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Kultur Sieben Maler träumen für die Ewigkeit
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14:34 19.10.2017
Erich Kissing, „Leipziger am Meer“. „ Quelle: VG Bild-Kunst 2017
Potsdam

Realismus und Sehnsucht gehen in Gemälden mitunter eine wundervolle Allianz ein. Der Leipziger Maler Erich Kissing, Jahrgang 1943, blieb in der DDR nahezu unbekannt. 1970 hatte er sein Malereistudium an der Leipziger Hochschule u. a. bei Werner Tübke abgeschlossen. Seitdem lebt er mit dem Diplom in der Tasche zurückgezogen im Stadtteil Knautkleeberg und malt über Jahre mit winzigen Pinseln großformatige Bilder. Auch einfarbige Hintergrundflächen entstehen bei ihm durch tausendfache Pinseltupfer. Deutlicher als er kann man sich nicht gegen Spontanität und ungestüme, expressive Malerei positionieren.

Das Bild „Leipziger am Meer“ stand fünf Jahre auf seiner Staffelei in einem winzigen Garten-Atelier hinter dem Reihenhaus seiner Eltern. Es zeigt eine weibliche Muse als seerosenbekränzte Nixe im Kreis von sieben Maler-Kollegen, unter ihnen Kissing selbst (2. v. r. hinten) und auch Lutz Dammbeck (l. vorne). In dem Bild schwingt die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft mit, nach Männern, die sich unverstellt zeigen und denen das weibliche Element hold ist sowie nach offenem Horizont und Strand, der die schmutzige Stadt Leipzig vergessen macht.

Kissing verdiente bis zur Wende sein Auskommen mit Saisonjobs auf der Leipziger Messe. Er wollte seine Bilder weder ausstellen noch verkaufen, weil er Kompromisse fürchtete und sich von seinen Werken auch nicht trennen mochte. Als er nach langem Zögern endlich eine Personalausstellung im Lindenau-Museum Altenburg 1990 zuließ, interessierte sich die Menschen gerade nicht für Kunst, sondern für das neue Leben. Inzwischen ist sein Lebenswerk weitergewachsen. Immer noch treiben ihn sein Anspruch, seine Geduld und die Sehnsucht, die Stimmung hinter dem Zeitgeist und hinter der Oberfläche zu erkunden.

Von Karim Saab

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