 vielleicht musikalisch tot gewesen, weil kein zweiter Hit gefolgt wäre. Single-Erfolge führen zu Wiederholungsdruck.

Sie wollten keine Hits?
Regener: Die Rockmusik ist nicht unbedingt ein Single-Bereich, auch die Arctic Monkeys oder Bob Dylan sind keine Single-Typen. Aber ein Single-Erfolg kann natürlich sogar uns passieren – aus Versehen. Denken wir an „Delmenhorst“.

Hat die Band mehr Platten verkauft, seit die „Lehmann“-Bücher Erfolg haben?
Regener: Es gibt Menschen, die schätzen Lehmann, aber die können mit Element of Crime nichts anfangen. Auch der umgekehrte Fall ist denkbar. Selbst wenn es stimmt, dass die letzten beiden Alben unsere erfolgreichsten waren. Ich habe den Vertrag beim Verlag ganz ohne Manuskript bekommen. Vermutlich, weil ich Sänger von Element of Crime war. Die Band hilft also den Büchern, nicht unbedingt die Bücher der Band.

Interview: Lars Grote

Element of Crime: Lieblingsfarben und Tiere. Vertigo Berlin/ Universal Music.
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