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Kultur Schallwellen aus einer anderen Zeit
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12:28 17.05.2017
Wer hat an der Uhr gedreht? The Sonic Dawn waren es. Quelle: Promo
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Potsdam

Manche unserer Mitmenschen verfügen über eine beneidenswerte innere Uhr. Soll heißen, sie tun oder lassen, was sie wollen. Und dann drehen sie eben die Zeiger nach Belieben zurück. Fraglos zählen auch Musiker zu dieser besonderen Spezies. Wie The Sonic Dawn aus Dänemark. Dass etliche Schweden-Bands sich regelmäßig auf den schwelgerischen Trip in die Vergangenheit begeben, ist ja längst bekannt. Wie auf dem Rasen, so gilt auch für die Bühne: We Are Red, We Are White. We Are Danish Dynamite. Also, die Dänen, in deren Szene es heftig brodelt, haben es allerdings genauso sprengstoffmäßig drauf. Und wie. Bestes Beispiel dafür sind The Sonic Dawn.

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Ein Raunen dringt herauf: Ein Piano bereitet uns vor. Worauf eigentlich? Auf einen keifenden, toxischen Angriff aus den Schatten. Auf eine wüst gellende Meute, die zur alles verschlingenden Attacke ausholt. Der Schrecken hat einen Namen: Ancient Ascendant. Das Quartett aus Großbritannien zeigt erstaunliches Geschick, über die vielzähligen Knochen zu balancieren, die auf Metal-Spielwiesen wie Black, Death und Trash reichlich liegen geblieben sind. Nie verleugnet der Vierer aus Reading seine Abstammung. Doch er kämpft mit scharfen Waffen.

Ancient Ascendant: Raise The Torch. Candellight/Spinefarm Records.

Jetzt nicht schwächeln: Mit Ides Of Gemini haben wir wieder mal eine Band, die von einer fulminanten Sängerin angeführt wird. Sera Timms, gewandet in schwarze Spitzen und schwarzes Leder, ist eine Sirene. Stellt euch Siouxsie ohne Banshees vor. Dafür umsorgt von drei Kerlen, die einen ziemlich abgründigen Gruppensound zustande bringen. Genährt von Vorbildern wie Neurosis. Anhänger von Gothic-Rock mit mehr Härte und finsterem Doom hätten ihre helle Freude an den präzisen, dunkel-romantisch verhallten gespenstischen Songs.

Ides Of Gemini: Women. Rise Above/Soulfood.

Der dänische Dreier, bestehend aus Emil Bureau, Jonas Waaben und Neil Bird, gilt als Spezialist für die Schallwellen-Reise in eine andere Zeit. Was ihr aktuelles Album „Into The Night“ gerade auf allerschönste unter Beweis stellt. Die Jungs aus Kopenhagen verstehen sich auf eine ebenso präzise wie überraschend abwechslungsreiche, temporeiche Mixtur aus Westküsten-Klängen samt Sitar, Blues, Rock, Folk und Jazz. Die Zutaten fein abgeschmeckt von einem psychedelischen Koch. Für diesen Flow hatte sich die Truppe in ein einsames Haus am Nordseestrand zurückgezogen.

Nicht zu vergessen ist an diesem, aller Voraussicht nach denkwürdigen Abend mit einem Dreigestirn zu rechnen: Neben The Sonic Dawn stellen sich Love Machine aus Köln mit tief entspannten Soundgebilden und The Heavy Crawlers aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew mit herrlichen kaputtem, verzerrtem Blues-Rock vor.

Konzert: The Sonic Dawn treten am Freitag, dem 19. Mai, um 21 Uhr im Bassy in Berlin-Prenzlauer Berg auf.

Von Ralf Thürsam

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