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Kultur Roland Nicolaus und Ulrich Wüst in Cottbus
Nachrichten Kultur Roland Nicolaus und Ulrich Wüst in Cottbus
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18:04 18.07.2016
„Die Heroine“ von Roland Nicolaus Quelle: Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus
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Cottbus

In diesem Kleid sollte sie keinen Purzelbaum riskieren, der Stoff liegt ihr zu eng am Leib, die Schleife an der Seite ist zwar reizend, schnürt aber ihre Taille ab – es ist eher ein Gutwetterkleid, doch keines für den Wettkampf. Dennoch steht die „Heroine“ von Maler Roland Nicolaus rein körperlich ein wenig hibbelig im Bild: herausfordernd, mit hart gespannten Sehnen wie vorm Start zum 100-Meter-Lauf, dann wieder elegant und wie in Stein gehauen als die stumme, schöne Heldin einer Cocktailparty.

Die Frau kleidet sich ganz in Lila, doch ihre Laune ist so zweischneidig wie überhaupt die Bilder, mit denen Roland Nikolaus uns in das Reich der Kunstzitate und der fröhlichen Melancholie versetzt.

Im Cottbusser Kunstmuseum Dieselkraftwerk, das seine Räume unterteilt mit sehr robustem Mauerwerk, hat Nicolaus den Schutzraum, den er braucht für seine schmückenden, handwerklich feinen und zuweilen spöttischen Gemälde.

„Wir sind ein Volk - und was für eines“

Nicolaus lebt im östlichen Berlin, ist 61 Jahre alt, hat früh gegen die Mauer angemalt, sie als ästhetisches Monstrum verhöhnt, war auch mit dem vereinten Deutschland nicht zufrieden („Wir sind ein Volk - und was für eines“, darauf ein Mann im Rollstuhl mit Blindenbinde). Er fährt eine zuweilen nicht mehr überschaubare Symbolik auf, wenn er politisch wird, und somit zornig oder nachdenklich. Nicolaus fügt Farben und Metall zusammen, übermalt alte Gemälde, die er vom Flohmarkt holt. Das zeigt die Nähe zu den Berliner Dadaisten um Hausmann und Höch, es unterstreicht auch die Freude am Collagieren à la Kurt Schwitters.

So entstehen Wimmelbilder für Erwachsene, die sinnfällig wirken, doch nicht bis ins Detail gedeutet werden müssen, um zu überzeugen. Die Anmut seines klassisch geschulten Malhandwerks ist letztlich sein Trumpf. Konsequenterweise überzeugt er dort am meisten, wo er Weiblichkeit einfängt und ihr die Doppelbödigkeit des rein Dekorativen (zwei Schwarzwaldmädchen mit Bollenhüten) und einer stolzen, kerzengeraden Haltung gibt.

Duo im Dieselkraftwerk

Roland Nicolaus wurde 1954 in Ost-Berlin geboren. Von 1978 bis 1979 studierte er an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle (Saale), es folgte ein Malerei-Studium in Berlin. Von 1985 bis 1988 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste in der DDR bei Willi Neubert.

Ulrich Wüst wurde 1949 in Magdeburg geboren, er studierte 1967 bis 1972 an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar. 1972 Umzug nach Ost-Berlin. 1972 bis 1983 Arbeit als Stadtplaner und Bildredakteur. Seit 1984 freischaffender Fotograf.

Das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus zeigt Arbeiten beider Künstler Di-So 10 bis 18 Uhr. Ende der Ausstellungen: 11. September. Uferstraße/Am Amtsteich 15, Cottbus.

Wie eben seiner „Heroine“, die umgeben von springenden, hüpfenden, in weiße Kleidchen gesteckte Mädchen steht. Als wollten die Kinder sie aus diesem Bild herauslocken und rufen: Komm mit spielen, außerhalb des Bilderrahmens darf man sich auch ruhig mal schmutzig machen.

Dieses Schmutzigmachen hat der Nachbar längst verstanden und als Thema in die eigene Arbeit aufgenommen. Einen Raum weiter, neben Roland Nicolaus, hängen Fotos von Ulrich Wüst, der in den 70ern als Stadtplaner in Weimar begann, doch frustriert – von der Vergeblichkeit seiner Bemühungen entmutigt – aufs Fotografieren der Städte umgestiegen ist.

Die Kuratorin Carmen Schliebe sagt: „Wüst wird mittlerweile weltweit anerkannt, auch ein internationales Publikum erkennt den scharfen, klaren Blick, mit dem er die Architektur und ihr Verhältnis zu den Menschen seziert.“

Ulrich Wüst, 67 Jahre alt, hat früh die Neubauten der DDR als allzu funktionale Bauten ins Bild gerückt, die breiten Straßenzüge als Wüste inszeniert – alles in Schwarz/Weiß. Immer wieder wirft er den Blick auf städtische Plakate, die den Städten einen Klecks Farbe ins Gesicht geben und sie mit ihren Slogans geistig stimulieren wollten. Das gelang nicht immer.

Wüst zeigt ein zerrissenes Liebknecht/Luxemburg-Plakat, darauf steht: „Mit uns zieht die neue Zeit.“ Oder ein Plakat für Krebsvorsorge im dunklen U-Bahnschacht. Strenge Bilder aus den 80ern, gebrochen von den Porträts, die er im Automat-Imbiss am Berliner Alexanderplatz aufnahm. Starke Sittenbilder jener Zeit. Die Fahrt und Zeitreise nach Cottbus lohnt sich also.

Von Lars Grote

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