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Kultur So tanzt man in den Mai
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23:03 27.04.2018
Sidi Wacho locken jeden aufs Parkett. Quelle: Fredo Mat
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Potsdam

Ein neuer Virus grassiert. Wie Forscher feststellten, hat er sich vor etwas mehr als zwei Jahren in Europa festgesetzt. Zu dieser Zeit war ein französischer Rapper nach Chile gereist. Dort traf er auf einen Cumbiero. Beide stellten fest, dass Rap und Cumbia eine unschlagbare Mixtur bilden, die die Leute hemmungslos tanzen lässt. So gründeten sie Sidi Wacho – und bald verbreitete sich die Musik des transatlantischen Bündnisses von Santiago de Chile und Lille in Frankreich aus. Wie die zweite Platte „Bodeliko“ zeigt. Mit Trompeten, die mal nach den Mariachi in Mexiko, mal nach wildem Balkan klingen: Kubanische Percussion und Akkordeon befeuern einfach die Tanzwut. Und die Ärzte sind ratlos.

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Wie der Vater, so der Sohn: Fela Kuti folgt der jüngste Sohn Seun den Pfaden des Afrobeats. Sogar die Knöchel hat der Musiker aus Nigeria mit diesem Wort tätowieren lassen. Den Namen seines berühmten Vaters gleich auf den Rücken. Pioniergeist, Erfindungsreichtum und die explizit politischen Ansagen sind intakt. Seun (35) ist ein würdiger Erbe. Egypt 80, die Band seines Vaters, hat der Saxofonist ja schon als 14-Jähriger übernommen. Dieses Amalgam aus afrikanischen Rhythmus-Geflechten und Chören, aus Rockelementen, Funk und Jazz bekommt keiner so hin wie Seun. Zackig, wild, hochgradig intensiv. Dass der Musiker seine Zuhörer zur Besinnung aufruft, versteht sich von selbst. So erinnert er an Menschen, die unstrittig für das Selbstbewusstsein des afrikanischen Kontinents stehen: Patrice Lumumba, Shaka Zulu und eben Fela Kuti. Denn schwere Zeiten sieht Seun aufziehen. Er sieht Lebensumstände, die verändert werden müssen. Seun Kuti & Egypt 80 treten am 19. Mai um 20 Uhr im Festsaal Kreuzberg auf.

Seun Kuti & Egypt 80: Black Times. Strut/Groove Attack.

Die siebziger Jahre liegen hinter uns? Ja und nein! Denn der Gedanke der Klangfusion lebt fort. Ist sogar sehr lebendig beim Max Clouth Clan. Und der Gitarrist bekennt sich ungeniert zu seinen Helden, die da heißen John McLaughlin oder Jimi Hendrix, der ja mit seinem Spätwerk ebenfalls neue Perspektiven eröffnete. Genau hier setzt der Clan an. Diese Gruppierung, die den Jazz und indische Musik in neuer Gemeinsamkeit denken. Und mit vielen offenen Enden oder Anknüpfungspunkten versehen. Zwei Hälse und dementsprechende viele Saiten hat die Gitarre von Max Clouth. Er braucht sie alle. Wenngleich der Musiker aus Frankfurt/Main nur als Erster unter Gleichen agiert. Denn dem einzigartigen Vokalvortrag von Sriparna Nandi und den stets anregenden Ideengebern an Keyboards, Bass, Perkussion, Tabla oder Violinen bleibt viel Raum.

Max Clouth Clan: Kamaloka. L+R Records/Bellaphon.

Nicht anders als eine Herzenssache kann man diese Platte bezeichnen: Diese Big Band um Sänger José „Pepito“ Gómez aus Kuba bringt die Leute in Bewegung. Hatten die großen Alten der Szene vor mehr als 20 Jahren mit dem Buena Vista Social Club und Solo-Produktionen die Insel in der Karibik späte weltweite Wahrnehmung verschafft, haben wir hier die Mambo Kings in einer neuen überaus erfrischenden Version. Ansteckend in jedem Ton, berauschend vor Lebensfreude in jeder Wendung, tanzbar an eigentlich jedem Tag. Eingespielt binnen dreier Tage. Ein großer Wurf – auch für das New Yorker Label Daptone. Für die Soul-Spezialisten, die zuletzt so großartige Künstler wie Sharon Jones (1956-2016) und Charles Bradley (1948-2017) verloren haben, ist es die erste Produktion auf Spanisch.

Orquesta Akokan: Un Tabaco Para Elegua. Daptone Records/Groove Attack.

Wenn es um die beliebten Tänze im Mai geht, dann ist Dactah Chando dafür genau der Richtige. Der Sänger aus Teneriffa hat nämlich gerade seine aktuelle Platte „Global Cityzen“ am Start. Und damit verbreitetet er positive Schwingungen. Ganz massiv. Denn Chando pflegte seinen Stil. Er ist der Reggae-Star von den Kanaren – und Weltbürger zugleich. Es gibt diese federleichten Songs von ihm, die schon auf den Sommer vorausweisen.

Dactah Chando: Reggae-Star von den Kanaren. Quelle: Promo

Doch Reggae wie der Dactah ihn versteht, kommt ohne die eine oder andere Botschaft nicht aus. Siehe Bob Marley. So macht sich Chando – der bereits mit Frank Dellè von Seeed aus Berlin auftrat und nicht nur in Europa die einschlägigen Festivals bestreitet – ernsthaft Gedanken über den ökologischen Zustand der Welt und andere Missstände. Die trägt er weit hinaus – und vergisst trotzdem nicht, die Leute zum Tanzen zu bringen.

Die Konzerte: Sidi Wacho spielen am Sonntag, dem 29. April, um 21 Uhr im Yaam in Berlin-Friedrichshain. Dactah Chando tritt am Sonnabend, dem 5. Mai, um 20.15 Uhr im Musik & Frieden in Berlin-Kreuzberg auf.

Von Ralf Thürsam

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