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Kultur Zuerst im Keller geträllert
Nachrichten Kultur Zuerst im Keller geträllert
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17:38 21.02.2018
Klasse aus Kanada: Slow Leaves. Quelle: Promo
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Potsdam

Die ersten Konturen erhielten die Lieder von Grant Davidson bereits in einem Keller. Dem Mann aus der kanadischen Provinz Winnipeg, der sich hinter dem Namen Slow Leaves verborgen hat, reichten die ersten Ansätze aber längst nicht aus. Die zehn, aparten und schmerzlich-schönen Stücke für sein Album „Enough About Me“ bedurften seiner Meinung nach der Hilfe seiner Freunde. Und die bekam der sanfte Poet für seine Stücke, die von der wohlgestalten Balance aus Pop, Rock und Folk leben: Von Jason Tait (Weakerthans), Rusty Matyas (Sheepdogs) oder Julie Penner, die mancher womöglich von Broken Social Scene kennt. So wurde aus dem doch zurückhaltenden Titel „Genug von mir“ eigentlich ein „Mehr von uns“. Kann sein, dass auch mal eine Träne auf Reisen geht.

Liebenswert: Rural Alberta Advantage auch aus Kanada. Quelle: Promo

Seine Landsleute von Rural Alberta Advantage lassen sich ebenfalls nicht lumpen mit ihren höchst unabhängig formuliertem Indie-Folk-Rock. Hymnisch, hypnotisch und hübsch wild im Wuchs. Diesmal haben Paul Banwatt, Robin Hatch und Nils Edenloff ihre aktuelle Platte „The Wild“ aus Toronto mitgebracht. In ihrer Heimat konnten die drei schon allerhöchste Ehrungen entgegennehmen – immerhin zwei Juno Awards dürfen sie schon ihr Eigen nennen. Die Auszeichnung für die vor 13 Jahre gegründete Band gilt als das kanadische Pendant zum Grammy. Ihre vierte Scheibe ist ein großer Wurf. Wie gemacht für die Fahrt durch ein weites, ein sehr weites Land.

Feines Sache: Someday Jacob. Quelle: Caspar Sessler

Dass man sich hierzulande mit amerikanischen Musiktraditionen bestens auskennt, weiß man nicht erst seit Someday Jacob auf der Bildfläche erschienen sind. Dennoch, die Truppe um den Musik-Journalisten Jörn Schlüter. Das hat sich für den Vierer aus Norddeutschland auf seinem dritten Album keinen Deut geändert. „Everybody Knows Something Good“.

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Lecker, aber leicht säuerlich diese Traubenkirschen aus Virginia: Kann man Marmelade draus kochen. Schmackhaft wie der Sound, den Ben Miller mit seiner Band, die mittlerweile zwei instrumental gewiefte Neuzugänge verzeichnet, da zusammenrühren. Es gibt Folk und Hillbilly. Es riecht nach den Black Crowes, nach ZZ Top, mit denen sie auf Tour waren, und nach Zydeco. Aber nicht mehr so kräftig nach dem wüsten Mix aus Bluesgrass oder Blues vom Mississippi.

Ben Miller Band: Choke Cherry Tree. New West Records/PIAS.

Selbstbewusst entgrenzt geben sich Adrian Glynn und Brendan McLeod im Einsatz der Instrumente: Akustikklampfe, Klavier, Banjo und Violine reichen den Köpfen des kanadischen Künstlerkollektivs The Fugitives längst nicht mehr. Es müssen schon Bariton-Saxofon, Gospelchöre und Glockenröhren aufgeboten sein, um daraus einen spannungsreichen, mannigfaltigen und strahlenden Sound zu formen. Deshalb bekommt ihr Indie-Folk ein ganz großes Ausrufezeichen.

The Fugitives: The Promise of Strangers. Westpark Music/Indigo.

Dass jeder etwas Gutes weiß, mag man gern glauben. Dass die neuen Songs des Quartetts diesem Leitspruch folgen ebenfalls. Denn die Jungs wissen eine ziemliche Menge darüber, wie sie ihre Hörer mit Geschichten umgarnen. Oder mit einer bezwingender Melange aus Pop, Rock und Folk, der zwar großen Vorbildern – hier mal keine Aufzählung - folgt, aber doch eine eigene Ausdeutung versucht. Famos.

Die Konzerte: Die Slow Leaves spielen am 19. Februar um 19 Uhr im Rotbart in Berlin-Neukölln. Rural Alberta Advantage und Yukon Blonde treten am 28. Februar um 20 Uhr im Lido in Berlin-Kreuzberg auf. Someday Jacob sind am 23. Februar um 20 Uhr im Privatclub in Kreuzberg zu Gast.

Von Ralf Thürsam

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