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09:01 08.07.2016
Carlos Santana hält seine Gitarre wie eine widerborstige Katze, doch er kriegt sie in den Griff. Quelle: Imago
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Potsdam

Wer könnte diesen jungen Mann vergessen, seine Haare üppig wie ein Astronautenhelm, die Augen glänzend wie zwei Sterntaler! Und seine Finger wendig wie in einem animierten Kinderfilm, wo sie das Tempo in den Wahnwitz treiben. Carlos Santana 1969 in Woodstock, das ist der Stoff, an dem man sich berauscht, wenn man die Hitparade heute als zu blutleer und zu gut gekämmt empfindet.

Carlos Santana, 68 Jahre alt, kommt an diesem Samstag nach Potsdam auf das Stadtwerkefest, der Eintritt zum Open-Air-Konzert (Beginn: 22 Uhr im Neuen Lustgarten) ist kostenlos. Das Wetter soll gut werden, Szenen wie in Woodstock, wo der Schlamm ein Teil des Mythos’ war, werden sich nicht wiederholen. Die Gitarrensoli von Santana nehmen mittlerweile leicht den Fuß vom Gas, sein Haar deckelt er meist mit einem Hut. Das ändert nichts daran, dass Santana sein Gesicht verzieht wie unter Zahnschmerz, wenn er zu einem singenden Gitarrenriff ansetzt.

Alle Infos zum Stadtwerkefest in Potsdam

Seine Botschaft: Wir sind alle eins. „Jeder wird nass, wenn es regnet, von der Prostituierten bis zum Papst“ – das ist sein Leitspruch, den er stets neu instrumentiert. Kritiker meinen, der Sound seines Lebens sei nicht sehr variabel, doch wie viel Seele darin steckt, das weiß man seit „Soul Sacrifice“, das er in Woodstock spielte und seine Visitenkarte wurde. Santana ist seither ein Derwisch, der die Weltmusik zu ungeahnter Akzeptanz und in noch nie gesehene kommerzielle Höhen trieb: Mehr als 40 Millionen Alben hat er verkauft, vor mehr als 20 Millionen Leuten hat er gespielt.

Potsdamer Stadtwerkefest im Neuen Lustgarten

Freitag wird die Norddeutsche Philharmonie Rostock ab 20 Uhr das „Klassikabend Open Air“ bestreiten, das sich dem Thema „Musik und Sport“ widmet. Der erste Satz aus Beethovens 5. Sinfonie ist zu hören, die Mezzosopranistin Jasmin Etezadzadeh singt die Klassiker der Fußballfans.

Samstag steht Pop und Rock auf dem Programm. Um 16.45 Uhr tritt die Berliner Band Mia an, um 18.30 Uhr folgt die Jüterboger Gruppe Six. Cyndi Lauper folgt um 20 Uhr – ein Star aus den 80er Jahren, der mit „Girls Just Wanna Have Fun“ die Zeit der Schwermut zeitweilig erhellte und mit Ironie geflutete hat. Carlos Santana wird mit seiner Band ab 22 Uhr spielen. Santana gehört zur ersten Liga weltweiter Rockstars, Songs wie „Samba Pa Ti“ und „Black Magic Woman“ sichern ihm bleibenden Ruhm.

Sonntag steigt das Stadtwerke-Familienfest mit Programm auch für die Kinder. Das EM-Endspiel wird ab 21 Uhr übertragen.

Das Eintritt ist generell kostenfrei.

Viel verdankt er seinem Stück „Samba Pa Ti“. Damals, als Verliebte sich Kassetten aufgenommen haben, war es stets ganz kurz vor Schluss der Rausschmeißer, den man nur im Engtanz erträgt, und der ganz unwillkürlich in der Einsicht gipfelt: „Wir müssen jetzt ein Kind machen!“

Wer Santana 2011 in Montreux gesehen hat, wie er in der Aufmachung eines Tropenforschers dieses „Samba Pa Ti“ in der wohl millionsten Facette so vital unter die Leute brachte, dass man wieder Gänsehaut bekam, der wusste: Diese Samba-Pa-Ti-Kinder sind glückliche Kinder. Aus manchen wurde eine „Black Magic Woman“. Das ist nicht die schlechteste Form, sein Leben zu fristen. Santana hat aus dieser schwarzen, magischen Frau eine Ikone geformt, seit er sein Lied wie einen ewig frischen Liebesbrief um die Welt trägt.

Santana, der gebürtige Mexikaner, kann Rhythmen verknoten, und sie wie ein Entfesselungskünstler lösen. Das wirkt wie ein Taschenspielertrick, ist aber hohe Musikalität – sie speist sich aus Santanas radikalem Verhältnis zur Gitarre, die er packt wie eine widerborstige Katze, und doch streichelt er sie wie eine zarte Geliebte.

Er singt ungern. Für sowas holt er andere Leute. Singen, das empfindet Santana als Überfluss. Was sollten Wörter seinem Solo auch hinzufügen? Entsprechend überschaubar sind die Lyrics. Texte ohne Ehrgeiz, Schlagwörter wie Liebe, Frau und Sonne tauchen auf, eher zufällig, mehr muss in diese Zeilen nicht hinein.

Das neue Album „IV“ ist sein stärkstes seit „Supernatural“ aus dem Jahr 1999. Auch hier ist die Gitarre kein Job, sondern das Mittel, die Menschen körperlich, geistig und spirituell zu erleuchten.

Von Lars Grote

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