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Schiller mit Überdruck

Theater Schiller mit Überdruck

Die 13. Lange Nacht der Freien Theatergruppen belebte das Areal um das Potsdamer T-Werk, mit Häppchen, die Lust auf mehr machen. Nur 15 bis 40 Minuten lang durften die zehn Gruppen Ausschnitte aus ihrem Können zeigen – ein Abend, der vor allem Lust auf mehr machte.

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Mathias Iffert (l.) und Rüdiger Braun spielen „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab.

Potsdam. Die 13. Lange Nacht der Freien Theatergruppen an einem 13. Mai – für Jens-Uwe Sprengel vom gastgebenden T-Werk ist das alles andere als ein schlechtes Omen. Denn gerade hat das Land Brandenburg die Förderung der Freien Szene um einiges erhöht und auf ein stabiles Fundament gestellt. Über die Vielfalt dessen, was auf den Bühnen außerhalb von Stadt- und Landestheatern passiert, konnte man sich am Sonnabend in Potsdams Schiffbauergasse informieren.

Der Bogen ist wieder weit gespannt, er reicht vom Klassischen über das Experimentelle und das Exotische bis zum Dokumentarischen. Zehn Gruppen geben einen Einblick in ihre aktuellen Arbeiten. Dabei ist der Auftakt ein eher harter Brocken. Das Theater 89 zeigt „Briefe aus Hafthaus“ von Ralf G. Krolkiewicz. Der einstige Schauspieler und spätere Intendant des Potsdamer Hans-Otto-Theaters beschreibt darin auf beklemmende Weise, was mit einem Menschen passiert, der als politischer Häftling in die Fänge der DDR-Justiz gerät, er zeigt, wie sein Lebensmut schwindet, in seinem Inneren etwas zerbricht, wie Angst und ein Misstrauen wachsen – auch gegen die, die ihm am nächsten stehen.

Von einer ganz anderen Seite nähert sich das Neue Globe Theater einem eigentlich ebenfalls schweren Stoff. Sie präsentieren Schillers „Räuber“ als vitales Mitspieltheater. Da gibt es immer wieder Fragen in die Zuschauerrunde, und Franz, die Kanaille, lässt keine Ruhe, bis das Publikum sein „Happy Birthday“ mitsingt.

Gesungen wird auch in Werner Schwabs „Präsidentinnen“. Wobei die Aufführung des Theaterschiffs auf einen schon bei Shakespeare üblichen Trick zurückgreift: Das grantelnde Altfrauen-Trio wird von Männern gegeben, und alle drei Hobbyschauspieler sind mit skurriler Spiellust dabei, unter ihnen auch MAZ-Mitarbeiter Rüdiger Braun. Und die Märkische Allgemeine ist auch noch bei einem zweiten Projekt vertreten, betitelt „Überdruck“. Die Installation des „Kombinats“ gibt mit acht Kurzfilmen Einblicke in die Arbeitswelt von Menschen, in der Druck eine selbstverständliche Rolle spielt – vom Meteorologen bis zum Lebensretter. In durchaus faszinierenden Bildern zeigt sie dabei auch, was in der MAZ-Zeitungs-Druck-Welt so täglich abgeht.

In völlig andere Sphären entführt Noriko Seki vom Theater Nadi. Sie spürt in ihrem Tanz- und Maskenspiel Alltäglichem, Mythen und Ritualen ihrer japanischen Heimat nach. Mit ganz einfachen Mitteln, einem gefalteten Schiffchen, drei Tüchern, aber auf so wundersame wie poetische Art.

Und sie entlässt die Zuschauer in die erste milde Frühlingsnacht des Jahres. Auf dem Schirrhof glühen die Feuerkörbe, und auf der Open­air-Bühne geht es noch einmal heiß her.

Das Theater Ton und Kirschen mit seinen bekennenden Straßentheater-Spielern hat sich in diesem Jahr eines Herrn namens „Bartleby“ angenommen, nach einer Vorlage von Herman Melville. Sie exerzieren den Stoff um einen Büroschreiber mit Lust zu Slapstick und schräger Comedy. Alles in allem ein Häppchen-Programm, das Appetit macht auf mehr.

Von Frank Starke

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