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Kultur „Romeo und Julia“ als beglückendes Crossover
Nachrichten Kultur „Romeo und Julia“ als beglückendes Crossover
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00:17 22.03.2017
„Lovestories“ Quelle: Promo
Potsdam

Klavier und E-Gitarre rasen aufeinander zu, kämpfen, verschmelzen. Marielle Labèque schlägt auf die tiefen Tasten eines Flügels – harte Stahlseiten, eine warme, dröhnende Gewalt. Der Gitarrist schneidet das Piano-Dunkel – ein gellender Schmerz. Endlich finden die Resonanzen zueinander, verbünden sich. Auf einem zweiten Flügel springt Katia Labèque jazzig cool in die hohen Register, schlägt klirrende Wellen. Ein Schlagzeug peitscht die Stimmen hart im Takt voran.

Das Crossover der Instrumente im Potsdamer Nikolaisaal beglückt. Sieben Tänzer potenzieren den Genuss, indem sie die ungewöhnliche Komposition in körperliche Energie umsetzen und dabei auch noch die Geschichte von „Romeo und Julia“ erzählen. Ein Gesamtkunstwerk, für das sich das Publikum am Freitagabend aus den Sesseln erhob und euphorisch klatschte.

West Side Story im Konzerthaus Dortmund. Mit Katia & Marielle Labèque. Quelle: Pascal Amos Rest Nikolaisaal

Dabei war die Begeisterung bis zur Pause eher verhalten, denn in der ersten Hälfte fehlte der Tanz. Zwei riesige Konzertflügel standen vorn am Bühnenrand, die Schwestern Labèque brillierten mit einer „Suite aus West-Side-Story“. Ein Schlagzeuger und ein Perkussionist begleiteten sie konzertant. Die Ohrwürmer des weltberühmten Musicals waren glücklicherweise kaum noch zu erkennen. Schon Leonard Bernstein hatte sie in seiner Orchesterversion reduziert, aus der Erwin Kostal eine Fassung für Klaviere und Schlagzeuge entwickelt hat. Die Labèque-Schwestern spielen die 16 Stücke zügig, teilweise sogar ohne Pause hintereinanderweg und liefern zugleich einen Abriss der Jazzgeschichte: Blues, Rock, Mambo, Cooljazz und so fort.

Die baskischen Französinnen spielen mit routinierter Leidenschaft. Ab und zu lächeln sie sich über die Flügel zu, werfen ihre wilden Locken nach hinten. Schwarz-romantische Blusen lassen ihre Schultern frei. Die grazilen Frauen inszenieren sich nicht als Gegensätze, sondern betonen, was sie eint.

Katia Labèque (67) und ihre Schwester Marielle (65) ließen sich als Kinder von ihrer Mutter für Musik begeistern, einer italienischen Klavierlehrerin. Das Klavier-Duo lebte immer zusammen, derzeit in einer Wohnung in Rom. Die jüngere Schwester ist mit einem Dirigenten verheiratet, die ältere stand in Potsdam mit ihrem Lebenspartner, dem Rockgitarristen David Chalmin (37), gemeinsam auf der Bühne.

Das eindrucksvolle Stück „Star-Cross’d Lovers“ stammt aus seiner Feder. Chalmin hat es 2015 komponiert – ein großer Erfolg auf französischen wie deutschen Bühnen. Die gestisch starke Choreografie stammt von dem jungen Tänzer Yaman Okur, der die expressive Musik in klare Bilder übersetzt hat. Tanz und Musik kulminieren in der Liebe zwischen Romeo und Julia. Die zerstrittenen Familien batteln im Straßentanz. Die weiche Julia fasziniert den athletischen Romeo, den Poseur. Wenn sie gemeinsam tanzen, verschmelzen ihre Stile zu einer neuen Sprache. Omur will den HipHop vom Mainstream befreien, hier gelingt es ihm. Der alte Shakespeare-Stoff eignet sich bis heute zum Experimentieren.

Von Nathalie Wozniak

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