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Rostocker Schau beschäftigt sich mit Kunst im Nationalsozialismus

Ausstellung Rostocker Schau beschäftigt sich mit Kunst im Nationalsozialismus

Gezeigt werden in der Schau exemplarische Werke der offiziell geduldeten und geförderten Kunst der NS-Zeit und in konfrontativer Gegenüberstellung Werke von verfolgten oder verfemten Künstlern wie Felix Nussbaum, Otto Dix, George Grosz und anderen.

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Bereit für den sogenannten Heldentod.

Rostock. D

Trotzdem tut’s dem Auge weh. Natürlich lässt sich jedes Bild singulär dekorativ betrachten. Sieht man den Bauern auf dem Felde mit den Ackergäulen vorneweg (Paul Junghanns „Pflügen“, 1940), kann das so wie es als Position steht, eine rein naturalistische sein. „Ist es nicht“, sagt Rostocks Kunsthallenchef Jörg-Uwe Neumann (56): „In Zeiten, in denen ganz Deutschland und die halbe Welt in Schutt und Asche liegen, kann man als Künstler eben nicht eine solche unkritische Position beziehen. Kunst hat stets etwas mit ihrer Zeit zu tun.“

Kuratiert ist die Schau wie ein Rundgang ins Grauen. Man startet im Grauen, man endet im Grauen. An den Beginn der Schau hat Neumann Fotografien von Opfern des Weltkriegs und des Holocaust gehängt. Dann wird man von dem strahlend stählernen Menschenbild der Nazis angesprungen. Das nackte arische Frauenbild, das heroisch überlegene, antik-göttlich bis naiv anmutende Männerbild in „Das Urteil des Paris“ (1939) oder „Die Rast der Diana“ (1939/40) von Ivo Saliger, „Venus und Adonis“ (1939) von Arthur Kampf und „Arbeitsmaiden vom Felde heimkehrend“ von Leopold Schmutzler (1940) empfangen den Besucher.

Im zweiten Raum entfaltet sich das Familienbild der Nazis mit dem Soldaten, der am Kachelofen den fünf Kindern, der Ehefrau und dem Hund vom Krieg erzählt (Paul Matthias Padua „Der Urlauber (Auf Heimaturlaub)“ (1944). Dazu bürgerlich naiv inszenierte Dorfidyllen wie „Bauernmahl“ (1935) von Hermann Otto Hoyer, „Bauernfamilie“ (vor 1944) von Rudolf Otto oder „Familienbild“ (vor 1939) von Hans Schmitz-Wiedenbrück.

Jörg-Uwe Neumann hat auf den ersten Blick unauffällige, dafür aber in ihrer Vehemenz umso irritierender wirkende Störer in diesen Salon heiler Naziwelt gehängt. „Angst“ heißt das Selbstbildnis von Felix Nussbaum, das den Maler mit seiner Nichte Marianne zeigt. „Sturm“ ein anderes – beide symbolisieren die Angst und die Familie, die Nussbaum nicht schützen kann, und die Sorge wegen der Macht der Nazis. Und sie wirken erst in dem Wissen, dass die Nazis Felix Nussbaum 1944 in Auschwitz ermordet haben. „So heil war die Welt nicht, wie uns die Bilder weismachen wollen“, sagt Neumann. Im dritten Salon wird der Spiegel gedreht. Im Umfeld so genannter „Entarteter Kunst“ mit Bildern von Otto Dix, Max Beckmann Kathe Diehn-Bitt und anderen Künstlern, die sich gegen das Kunstverständnis der Nazis auflehnen oder wie die Maler der Neuen Sachlichkeit in die innere Emigration gehen, hängt das arisch idealisierte Frauenbild „Die Schwimmerin“ von Robert Schwarz (1939) neben dem humorigen „Grand nu à la serviette“ (1907) des französischen Expressionisten Auguste Chabaud.

Im vierten Saal wird der Weg in den Untergang am Bild des Sportlers vorbereitet. Skulpturen Arno Brekers, Fotografien Leni Riefenstahls, Gerhard Keils „Turner“ (1939), Albert Janeschs „Wassersport“ (vor 1936) nehmen die totale Entindividualisierung des Menschen an den gestählten Männerkörpern und heroisch, leidend verzerrten Gesichtern zum Massensoldaten fürs Massensterben vorweg. Der Athlet als Vorläufer und Blaupause des perfekten Kriegsdieners. Bis hin zu Bildern von Hitlers Lieblingsmalern Otto Albert Hirth und Carl Theodor Protzen – da fasst der Grusel den Besucher direkt an.

Jörg-Uwe Neumann entlässt sein Publikum nicht, ohne es am Bild des weinenden Hitlerjungen von John Florea neben dem Landser von Elk Elber „Die letzte Handgranate“ (1937) und an den Massengräbern des Anfangs vorbeizuführen. Das Ende des Grauens. Der Anfang einer neuen Ära des Untergangs. Neumann sagt: „Aus meiner Sicht sind wir gesellschaftlich wieder auf einem Weg, der mit Schlagworten wie Lügenpresse und Alternativen Fakten arbeitet, und befürchten lässt, dass Kunst wieder eingeschränkt wird. In der Wissenschaft erleben wir das bereits mit dem Versuch, die Zentraleuropäische Universität in Ungarn schließen zu lassen.“

Ausstellung „Artige Kunst“, noch bis 18. Juni, Kunsthalle Rostock, Hamburger Straße 40.

Von Michael Meyer

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