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Rolf Hoppe, der Ausnahmeschauspieler

80. Geburtstag Rolf Hoppe, der Ausnahmeschauspieler

Alle lieben ihn als milden „Aschenbrödel“-König, vielen kennen ihn aus „Die Spur des Falken“ und „Weiße Wölfe“, einige erinnern sich an den fiesen Nazi-General aus István Szabós „Mephisto“: Rolf Hoppe ist einer der ganz großen deutschen Schauspieler. Am Sonntag feiert er seinen 80. Geburtstag.

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König, Patriarch und Schurke : Schauspieler Rolf Hoppe in seinem Haus in Dresden-Weißig.

Quelle: dpa

Dresden. Rolf Hoppe ist anders als andere Schauspielerlegenden. Ei­ne Ausnahmeerscheinung. Wie nur wenige andere Mimen hat er die Schar seiner Anhänger und Verehrer(innen) generationsübergreifend sammeln können.

Heutige Großeltern, Eltern und Kinder lieben ihn als milden „Aschenbrödel“-König, die Studentengeneration der 80er-Jahre wird seinen fiesen Nazi-General aus István Szabós „Mephisto“ niemals vergessen, frühe Wildwest-Helden erinnern sich an „Die Spur des Falken“ von 1968 und an „Weiße Wölfe“. Ewige Romantiker preisen Peter Schamonis „Frühlingssinfonie“ und Fernseheulen den „Tatort“. Theatergänger von einst sehen ihn auf der Bühne des Dresdner Staatstheaters, des Deutschen Theaters in Berlin oder auch schon bei den Salzburger Festspielen. Was muss das noch für ein „Jedermann“ gewesen sein, fragt sich die nachgeborene Theatergemeinde, so sie in der scharfzüngigen Parabel Hugo von Hofmannsthals noch einen tieferen Sinn für die Jetztzeit erblickt. Das Theaterpublikum von heute hingegen freut sich, ans Hoftheater in den Dresdner Ortsteil Weißig zu pilgern, wo sich der am 6. Dezember 1930 geborene Bäckersohn einen langgehegten Traum erfüllt hat.

Das eigene Theater, es muss die Erfüllung eines jeden Darstellers sein. Dies aber wirklich zu stemmen, dafür braucht es schon eine besondere Qualität im Theaterblut. Der Glaube an die eigene Kunst, an das eigene Vermögen – für das Rolf Hoppe von so vielen Menschen geliebt wird –, wann mag der sich bei ihm ausgeprägt haben? In die Wiege gelegt war es ihm ganz gewiss nicht, aus der Bäckerstube im Harz, wo er in jungen Jahren schon mit aushelfen musste, über mancherlei Umwege vom Zirkus bis zu Kinder- und Jugendtheatern an die Spitze der Schauspielzunft zu gelangen.

Mehr als 400 Rollen soll er gespielt haben, darunter etwa 200 Partien im Film! Vom Schurken bis zum liebenswerten Heroen, vom Tragöden bis zum nachdenklichen Feingeist – er hat alle mit Charakter erfüllt, der Bösewicht, der eigentlich so gern ein Clown sein wollte. Hoppe war und ist wandelbar; er selbst liebt die eher kleinen Rollen, verrät er. Was es auch ist, welche Figur, welches Schicksal, ob Bühne, Film, Lesung oder Hörspiel – er meistert stets den Spagat, einerseits unverkennbar zu sein und andererseits einzigartig in der jeweiligen Figur aufzugehen.

„Rolf Hoppe, dieser fantastische Schauspieler, mit dem ich ‚Mephisto’ gedreht habe, er lebt hier in Dresden, und das verbindet mich mit dieser Stadt“, gestand der Wiener-Burg-Schauspieler Klaus-Maria Brandauer. Er lobte seinen Kollegen „als ein gefährliches Raubtier, das auf samtenen Pfoten daherkommt“ – und umschreibt damit die Paraderolle des teuflischen Generals, der ihn („Ich bin doch nur ein Künstler!“), Hendrik Höfgen, in die Enge treibt. Am Montag wird die legendäre Szabó-Verfilmung des Romans von Klaus Mann im MDR gezeigt (23.40 Uhr).

In Gesprächen wirkt er durchaus kokett, selbstbewusst, aber kaum eitel. Er sei ein Macher, bekennt er, will immer wieder neue Ideen ausbrüten, Probleme und Gefühle der Menschen vermitteln. „Im Alten Neues entdecken, von Lessing bis Kästner, auch die sächsischen Humoristen, vor allem die ohne Dialekt – ich habe Freude daran, sie neu zu entdecken.“ Theater ist für Rolf Hoppe die Kunst, „die dem Leben am nächsten steht, die Geschichten von Menschen erzählt, die dem Menschen am ehesten auf die Spur kommt.“ Das gelingt ihm auf der Bühne, das gelingt ihm im Film. Am überzeugendsten stets in den Nahaufnahmen.

Es gebe allerdings Situationen beim Schau-Spiel, „da ist das kleine Männchen da, im Hinterkopf“, genauer aber lasse es sich nicht erklären, wann er als Schauspieler absolut authentisch und wann rein der Spieler ist. Diesen feinen Unterschied wird vermutlich nur ausmachen können, wer Rolf Hoppe über all die Jahre wirklich nahestand. Das sind vor allem Frauen. Eine Lebensspur. Denn ein junges Mädchen ist es gewesen, das ihn einst ins Laienspiel gelockt haben soll; heute lebt er mit fünf Frauen und ist stolz darauf.

Seit mehr als fünfzig Jahren ist er mit seiner Frau Friederike verheiratet, die beiden haben zwei Töchter, Christine ist Schauspielerin, Josephine Puppenspielerin und Märchenerzählerin, die Enkelinnen sind Zwillinge – Hoppe genießt es, in dieser Rolle „Hahn im Korb“ zu sein. Er hat freilich auch seinen Enkelsohn mimisch infiziert und führt selbst heute, mit achteinhalb Jahrzehnten, kein geruhsames Rentnerdasein. Eben erst hat er für das ZDF „Der Pfeiler der Macht“ nach Ken Follett abgedreht. Im Januar kommt der Film ins Fernsehen.

Von Torsten Gellner

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