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Kultur Rosa von Praunheim mischt Potsdam auf
Nachrichten Kultur Rosa von Praunheim mischt Potsdam auf
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00:36 05.09.2015
Kann denn Liebe Sünde sein? Das fragen die Schauspielerin Christiane Ziehl und der Regisseur Rosa von Praunheim in zugespitzter Form.   Quelle: foto: promo
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Potsdam

 „Erfahrung macht bedenklich“, meinte schon der alte Grieche Horaz. Mit Lebenserfahrungen der schamlosesten Sorte, aber auch mit besonders erfahrenen Bühnenkünstlern will ab Freitag das Potsdamer Theaterschiff von sich reden machen.

Der Berliner Schwulenpapst und Filmregisseur Rosa von Praunheim (72) hat die Regie für ein äußerst pikantes Einpersonenstück übernommen. Den Stoff für die Bühne entdeckt hat Schauspielerin Christiane Ziehl (65), die nach der Abwicklung des Brandenburger Theaters 1999 wegen ihrer langen Ensemble-Zugehörigkeit unkündbar war. Sie baute in Brandenburg/Havel ein erfolgreiches Jugend-Amateurtheater auf, bis sie kürzlich endgültig in Rente geschickt wurde. Nun wagt sie es noch einmal als Schauspielerin.

Mit einem grünen Tuch um den Kopf spielt sie eine 14 Jahre ältere Dame. „Nacktbadestrand“ heißt die Lebensbeichte einer 81-Jährigen. Die angebliche Autobiografie schaffte es vor fünf Jahren sogar auf die Bestsellerlisten und in die großen Feuilletons. Elfriede Vavrik schildert darin Sexabenteuer und eine treibende, unersättliche Altersgeilheit. Nach zwei unglücklichen Ehen und Jahrzehnten sexueller Enthaltsamkeit behauptet die Mutter dreier Söhne, dass sie als 79-Jährige überhaupt zum erstem Mal einen Orgasmus erlebt hat. Die Autorin lebt heute noch in Österreich, hat ihr Kommen zur Premiere aber nicht in Aussicht gestellt.

Der Titel „Nacktbadestrand“

Erfahrene FKK-Bader assoziieren Nacktbadestrände nicht mit Sex, eher mit Unschuld. Um Sex geht es aber in diesem Monolog. Christiane Ziehl erklärt den missverständlichen Titel wie folgt: „Ein Mann, den die Ich-Erzählerin besonders mag, zeigt ihr einen Nacktbadestand.“ Doch eigentlich ginge es um viel mehr. Darum, dass man sich frei fühlt und sich traut.

Rosa von Praunheim versteht sich als „Allround-Genie“, weil er inszeniert, schreibt und malt. Bilder von ihm werden in der Aufführung eine Rolle spielen. Auch eine Geigerin wirkt mit.

Uraufführung: 4. Sep. Weitere Aufführungen: 5., 11. Sep., 30., 31. Okt. Theaterschiff, Schiffbauergasse Potsdam. Karten unter 0331/972 302.

Wie aber hat Christiane Ziehl den berühmten Filmregisseur ins Boot geholt? Die beiden stehen im Theaterschiff vor dem Tresen und Rosa von Praunheim ergreift sofort das Wort: „Christiane saß ganz romantisch im Tiergarten und guckte so begehrlich. Und da ich ältere Damen, vor allem fülligere, besonders toll finde, habe ich ihr zugelächelt und die Hand geküsst. Das war der Anfang einer wunderbaren Freundschaft.“ Während der Alt-Achtundsechziger das sagt, schmachtet ihn Christiane Ziehl von der Seite an.

Die Wahrheit ist: Die beiden haben bereits miteinander Filme gedreht. Der Alt-Achtundsechziger (seit dem Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von 1971 eine bundesdeutsche Größe) hat die Ostdeutsche 2005 bei einem Casting für den Film „Sechs tote Studenten“ entdeckt. 2008 wirkte sie auch in „Der rosa Riese“ mit. „Nacktbadestrand“ möchte Praunheim demnächst auch verfilmen – „mit einer älteren Frau und nicht als Monolog.“ Die jüngeren Männer, die sich auf die Kontaktanzeigen der Greisin melden, sollen im Film dargestellt werden.

Von Karim Saab

Er kommt aus dem Norden, sein Temperament ist ausgeglichen, doch wenn Horst Evers in den chronischen roten Hemden auf die Bühne steigt, um aus den Kurzgeschichten über einen fiebrig überhitzten Alltag vorzulesen, tobt der Saal. Nun kommt er nach Potsdam und Königs Wusterhausen, um neue Pointen zu präsentieren.

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