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Sensationsfund: Hunderte Piranesi-Zeichnungen entdeckt

Kunst Sensationsfund: Hunderte Piranesi-Zeichnungen entdeckt

"Ich habe den einen Band aufgeschlagen und gedacht: Hoppla, das kann ja nicht mit Weinbrenner zusammengehen." Als Georg Kabierske nach dem Abitur sein Praktikum in der Kunsthalle in Karlsruhe begann, war seine Aufgabe eigentlich, im Kupferstichkabinett beim Verzeichnen der Werke zu helfen.

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Georg Kabierske vor einer Zeichnung einer antiken Opferschale die aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt und Giovanni Battista Piranesi zugeschrieben wird.

Quelle: Uli Deck

Karlsruhe. Dass er sich in die Originale einwühlen soll, war der Plan. Dass er in Zeichnungen, die 150 Jahre lang dem Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner zugeschrieben wurden, die Hand des italienischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi erkannte, war ein glücklicher Zufall. Nun muss die Wissenschaft die Stücke neu bewerten - ein langer Prozess, den auch Kabierske weiter begleiten wird.

Der Fund des Abiturienten hat Wellen in der Kunstwelt geschlagen: Die Fachzeitschrift "Master Drawings" brachte seinen Aufsatz als Titelstory. Die Freude unter Kennern sei groß, sagt Dorit Schäfer, Leiterin des Kupferstichkabinetts. Weltweit seien rund 500 bis 600 Zeichnungen von Piranesi (1720-1778) und seiner Werkstatt bekannt. Auf einen Schlag sollen nun fast 300 neue dazugekommen sein, eingeklebt in zwei große Alben. Einige sind klein, teils skizzenhaft, andere so groß, dass sie nur gefaltet ins Album passen. "Karlsruhe wird jetzt erstmals ein Ort der Piranesi-Forschung", sagt Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm.

Kabierskes Praktikum ist ein Jahr her, die Bekanntgabe des Funds einige Wochen - doch nun geht die wissenschaftliche Arbeit erst richtig los. Der Finder ist mittlerweile 21 und studiert Europäische Kunstgeschichte und klassische Archäologie in Heidelberg - für eigene Uni-Arbeiten wird er sich weiter mit den Zeichnungen befassen. Außerdem gehört er dem Beirat an, der die Forschung begleiten soll. Die Kunsthalle will dafür nun ein Team zusammenstellen und bereitet ein Kolloquium vor, bei dem die internationale Kunstwelt die Zeichnungen zu Gesicht bekommen soll.

Der Kunsthalle zufolge gibt es keinen Zweifel daran, dass die Zeichnungen von Piranesi und seiner Werkstatt stammen - sonst wäre sie damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen. Aus Sicht von Henry Keazor, Professor am Institut für Europäische Kunstgeschichte an der Uni Heidelberg, wäre das eine "kleine Sensation". Die endgültige Bestätigung würde eine "enorme Öffnung des Horizonts" bedeuten, sagt der Experte für römische und französische Barock-Malerei.

"Piranesi hat ein immens vielfältiges Werk hinterlassen, und das werden wir durch den neu hinzugewonnenen Bestand in Karlsruhe besser verstehen können", sagt auch Direktorin Müller-Tamm. Kunst hinterlässt Spuren in anderen Werken, Künstler beeinflussen sich gegenseitig - in dieses Netzwerk müssen die Werke eingefügt werden. So verarbeitete Weinbrenner Piranesi-Motive für Inneneinrichtungen, die Lehrlinge seiner Architekturschule nutzten sie als Vorlage, wie Kabierske in einem zweiten wissenschaftlichen Aufsatz schreibt. Die Zeichnung einer antiken Opferschale etwa sei vermutlich das Original eines Abklatsches, den ein Museum in London ausstellt.

Warum ist die falsche Zuordnung erst jetzt aufgefallen? Die Wissenschaft dankt der Digitalisierung - und dem Glück, dass sich ein junger Praktikant, selbst Sohn eines Kunsthistorikers, mit Piranesi und Weinbrenner auskennt. Obwohl auf den Alben groß der Name des Karlsruher Architekten (1766-1826) steht, machten Kabierske viele Details stutzig: Die geschwungene Handschrift und die elegante Linienführung waren untypisch für Weinbrenners architektonisch-geradlinigen Stil. Sicherheit habe der Online-Vergleich geliefert: Die digitalen Bestände an Piranesi-Werken von Museen in New York, Washington und London offenbarten "frappierende Ähnlichkeiten in Zeichenstil und Motivwahl", schreibt Kabierske.

Die Fachartikel habe er in einem stressigen ersten Semester über Weihnachten geschrieben. "Da ist viel Zeit und Entdeckerfreude eingeflossen", sagt Kabierske. Doch die Erforschung der Werke wird noch einige Zeit dauern. Mehr als genug Stoff für Bachelor- und Master-Arbeiten - über Arbeitsmangel wird sich der Student also nicht beklagen können.

dpa

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