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02:16 12.07.2015
Im 1970er-DDR-Wohnzimmer (v.l.): Wera Sawistowski, Andreas Gabbert und Babette Gehn. Quelle: Christel Köster
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Babelsberg

Stilecht rumlümmeln im DDR-Plattenbau-Wohnzimmer: Exemplarisch ist im Requisitenfundus von Studio Babelsberg eine typische Zweiraumwohnung eingerichtet. „Um Ausstattern zu zeigen, was möglich ist“, sagt Möbel-Fundus-Chef Andreas Gabbert. Gerade in Bezug auf die DDR existieren gern mal schräge Vorstellungen. „In einer in der DDR angesiedelten Produktion sollte die Küche mit einem Reisigbesen ausgefegt werden“, schüttelt Requisiteurin Wera Sawistowski ungläubig den Kopf. Auch, wenn die Zeit für gründliche Ausstattungs-Recherche immer knapper wird, dass es hierzulande vor 1989 schon Staubsauger gab, könnte man dennoch wissen. Hängt doch von den Requisiten – im Fundus lagern auf 10 000 Quadratmetern mehr als eine Million Schätzchen – maßgeblich ab, ob ein Film für den Zuschauer stimmig wirkt.

Wer unsicher ist, wird im Fundus kundig beraten – von neun Mitarbeitern. Ein Trio davon hat jetzt die Nachfolge des langjährigen Fundus-Leiters Eckhard Wolf angetreten, der sich Anfang Juni in den Ruhestand verabschiedet hat. Die gelernte Gebrauchswerberin Wera Sawistowski (56, zuständig für Kleinrequisiten), stattete einst DDR-Fernsehproduktionen wie „Einzug ins Paradies“ aus und arbeitet seit elf Jahren im Fundus: „Damals wollte ich, zwischen zwei Filmprojekten nur ein paar Monate aushelfen.“ „Möbel-Mann“ Andreas Gabbert (35) hat im Studio Tischler gelernt, ging „leihweise“ immer mal rüber in den Fundus – und blieb. Dritte im Bunde ist Verwaltungschefin Babette Gehn (44), die bei der Defa gelernt hat, unter anderem in der Finanzbuchhaltung war. Aus dem Zahlenjob ist längst Leidenschaft für Aschenbecher, Duschköpfe, Grabkreuze, Korbwaren, Musikboxen, Särge, Toilettenpapierhalter, Zigarettenautomaten geworden.

Eine Million Requisiten

Von A wie Absperrungen über F wie Fahrräder, K wie Kommoden, S wie Sessel bis zu W wie Wandteller – im Requisitendfundus von Studio Babelsberg gibt es alles, was das Ausstatterherz begehrt. Mehr als eine Million Requisiten befinden sich auf 10 000 Quadratmetern Fläche.

Zu den Referenzfilmen gehören „Cloud Atlas“ oder „Grand Budapest Hotel“. Momentan kommen für die Studio-Produktion „The Lake“ und für die internationale Bestsellerverfilmung „Alone in Berlin“ Requisiten aus dem Fundus. Auch die Ausstattung von Events wird übernommen.

Etwas, das es zwischen Mittelalter- bis DDR-Abteilung nicht gibt, gibt’s nicht. „Da fällt mir wirklich nichts ein“, sagt Wera Sawistowski. Die Auftragslage sei prima. Den Fundus nutzen nicht nur Filmleute aus Deutschland, auch aus Dänemark, USA, Österreich. Momentan sind Tschechen da, die Alltagsgegenstände aus den 1930er Jahren brauchen. Na klar!

Angetan sind sie alle – von der Fülle der Requisiten und dem Sachverstand der Kollegen. „Toll, sich mit diesen schönen Dingen umgeben zu können, die schmeicheln dem Auge“, schwärmt Wera Sawistowski von ihrer Arbeit. Gabbert wiederum kann Filme nicht mehr genießen, „ohne ständig nach unseren Sachen zu gucken. Die Handlung ist mir egal“.

Von Ricarda Nowak

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