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"Schallend gelacht": Hannes Jaenicke als "Kaiser"

Medien "Schallend gelacht": Hannes Jaenicke als "Kaiser"

Wer Franz Beckenbauer darstellt, der kommt um das fast schon obligatorische "Ja gut, äh" nicht herum. Hannes Jaenicke, der die Fußball-Lichtgestalt jetzt in einer Satire über Uli Hoeneß spielt, hat allerdings einen anderen Zugang zum "Kaiser" gefunden.

München. Der Schauspieler Hannes Jaenicke (55) hat nach eigenen Angaben selten so viel Spaß bei der Vorbereitung auf eine Rolle gehabt wie im Falle der Hoeneß-Satire "Die Udo Honig Story", die am Dienstag (20.15 Uhr) bei Sat.1 zu sehen ist.

Dabei fand er seinen ganz eigenen Zugang zur Fußball-Lichtgestalt, wie Jaenicke kurz vor Beckenbauers 70. Geburtstag im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München sagt.

Frage: Eine herausragende Szene in dem Film ist die, in der Sie als Franz Kaiser im Knast-Besucherraum singen "Gute Freunde kann niemand trennen...". Wie schwer ist es Ihnen gefallen, dabei ernst zu bleiben?

Antwort: Das Schwierigste war der Moment, als Wolfgang Fierek am allerersten Drehtag als Paul Breitner aus der Maske kam. Da war bei mir echt Feierabend. Ich konnte ihn den ganzen Tag nicht angucken, ohne schallend zu lachen. Wir hatten da schon richtig Spaß, obwohl es natürlich auch harte Arbeit war - besonders, weil wir alle Dialekte sprechen, in die wir nicht reingeboren wurden. Uwe (Ochsenknecht) ist gebürtiger Hesse, ich auch, (Heiner) Lauterbach ist gebürtiger Kölner. Wir mussten uns da sprachlich schon reinarbeiten.

Frage: Wie haben Sie das gemacht?

Antwort: In meinem Fall war das der völlige Luxus. Ich habe erstmal stundenlang den Kaiser verinnerlicht und weil die Sprache bei ihm ja sehr variiert - je nachdem, ob er vor einer Kamera steht oder nicht - habe ich dann angefangen, mir - angefangen mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt - das gesamte bayerische Kabarett reinzupfeifen. Ich habe noch nie bei der Arbeitsvorbereitung so lang, laut und schallend gelacht wie bei Bruno Jonas, Otti Fischer, Gerhard Polt und Monika Gruber. Ich bin mittlerweile der größte Polt-Fan des Freistaates.

Frage: Haben Sie sich auch Kaiser-Parodien angeschaut?

Antwort: Ja, aber das habe ich ganz schnell wieder gelassen. Die gehen immer auf die gleichen Spezifitäten - "Ja gut, äh". Was ich aber am Kaiser am auffallendsten finde, ist die Körpersprache. Er ist ein Arbeiterjunge aus Giesing, der mit Stilsicherheit und Klasse einen Gentleman aus sich gemacht hat. Die meisten Fußballer tun sich da schwerer, aber er steht da wie ein britischer Gentleman. Er hat eine große Eleganz und das war für mich der Schlüssel zur Figur.

Frage: Haben Sie Beckenbauer mal kennengelernt?

Antwort: Nein, aber mit Uli Hoeneß hatte ich wiederholt zu tun. Peer Steinbrück hatte seinerzeit als Finanzminister einen Beraterkreis, einen Think Tank, in dem aus irgendeinem Grund auch ich saß - und eben auch Uli Hoeneß.

Frage: Wie haben Sie ihn erlebt?

Antwort: Es ist faszinierend, wie schnell die Politik, die früher ja pathologisch seine Nähe gesucht hat, sich abgewandt und ihn fallen lassen hat wie eine faule Kartoffel. Ich muss sagen: Ich finde es hundertmal schlimmer, ein Ausländerheim abzufackeln, als die Steuer zu bescheißen. Ich hab Hoeneß als leidenschaftlichen und gradlinigen Mann empfunden, sehr ehrlich in seiner konservativen Einstellung, aus der er null Hehl gemacht hat. Es war toll zu sehen, mit welchem Respekt Steinbrück und er trotz ihrer unterschiedlichen politischen Haltung miteinander umgegangen sind. Hoeneß hat außerdem einen Hang zur Cholerik, den ich nicht unsympathisch finde. Ich finde Leidenschaft immer besser als Mittelmaß und Angepasstheit.

Frage: Sind Sie jetzt auf den Geschmack gekommen? Würden Sie noch mal eine Figur spielen, die auf einem realen Menschen basiert?

Antwort: Wenn das Drehbuch so gut ist wie dieses - jederzeit! Aber ich bekomme vielleicht alle fünf Jahre mal so ein Buch.

Frage: Und welche Angebote kommen sonst?

Antwort: Krimis, Schmonzetten, mittelmäßige Komödien. Es ist manchmal zäh.

Frage: Woran liegt denn das?

Antwort: Es gibt nicht nur einen Schuldigen. Wir Fernsehmacher sind oft nicht mutig genug, die Redaktionen sind oft nicht mutig genug - aber das deutsche Publikum ist auch ein wenig träge. Bestes Beispiel: "Homeland" ist überall auf der Welt ein Hit - sogar in Mosambik - und in Deutschland floppt die Serie, weil die Leute sie zu kompliziert finden. Und dann heißt es immer, die Amis sind doof. Das Publikum hier mag es am liebsten, dass man eine Leiche ins Bild legt und dann ein netter Kommissar kommt und fragt: Wer war's? Wenn wir rumexperimentieren, werden wir einfach oft abgestraft. Ich nehme jede Schuld der Welt auf mich. Ich habe viel Mittelmaß gemacht und wahrscheinlich auch oft schlecht gespielt - aber es liegt auch am Publikum. Wir sind alle schuld.

ZUR PERSON: Hannes Jaenicke (55) hat ein bekanntes deutsches Fernseh-Gesicht und war unter anderem in diversen "Tatort"-Folgen zu sehen. Er verbrachte einen Teil seiner Kindheit in den USA und engagiert sich heute stark für den Tier- und Umweltschutz und gegen Rechtsextremismus.

dpa

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