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Roxette entzücken trotz körperlicher Gebrechen

Konzert in Berliner Arena am Ostbahnhof Roxette entzücken trotz körperlicher Gebrechen

Vor Jahren wurde der Roxette-Sängerin Marie Fredriksson ein Hirntumor entfernt. Seitdem hat sie körperliche Probleme. Beim Konzert am Samstag in Berlin musste sie auf die Bühne gebracht werden und sang, ohne ein einziges Mal von ihrem Hocker aufzustehen. Hier der Bericht von einem Hüpfkonzert im Sitzen und der rührenden Unterstützung der Fans.

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Roxette-Sängerin Marie Fredriksson mit Gitarrist Per Gessle.

Quelle: MTI

Berlin. Per Gessle bewegt sich, als zögen Fäden an seinen Armen und Beinen. Ein Schlag in die Gitarrensaiten, drei Sprünge zurück, plötzlich breitbeinige Westernhelden-Schritte nach vorne wie beim Einmarsch in den Saloon.

Wenn Musiker wie Marionetten zappeln, kann das nerven – im Fall von Roxette ist es eine kleine Heldentat. So lenkt der 56-jährige Songschreiber und Gitarrist des Pop-Duos die Aufmerksamkeit weg von Marie Fredriksson, 57, die zur fröhlichen Musik, im wahrsten Sinne, eine traurige Figur macht. Sie musste am Samstagabend zu ihren Hocker geführt werden, den sie mit zittrigen Schritten erreicht hat. Sie ist blass und dürr, alles an ihr ist weiß, auch die enge Hose und der Blazer. Als ersten Song spielen die beiden Schweden und ihre Tourband „Sleeping In My Car“. Ein typischer Roxette-Song, ein bisschen rockig, aber nicht so viel, um nicht mehr Pop zu sein. Hüpfmusik aus der eigenen Jugend, vorgetragen von einer vor 15 Jahren an einem Hirntumor erkrankten, ganz offensichtlich noch immer lädierten Sängerin – das könnte der Beginn eines würdelosen Konzertes sein. Ist es aber nicht.

Dass die folgenden 100 Minuten eher rühren als verstören, liegt daran, dass Fredriksson im Kampf gegen die Brüchigkeit ihrer Stimme meist siegt. Wenn es allzu heikel wird, springt die verzückte Meute ein, wird in Sekunden so laut, dass die einst so quirlige Frontfrau ein bisschen verschnaufen kann. Die Backgroundsängerin tanzt sich an Fredriksson heran, schmückt sie dadurch, gleicht jeden vokalen Wackler der Chefin wieder aus, und man merkt – das tut sie gerne.

Das Konzert offenbart, dass Roxette-Hits die unpeinlichste Variante sind, sich musikalisch an die frühen 90er zu erinnern. Songs wie „Dangerous“, „The Look“ und „Joyride“ kommen live wohltuend gitarrenlastig rüber. Anders als all die Eurodance-Eintagsfliegen von damals lässt sich die mit einer an Abba erinnernden Konstanz produzierte Hit-Masse auch ohne Schnaps mit Brausepulver und andere auf 90er-Partys so beliebte Ekel-Getränke zu ertragen. Als Marie Fredriksson nach der zweiten Zugabe „The Look“ von der Bühne begleitet wird, ist der Jubel riesig. Pärchen um die 50 kuscheln frischverliebt, als seien sie sich gerade auf dem Schulhof begegnet. Irgendwie rührend.

Von Maurice Wojach

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