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Regisseur Schlöndorff plant Verdun-Gedenken ohne Pomp

Geschichte Regisseur Schlöndorff plant Verdun-Gedenken ohne Pomp

Die mörderische Schlacht um Verdun jährt sich in diesem Jahr zum 100. Mal. Mit der Planung der Gedenkfeier ist Regisseur Volker Schlöndorff beauftragt. Was er sich vorstellt, hat er jetzt erstmals verraten.

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Regisseur Volker Schlöndorff stellt das Menschliche in den Vordergrund.

Quelle: Michael Kappeler

Berlin. Regisseur Volker Schlöndorff (76) setzt bei der zentralen Gedenkfeier zum 100. Jahrestag der Schlacht von Verdun auf leise Töne. "Ohne Pomp, ohne Zeremonie, ohne Militär. Wir wollen das Menschliche haben, die menschliche Dimension", sagte er am Montagabend der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Schlöndorff ist vom französischen Präsidenten Francois Hollande mit der Planung der Gedenkfeier am 29. Mai beauftragt worden, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnimmt.

Eine zentrale Rolle sollen 4000 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich bekommen, die über den großen Soldatenfriedhof von Verdun verteilt würden. "Und dann erhoffe ich mir, dass es einen Dialog zwischen den Politikern und diesen Jugendlichen gibt" - statt großer Gedenkreden. "Ich sehe das alles klar vor meinem geistigen Auge, aber wir sind ja noch ganz am Anfang der Planungen", sagte der in Hessen geborene Regisseur, der seit seiner Jugend immer wieder auch in Frankreich lebte.

Neben den Jugendlichen soll auch das West-Eastern Divan Orchestra von Dirigent Daniel Barenboim eine Rolle bei der Gedenkveranstaltung spielen. Darin spielen israelische und arabische Musiker Seite an Seite.

Sich mit der Schlacht um Verdun näher zu befassen, sei spannend für ihn, sagte Schlöndorff. "Man geht über diesen Hügel, man geht da durch die Wälder und sieht, dass da ohne jeden strategischen Sinn und Zweck 300 000 Männer in 300 Tagen hingemetzelt wurden." Hinzu kämen ein bis zwei Millionen Schwerverwundete. "Und das nur, weil sich irgendwelche Generäle in den Kopf gesetzt hatten: 'Dieser Hügel muss erobert werden'." Auch wenn es 100 Jahre her sei, betreffe es uns heute noch immer, sagte Schlöndorff: "Dass Menschen zu solchen Idiotien fähig sind, muss immer wieder erzählt werden."

Ob er als Regisseur anders als andere an die Aufgabe herangehe, könne er nicht sagen, auf jeden Fall setze er auf Visuelles: "Das erste, was ich den Franzosen gesagt habe, war: 'Macht doch mal ein kleines Video auf eurem Handy über die Rue de Verdun, also die Verdun-Straße.' Eine solche Straße gibt es ja in 36 000 Gemeinden in Frankreich." Schlöndorff zeigte sich gespannt darauf, ob die Menschen noch wüssten, was Verdun wirklich bedeute.

Der Beginn der Schlacht jährte sich bereits am vergangenen Sonntag, sie ist zum Symbol für den brutalen Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs und die Industrialisierung des Krieges überhaupt geworden.

Schlöndorff ist einer der bekanntesten deutschen Regisseure, 1980 gewann seine Verfilmung des Günter-Grass-Romans "Die Blechtrommel" einen Oscar. Sein Lebensthema ist vor allem die jüngste deutsche Geschichte mit der Frage nach den Ursachen des Nationalsozialismus.

dpa

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