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Schülerbands rocken für 4000 Fans

John Apart: Rock-Nachwuchs aus Potsdam Schülerbands rocken für 4000 Fans

Schon sechs Jahre gibt es John Apart aus Potsdam: Ende April haben Felix Noster und Max Sterr in Frankfurt/Main beim „School Jam“ gespielt, in der berühmten Festhalle vor knapp 4000 Leuten. Eingeladen waren Deutschlands acht beste Schülerbands, 1340 Gruppen hatten sich um das Finale beworben. Auf der Bühne tragen Felix und Max adrette Anzüge. Sie singen Deutsch.

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Max Sterr (l.) und Felix Noster – zusammen sind sie John Apart.

Quelle: Jens Liebchen

Potsdam. Oben hängen AC/DC, Augen weit und irre, die Münder aufgerissen wie in einem Zombiefilm. Felix sagt, das Poster hänge nur noch an der Wand als Echo einer alten Zeit. Sechs Jahre war er alt, da hatte er die Band gehört. Musikalische Früherziehung. Aufgegeben hat er die Australier nicht, vor allem hört er sie zu Reinigungszwecken. „Wenn ich zu viel Musik im Kopf habe, brauche ich AC/DC, dann bin ich wieder im Lot.“

Felix Noster, 21, hat mit seinem Freund und Mitbewohner Max Sterr, 20, vor sechs Jahren die Band John Apart in Potsdam gegründet, Ende April haben sie in Frankfurt/Main beim „School Jam“ gespielt, in der Festhalle vor knapp 4000 Leuten. Eingeladen waren Deutschlands acht beste Schülerbands, 1340 Gruppen hatten sich um das Finale beworben. Es gab Vorausscheide und Online-Votings. John Apart hatten sich durchgesetzt, sie zählen quasi zur Elite – doch wurden immer noch in einer Jugendherberge untergebracht. Was muss noch passieren, damit man in schöne Hotels kommt, die man zertrümmern kann, wie sich das gehört für echte Musiker?

Felix ist der Schlagzeuger, das sind im Rock’n’Roll die Tiere, immer vorneweg, wenn es ums Zertrümmern geht. Er aber ist anders. Felix studiert Sozialpädagogik, unterrichtet Musik in einer Klasse für Förderschüler. Und trägt ein lässiges, kariertes Hemd zu Adiletten, ist überlegt, freundlich, auch wenn er all die Kraftmeier an seiner Wand hat. Das Zimmer der WG in Potsdam-Babelsberg ist klein. Seine Hausgötter neben AC/DC: Jim Morrison von den Doors, Kurt Cobain von Nirvana. Ein Spiegel mit dem berühmten Bild der Beatles, die über den Zebrastreifen der Abbey Road gehen. Und ein Poster von Beady Eye, Band des Oasis-Sängers Liam Gallagher, auf dem ganz knapp die Brust von einer jungen Frau aus ihren Händen rutscht.

John Apart sind anders, das liest man schon aus dem „Apart“ heraus. Ein Wort, das für Abgrenzung und Eigensinn steht. Auf John kamen sie, weil Felix auf John Bonham von Led Zeppelin steht und Max auf John Lennon. „John ist im Pop ein guter Name!“, glaubt Felix. Auf der Bühne tragen Felix und Max Anzüge, der von Felix ist grün-blau kariert. Sie singen Deutsch und haben keine Frau in ihrer Band. Das ist nicht besonders kommerziell, „doch wir fühlen uns in der Nische wohl“, sagt Felix.

John Apart

John Apart haben sich 2009 in Potsdam gegründet, zunächst spielten sie zu dritt. Seit einem Jahr besteht die Band nur noch aus Felix Noster (21), und Max Sterr (20). Felix sitzt an Schlagzeug und Keyboard, Max spielt Keyboard und Gitarre und singt.


Ihr erstes Album „Das war nicht geplant“ erschien 2013. Ende des Jahres wollen sie ein weiteres veröffentlichen.


Das neue Kurzalbum „II“ stellen
John Apart im Potsdamer Waschhaus am 19. Juni vor. Einlass ist um 20 Uhr, Beginn um 21 Uhr.

Beim „School Jam 2015“ kamen John Apart ins Finale der besten acht deutschen Nachwuchsbands, um das sich 1340 Gruppen beworben hatten. Sie haben nicht gewonnen, die genaue Platzierung lässt sich nicht ermitteln, nur der Erstplatzierte wird benannt.

Zu finden ist John Apart über Facebook oder Youtube. Die EP „II“ ist erhältlich unter www.johnapart.de

Sie haben nicht gewonnen in Frankfurt beim Finale von „School Jam“, dem größten deutschen Wettbewerb für Schülerbands, der allen offensteht bis 20 Jahre, auch wenn sie nicht mehr zur Schule gehen. Den Sieg holte mal wieder eine harte Geradeausband, wie auch Ende des vergangenen Jahres beim Brandenburger Landesrockwettbewerb, wo John Apart Zweiter wurden. Immer wieder hören sie von der Jury: „Ihr seid gut, aber wir sehen bei euch nicht unbedingt die kommerzielle Perspektive.“ Das bringt Max und Felix nicht ab von ihrem Weg.

Gerade haben sie ihre erste EP fertig, eine kurze CD mit fünf Stücken, nachdem es vor zwei Jahren ein Album gab, auf dem sie die Songs der ersten vier Jahre bündelten. Stücke, die stilistisch ein erhebliches Spektrum aufwiesen. „Mittlerweile arbeiten wir konzentrierter“, sagt Felix, der davon träumt, „vielleicht zehn Platten vom neuen Werk auf Vinyl pressen zu lassen“. Vinyl verkörpert eine Seriosität für ihn, mit der es die CD nicht aufnehmen kann. „Vinylplatten packe ich wie ein Buch aus, ich zappe nicht, sondern höre sie von Anfang bis Ende durch.“

Musik steht über allem, sie würden ihr Studium abbrechen, wenn ein Agent kommt, um sie unter Vertrag zu nehmen. Was muss passieren, damit es klappt? „Das ist auch Glück“, glaubt Felix, „es gibt kein Rezept, das immer greift.“ Sie proben im Keller von Felix‘ Oma, er ist niedrig, man muss den Kopf einziehen. Den aufrechten Gang werden sie trotzdem weiter pflegen in ihrer reflektieren Art der Popmusik. Manchmal kann man das Glück erzwingen.

Von Lars Grote

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