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Seth Caricos kerniger Bariton setzt Akzente

Deutsche Oper Berlin Seth Caricos kerniger Bariton setzt Akzente

In der Deutschen Oper Berlin gab’s „Tod in Venedig“ von Benjamin Britten. Die Thomas-Mann-Geschichte handelt vom geistig-moralischen Verfall eines schönheitsdurstigen Poeten. Inszeniert von Graham Vicks. Donald Runnicles und sein Orchester folgten den gebrochenen Schattierungen und Zwischentönen des todesnahen Werkes.

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Moralischer Verfall eines Poeten: „Tod in Venedig“ an der Deutschen Oper in Berlin.

Quelle: Imago

Berlin. Ein riesiges Tulpenbukett in faulig-schwärzlichem Purpur. Ausstatter Stuart Nunn setzt für Graham Vicks Inszenierung „Tod in Venedig“ an der Deutschen Oper Berlin entscheidende Akzente. Es ist die letzte Oper von Benjamin Britten (1913-1976). Die Thomas-Mann-Geschichte handelt vom geistig-moralischen Verfall eines schönheitsdurstigen Poeten. Ohne Nunn wären die geschickt choreographierten Chorszenen und die perfekt getimten Solistenauftritte zu mechanisch-kühl durchgeschnurrt.

Der fast labormäßigen Untergangsstudie fehlen nämlich die existenzielle Not und das Irrationale, wenn bei dem Anti-Helden Gustav von Aschenbach seine lange unterdrückten Obsessionen durchbrechen. Vielleicht hat sich ja schon Britten selbst mit dieser letzten Riesenpartie für seinen Gefährten Peter Pears leicht verhoben: einer Rolle, deren zwischenmenschliches Kommunikationsvermögen vom ersten Bild an verkümmert wirkt. Über mehr als zwei Stunden, nahezu ununterbrochen, ist auch Paul Nilon präsent, vorwiegend mit eitel-selbstreflexiven Monologen. Trotzdem geht das wohl anders als in Nilons minimalistisch zurückgenommener Darstellung. Die physische Kondition und sichere Stimmführung des Engländers verkörperten freilich bestes Niveau, aber als ganz am Ende die emotionale Panzerung wirklich noch kurz aufbrach, hatte schon lange Seth Caricos kerniger Bariton mit seiner Handvoll schmierig-manipulativer Verführerrollen die stärkeren Akzente gesetzt.

Donald Runnicles und sein Orchester folgten den gebrochenen Schattierungen und Zwischentönen des todesnahen Werkes, seinen fahl leuchtenden Irrlichtern und Zuckungen mit intim-eindringlicher Sensibilität. Ein Kammerspiel, dessen Intensität keine großen Räume stopfen wollte und musste, sondern nach innen geht.

Von Gerald Felber

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