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Kultur Roland Kaiser über Schlager und Politik
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14:48 29.11.2018
Schlagersänger Roland Kaiser singt beim Auftakt seiner Arena-Tour. Quelle: Monika Skolimowska/DPA
Potsdam

Ironische Wendungen gehören in den Schlager. Denn sie seien Unterhaltungsangebote, findet Roland Kaiser. Im Gegensatz zu Kollegen äußert sich der 66 Jahre alte Sänger auch zu politischen Vorgängen wie den jüngsten Vorgängen in Chemnitz.

Es heißt, über Sex könne man nur noch auf Englisch singen. Wie gelingt es Ihnen auf Deutsch?

Roland Kaiser: Sex ist letztlich ein Überbegriff für gegenseitiges Verlangen. Wenn ich darüber singe, darf das nicht zu vulgär und nicht zu brav klingen.

Wie waren die ersten Reaktionen auf solche Songs?

Als ich einem Chef meiner damaligen Plattenfirma „Manchmal möchte ich schon mit dir“ vorsang, sagte der, das ginge ihm zu weit. Dabei passiert doch gar nichts, hier wird ja nur der Wunsch geäußert, sich näher zu kommen. Mehr nicht. So ist das nun mal – manchmal fühlt man sich von einem Menschen angezogen, doch es muss bei der Fantasie bleiben.

Männerfantasien gibt’s in Ihren Liedern ja einige. Wie die von der Politesse, die ein Knöllchen schreibt. Als Friedensangebot geht‘s ins Bett.

Das ist eine Persiflage.

Wäre der Text ernst gemeint, wären Sie ein Chauvi.

Schlager ist ein Unterhaltungsangebot. Ironie darf auch vorkommen.

Sie wollen Textzeilen singen, die einen hohen Gebrauchswert haben.

Ich meinte solche Zeilen wie „Ich glaub es geht schon wieder los“. Davon kann sich auch ein Tennisspieler angesprochen fühlen, der mehrere Doppelfehler hintereinander macht.

Großes Konzert in Berlin

Roland Kaiser tritt am Samstag ab 20 Uhr in der Mercedes-Benz-Halle auf. Tickets gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen und der Abendkasse.

Für das Open-Air-Konzert in der Berliner Waldbühne am 23. August 2019 gibt es ebenfalls noch Karten.

Der Sänger gehört zu den erfolgreichsten Schlagerstars, tritt seit mehr als 40 Jahren auf und war 67 mal – so oft wie sonst keiner – in der Hitparade des ZDF zu Gast.

Zu den größten Hits gehören „Sieben Fässer Wein“, „Santa Maria“, „Dich zu lieben“ und „Joana“.

Der 66-Jährige wuchs bei seiner Pflegemutter im Berliner Arbeiterviertel Wedding auf. Er ist seit 2002 SPD-Mitglied, engagiert sich sozial unter anderem für die Cottbuser Tafel und die Deutsche Stiftung Organtransplantation.

In Dresden, wo Kaiser jeden Sommer an mehreren Abenden vor über 50.000 Fans auftritt, hielt der Sänger eine vielbeachtete Anti-Pegida-Rede für Toleranz und Weltoffenheit.

Ein Song mit politischem Gebrauchswert fehlt noch.

Udo Jürgens hat es immer wieder geschafft, ganz nebenbei in seiner Musik die Gegenwart zu reflektieren. Es ist ein Traum von mir, auch einen solchen Song zu finden. Zur Zeit des Wirtschaftswunders gab es „Gehen Sie mit der Konjunktur“, als alle zum Krimi griffen, kam der „Kriminal-Tango“. Dem Schlager von heute fehlt der reflektierte Zeitgeist.

Das gilt aber doch nicht nur für die Musik. Außer Ihnen äußert sich fast kein deutscher Schlager- und Pop-Künstler überhaupt zu Politik.

Mir ist das einfach wichtig. Ich habe bei einer Veranstaltung für Toleranz und Weltoffenheit in Dresden gesprochen, gerade weil mir die Stadt so am Herzen liegt. Bei dieser Veranstaltung, auf der ich auftrat, waren alle gesellschaftlichen Gruppen beteiligt.

Nach den Ausschreitungen in Chemnitz und auch bei der „Unteilbar“-Demo gab es große Konzerte mit Rock, Punk und Hip-Hop. Es gab sogar Chöre und Orchester, die auftraten. Warum waren keine Schlagerstars dabei?

Es wäre wirklich wichtig, eine Aktion zu machen, die ein ganz weites Spektrum abdeckt. Mal als Beispiel – da sollten BAP und Helene Fischer genauso dabei sein, wie Max Giesinger und Mark Forster. Am besten sollte das im Fernsehen zu sehen sein, so dass jeder sieht, dass wir gegen rechts sind und uns auch als Künstler gegenseitig tolerieren.

Sie könnten ein Pionier sein für Schlager-Stars, die Angst haben, ihren Erfolg zu verlieren, wenn sie sich einmischen. Ihre Dresden-Konzerte sind ja immer noch sofort ausverkauft – obwohl es im Internet böse Kommentare gab.

Der Shitstorm war mir Wurscht. Letztlich sind wir alle gefordert – ob Star oder nicht – im Alltag die Menschenrechte zu betonen.

Sie sind ein Beispiel dafür, wie Politik den Alltag betrifft. Eine Lungentransplantation hat Ihnen das Leben gerettet. Was halten Sie von der Debatte übers Organspendegesetz?

Ich bin froh, dass sich der Bundesgesundheitsminister für die Widerspruchslösung einsetzt. Die Menschen wären immer noch frei in ihrer Entscheidung, ein Organ zu spenden oder eben nicht. Aber sie würden sich dann wenigstens damit befassen.

Von Maurice Wojach

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