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Nachrichten Kultur Der 21. Rohkunstbau im Schloss Roskow
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00:35 21.06.2015
Einer der Höhepunkte der Ausstellung im Schloss Roskow: Miguel Rothschilds Installation „Die Flut“. Quelle: Rohkunstbau
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Roskow

Beginnen wir diese Geschichte lustig, denn düster wird sie früh genug. Die Apokalypse ist zu Gast in Roskow (Potsdam-Mittelmark), ein dunkler, nicht so gern gesehener Gast – willkommen ist sie ja vor allem in den teuren, tobenden Filmen aus Hollywood, wo gegen Ende immer ein Bruce Willis oder sonst ein Mensch mit starrem Blick und starkem Arm die Erde retten muss. Im Schloss von Roskow hält sie Hof als Thema der 21. Rohkunstbau-Ausstellung.

Der Rohkunstbau hielt sich oft fern vom rein Gefälligen, sucht auch mal das Abstrakte und findet stets das Geistreiche. Zum Glück schafft es die Reihe, das Kluge nicht zu kostümieren wie einen angestaubten Schatz aus einem alten Museum. Witz und Pointe sind beim Rohkunstbau oft aktuell und gegenwärtig. Mitbegründer Arvid Boellert und Kurator Mark Gisbourne verfeinern diese Reihe stetig, auch die Apokalypse kriegen sie in den Griff. Selbst wenn Mark Gisbourne wirklich nur entfernt an Bruce Willis erinnert.

Der Witz also. Ausgerechnet aus der Schweiz kommt er, von der man sagt, sie hänge viel zu sehr am Geld, um auch noch Zeit für etwas Unrentables wie Humor zu haben. Die Künstlerin Sandra Boeschen­stein ist Extrembergsteigerin, vielleicht gedeihen die Ideen in der dünnen Höhenluft. Kleine Zeichnungen stellt sie in Roskow aus, schwarz-weiß skizziert, die Apokalypse ist stets ein runter Ball, der etwas plüschig wirkt. Boeschen­stein, geboren 1967 in Zürich, zeigt das Privatleben der Apokalypse, sie nennt das „29 zarte Leibesvisiten“. Der Hang zum Surrealen ihrer Bilder steckt bereits in diesem Titel. Sie stellt sich grundlegende Fragen, sie münden in philosophischer Sinnspielerei: „Granit war lange da, bevor er einen Namen bekam. Die Apokalypse hat lange einen Namen, bevor sie kommen mag.“ Oder: „Ist der Unterschied zwischen Katastrophe und Apokalypse graduell oder moralisch?“ Derlei Probleme muss man mit der Grammwaage angehen, so diffizil sind sie, dennoch leicht und lustig.

Wagners letzter Akt

Die Ausstellung „Rohkunstbau“

findet zum 21. Mal statt, wieder im Schloss Roskow (Potsdam-Mittelmark), wo nun der vierte und letzte Teil von Richard Wagners „Ring“ unter dem Motto „Apokalypse“ interpretiert wird. Veranstalterin der Schau ist die
Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

Ab Sonntag ist die Schau bis 6. September zu sehen. Offen je Sa/So 10–18 Uhr. Infos unter 0331/200 57 80.

Einer, der Antwort geben könnte, ist der Komponist Richard Wagner. Mit ihm schließt der Rohkunstbau in diesem Jahr ab, nachdem die vier Teile seines „Ringes der Nibelungen“ nun durchbuchstabiert sind. Die Themen Macht, Moral und Revolution sind abgehandelt – jetzt wäre die „Götterdämmerung“ dran, wenn man Wagner beim Wort nimmt. Damit meint er den Untergang, der in Roskow als Apokalypse übersetzt wird. „Apokalypse ist das Ende, doch daraus wächst auch stets ein Anfang“, sagt Boellert, der unterstreicht, dass dieses Thema nicht allein mit Schwermut angegangen werden soll. Konzeptuell sieht er die aktuelle Ausstellung als „minimalistisch und sehr ästhetisch ausgerichtet“.

Beides trifft zu auf Miguel Rothschilds wunderbar sinnliche In­stallation, sie verbindet traumwandlerisch die Angst mit der Leichtigkeit. Der Argentinier Rothschild kam 1963 in Buenos Aires zur Welt, er lebt in Berlin. 600 Angelschnüre hat er befestigt an der Decke, sie hängen herab, mal länger, mal kürzer, an ihren Enden hat er ein 3 mal 3 Meter großes Tuch befestigt, wie eine Marionette hängt es an den Fäden – nicht glatt, sondern aufgewühlt wie ein Meer. „The Flood“, die Flut, so heißt seine Arbeit. Sie ist plastisch und schwerelos, ihre Bedrohung geht Richtung Tsunami oder Flüchtlingsschiffe auf dem Mittelmeer.

Boeschenstein und Rothschild vermessen das Temperament dieser Ausstellung, ihre Arbeiten sind grundverschieden und markieren die Pole des Themas „Apokalypse“. Zugleich ragen sie heraus in diesem Jahr, das keine wirklich schwache Arbeit zeigt, auch wenn die Werke dann und wann ins Kopflastige und Überdeutliche kippen – etwa die Filmsequenzen der Kampfhubschrauber von Dominik Lejman, der 1969 in Danzig geboren wurde. Oder die kroatischen Muscheln mit eingebauten Lautsprechern, aus denen Lieder für Touristen dröhnen, gebaut von Damir Zizic und Kristian Kozul.

Die Fahrt nach Roskow lohnt dennoch, weil hier ein Schloss steht, das nicht prunkt, sondern roh und anmutig als Bühne herhält für die Schelmenstücke, die hier zeitweilig eine Heimat haben. Noch bis September. Dann ist die Apokalypse im besten Falle ohne Flurschäden überstanden.

Von Lars Grote

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