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Milieustudie begeistert ZZF-Wissenschaftler

Roman von Sven Reichardt Milieustudie begeistert ZZF-Wissenschaftler

In der Potsdamer Landesbibliothek fand am Dienstag das Historische Quartett des Potsdam Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) statt. Wie immer ging es bei der Veranstaltung um aktuelle Bücher zu Politik und Geschichte. Diesmal begeisterte die Wissenschaftler ein Roman von Sven Reichardt über das linke Milieu in der BRD nach 1968.

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Die Bibliothek des ZZF in Potsdam.

Quelle: Jürgen Baumann / ZZF

Potsdam. Vier Wissenschaftler und eine Meinung – wo gibt’s denn so was? Beim Historischen Quartett des Potsdam Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) am Dienstagabend in der Potsdamer Landesbibliothek. Zweimal im Jahr diskutieren dort vier ZZF-Historiker aktuelle Bücher zu Politik und Geschichte. Normalerweise durchaus kontrovers. Doch die Lektüre der jüngsten Publikation ihres  Konstanzer Kollegen Sven Reichardt verursachte bei allen vier Diskutanten nahezu euphorische Begeisterung.

Wahnsinniges Lesevergnügen

„Ein geballtes Lesevergnügen“  urteilte Jan-Holger Kirsch von der ZZF-Zeitschrift „Historische Forschung“. „Ein wahnsinniges Lesevergnügen“, so Annette Vowinckel, Chefin der Abteilung Zeitgeschichte und Medien. „Ein Buch, das einen in eine fremde Welt eintauchen lässt“, lobte ZZF-Direktor Frank Bösch. „Eine wunderbare Ballung von Gefühl und Härte“, freute sich Martin Sabrow, ebenfalls Direktor des Zentrums aber mit einem wichtigen Lesevorteil: Er wusste im Gegensatz zu den drei jüngeren Kollegen bei der Lektüre genau wovon die Rede ist: „Dieses Buch ist der Roman meiner Altersgruppe“, so der 1954 geborene Historiker, der diese Zeit in voller Intensität erlebt hatte.

Kater der verebbten 68er-Revolte mündete in eine Politik der Innerlichkeit

Und was hat Reichardt mit seinem ursprünglich als wissenschaftliche Habilitation eingereichten Buch so außergewöhnliches vollbracht? Auf mehr als 1000 Seiten breitet er in dem  im Suhrkamp-Verlag erschienenen Band „Authentizität und Gemeinschaft“ vor den Augen des Lesers das „linksalternative Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren“ aus. Zum Teil recht liebevoll und detailverliebt aber doch mit gehöriger kritischer Distanz wird berichtet, wie sich das linke Milieu  in der alten Bundesrepublik nach 1968 veränderte. Reichardt zeigt, wie der Kater der verebbten 68er-Revolte in eine neue Politik der Innerlichkeit mündete, wie ein Politisierung des Privatlebens entstand, die Suche nach neuer individueller Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung.

Fundgrube von Statements und Materialien über eine längst vergangene Zeit

Reichardt wertet dafür alternative Zeitschriften und soziologische Studien aus, beschreibt die stundenlangen Diskussionen in Stadtteilzeitungen um endgültige Druckfassungen, der permanente Streit in Wohngemeinschaften um Putzpläne, das abdriften in K-Gruppen, die Suche nach einen neuen Naturverhältnis, zitiert Joschka Fischer, wie er über das neue Verhältnis von Männern und Frauen doziert, zitiert Erhebungen über den WG-Alltag in dem die verwendete Zeit für politische Diskussionen, Hausarbeit und Beischlaf aufgelistet werden.  Eine Fundgrube von Statements und Materialien über eine längst vergangene Zeit. Und das alles in einer wissenschaftlich korrekten aber trotzdem unterhaltsamen Sprache. „Ich konnte bei der Lektüre gar nicht mehr aufhören“, gestand Annette Vowinckel. Und ihren Kollegen ging es nicht anders.

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Medien

Potsdam/Berlin (dpa) – Zeitungstexte aus mehr als 40 Jahren DDR-Geschichte sind ab sofort frei im Internet zugänglich. Die kostenlose digitale Bibliothek hat das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam (ZZF) erstellt - in Kooperation mit der Staatsbibliothek zu Berlin und dem Fraunhofer-Institut, wie das ZZF am Mittwoch mitteilte.

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