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Rheinsberg: neue Lese-Reihe „Tresenverhör“

Kultur in der Stammkneipe Rheinsberg: neue Lese-Reihe „Tresenverhör“

Warum Kultur nicht in die Lieblingskneipe bringen? Das dachte sich der Rheinsberger Markus Kersten, der in der Prinzenstadt auch in der Musikszene mitmischt. Gemeinsam mit Gastwirt Lutz Rottke vom „Jungen Fritz“ wurde eine neue Lese- und Gesprächsreihe etabliert „Tresenverhör“ heißt das Ganze – zum Auftakt las der Wahlberliner Marco Kunz.

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Markus Kersten, Marco Kunz, Lutz Rottke (v. l.).

Quelle: Buddeke

Rheinsberg. Die Bierdeckel sind schon gedruckt: Tresenverhör – mit einem Ohr statt des „Ö“ – steht es da zu lesen. Die Rückseite lässt Platz für Notizen. Nein, nicht für die Steuererklärung, sondern „für alle Fragen, die euch beim Zuhören auf der Seele brennen und ohne deren Beantwortung ihr heute Nacht nicht schlafen könnt“,fasst es Markus Kersten mit einem Lächeln zusammen. Der rührige Rheinsberger ist es, der die neue Lesereihe, die künftig einmal im Monat stattfinden soll, ausgebrütet hat – die Idee kam ihm während einer beruflichen Weiterbildung. „Warum nicht interessante Themen in die Kneipe bringen“, erklärt er und trug den Plan umgehend seinem Lieblingskneiper vor. Lutz Rottke, der in Rheinsberg den „Jungen Fritz“ betreibt, war sofort begeistert.

„Wir haben zwei Monate über den Namen diskutiert“, erinnert sich Kersten. Nebenher wurde neben dem Tresen eine kleine Bühne gebaut. „Kleine Bühne für große Kunst“ – so steht es augenzwinkernd unten aufgemalt am Podium. Darauf ein winziges Tischchen mit schnörkelstieliger Stehlampe auf abgewetztem Perserteppich – kurz ein Wohnzimmerchen im Wohnzimmer, denn schon das Lokal als solches strahlt mit seinen dunklen Fachwerkwänden heimeliges Ambiente aus.

Marco Kunz lacht viel beim Lesen – sein Publikum auch

Marco Kunz lacht viel beim Lesen – sein Publikum auch.

Quelle: Buddeke

Der erste Autor, der auf diesem Podium liest, ist Marco Kunz. „Wir haben uns heute zum ersten Mal gesehen, sagt Markus Kersten über den Autor, mit dem er eine virtuelle Freundschaft pflegt. Kunz, der schon als Schüler Prosa und später auch Lyrik schrieb, hat schon einige Bücher im Eigenverlag herausgegeben. „Ich wusste. dass er auch Lesungen macht und habe ihn gefragt, ob er Lust auf eine unkonventionelle Idee hat.“ Bei einer Million Honorar sei er sofort dabei, habe der 41-Jährige zurückgemailt. Soviel wird die Spendendose, die am Tresen steht, vermutlich nicht fassen.

Gut 40 Gäste haben es sich am Freitag an den Tischen bequem gemacht, um Auszügen aus Kunz’ Buch„Rain Dogs“ zu lauschen, deren Protagonisten es um die Jahrhundertwende aus der Provinz in die Metropole Berlin verschlagen hat. Das ungleiche Duo aus Thomas, der sich austoben will und Single-Börsen, Speeddatings und Clubs ausprobiert, während der romantische Dichter Bodo noch Jungfrau ist und umso verschüchterter wird, je schöner sein weibliches Gegenüber aussieht. Die beiden bekommen Besuch eines Freundes aus der Provinz und zeigen ihm Berlin – Kunz beschreibt das in recht plastischen Beschreibungen von Gerüchen und Geräuschen, die die „sexy“ Stadt gut erlebbar werden lassen. Das Publikum ist oft am Schmunzeln. Und fragt am Ende dem Autor ein Loch in den Bauch. Die Bierdeckel werden allerdings zweckentfremdet: Nicht für die Steuererklärung – sondern für Autogramme.

Von Regine Buddeke

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