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Schloss Babelsberg ist bis Oktober zugänglich

Schlösser und Gärten Schloss Babelsberg ist bis Oktober zugänglich

Das Schloss Babelsberg war viele Jahre geschlossen, die Außenhülle wurde umfangreich saniert. Nun öffnet es für eine Sonderausstellung über den Gartenkünstler Fürst Pückler, obwohl die Innenräume noch lange nicht in neuem Glanz erstrahlen. Lohnt sich ein Besuch?

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Aus dem Babelsberger Schloss ergeben sich spektakuläre Blicke durch den Park in die Havellandschaft. Im Vordergrund die Goldene Terrasse.

Quelle: SPSG

Potsdam. Auf den Zinnen des höchsten Türmchens von Schloss Babelsberg flattert bis Ende Oktober stolz eine Fahne, darauf ein großer blauer Papagei und die Worte „Pückler Babelsberg“. Gewiss, Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871), Exzentriker, Literat und Weltreisender, gilt als schillernder Paradiesvogel. Auf ihn geht auch die aparte Gestaltung des Parkes Babelsberg zurück. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten widmet dem großen Landschaftsgärtner ab morgen die kleine Sonderausstellung „Pückler. Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin“.

Der blaue Hyazinth-Ara ziert auch acht Infotafeln, die rund um das Schloss am Schwarzen Meer, im Goldenen Rosengarten oder am Bachlauf aufgestellt sind. Im Bibliothekszimmer ist sogar ein ausgestopfter Ara zu bestaunen. Warum? Hausherrin Augusta bekam Ende der 1840er Jahre ein lebendes Exemplar von ihrem Hofgärtner Pückler geschenkt. Als das exotische Tier nach wenigen Jahren starb, legte die Gattin des preußischen Thronfolgers in einem Brief über ihre Trauer Zeugnis ab.

Gartendenkmalpflegerin Katrin Schröder lässt aber durchblicken, dass der Ara nicht in Babelsberg gestorben ist, sondern in Koblenz. Dorthin zog sich das Hohenzollern-Paar fast zehn Jahre zurück, nachdem Wilhelm in Berlin als „Kartätschenprinz“ nach der Niederschlagung der demokratischen Märzrevolution 1948 verhasst war. Nach 1861 als König und nach 1871 als Kaiser verbrachten Wilhelm I. und Augusta dann aber jeden Sommer in Babelsberg.

Wichtigstes Exponat ist das lange Zeit verschlossene Schloss. Dach und Fassade im englischen Burgenstil sowie Außenterrassen und Wasserspiele wurden saniert. Die Pracht der Innenräume ist nicht durchgängig erhalten und soll in den nächsten zwölf Jahren hergestellt werden. Ein Besuch lohnt sich allein wegen der fantastischen Ausblicke nach Norden, Westen und Süden. Pückler meinte, der Ausblick aus einem Schloss sei wichtiger als sein Anblick.

Pittoreskes neogotisches Schleierwerk rahmt die Fenster, deren ungeteilte Größe fasziniert. Der Blick schweift über die von Pückler mit Bedacht angelegten Terrassen, Blumenetageren und Pergolen, über seinen pittoresken Pleasureground in die Havellandschaft. Nichts ist hier dem Zufall überlassen. Eine Pappel auf der zentralen Wiese wurde nach Pücklers Vorstellungen bis unter die Krone ausgegästet, um den Blick – etwa auch auf den 40 Meter hohen Geysir – nicht zu versperren. Andere Zeit-Schichten springen ins Auge. Die Glienicker Brücke erinnert daran, dass sich durch den Park vor 28 Jahren noch Mauer und Todesstreifen zogen.

Der grüne Fürst und die Kaiserin

Die Ausstellung

„Pückler. Babelsberg – der grüne Fürst und die Kaiserin“ in den noch unsanierten Räumen des Schlosses Babelsberg fußt auf der Ausstellung „Parkomanie“, die im letzten Sommer in der Bundeskunsthalle Bonn stattfand.

Der Landschaftspark in Babelsberg wurde im Auftrag des Prinzen Wilhelm, des späteren Kaisers Wilhlem I., geschaffen. Ab 1942 engagierte Augusta von Preußen Pückler für die Gestaltung des Parks, den Peter Joseph Lenné bereits angelegt hatte.

Öffnungszeiten: Di-So 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 10 Euro. Familienkarte: 26 Euro. Vom 29. April bis 15. Oktober.

Publikationen: „Park Babelsberg – Kleiner Führer. 5,95 Euro. „Park Babelsberg – Für Kinder. 4,95 Euro.

Generaldirektor Hartmut Dorgerloh forderte gestern die Besucher auf, die Ausblicke zu genießen. „Wenn das historische Interieur wieder aufgestellt wird, ist oft Lichtschutz geboten“, sagte er. Die nach den Verfahren des 19. Jahrhunderts gezogenen Glasscheiben bestechen durch einen poetisch-schwimmenden Effekt. Heutigen Handwerkern ist es nicht gelungen, Scheiben der alten Größe herzustellen. Im Teesalon bleibt die Glasfläche dezent von einer Fuge unterbrochen.

Augustas ehemalige Gästezimmer wurden für die Ausstellung verdunkelt, um wertvolle Originale, darunter Gemälde, kolorierte Zeichnungen und Lennés berühmten Verschönerungsplan von Potsdam zu präsentieren. In den anderen fünf kleinen Räumen finden sich eine Medienstation mit Stereobildern und ein 3 D-Zeitraffer-Film, der den Park im Wechsel der Jahreszeiten zeigt. Im zwei Stockwerke hohen achteckigen Tanzsaal kommen jene Besucher auf ihre Kosten, die mit Pückler vor allem das dreifarbige Sahneeis verbinden. Dabei hat es der ehrgeizige Fürst gar nicht erfunden, sondern ein cleverer Konditor, der es schon zu dessen Lebzeiten Fürst-Pückler-Eis nannte. Der Besucher erfährt außerdem, dass Pückler für seine umfangreiche Tätigkeit in Babelsberg keinen Lohn erhielt. So modern und so weltoffen er sich gab, der wohl wichtigste Antrieb für ihn waren Auszeichnungen wie der Rote Adlerorden I. Klasse und der Titel „Durchlaucht“.

Von Karim Saab

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