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Kultur So ein Romancier darf sich mal reinwaschen
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00:17 14.04.2017
Der Schriftsteller Ulrich Schacht las am 7. April in der Villa Quandt in Potsdam aus seinem Roman „Notre Dame“. Quelle: Foto: Josefine Kühnel
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Potsdam

„Nicht nur der Protagonist mit seiner Ost-West-Biografie, sondern der Dichter, der Poet, wird auf einmal im Zentrum seiner Existenz getroffen, abgeholt, bewundert.“ Diesen gewichtigen Satz sagt Ulrich Schacht am Donnerstagabend in der Potsdamer Villa Quandt, nachdem er aus seinem autobiografischen Roman „Notre Dame“, erschienen im Aufbau-Verlag, vorgelesen hat.

2016 erschien Ulrich Schachts autobiografischer Roman im Aufbau Verlag. Weitere bekannte Werke sind „Grimsey“ (2015) und „Vereister Sommer“ (2011) Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Worum geht´s eigentlich?

Sein Protagonist Torben Berg ist gerührt von einem poetischen Brief der Studentin Rike, die er auf einer Recherchereise als Westjournalist in Leipzig 1989 kennenlernte. Der verheiratete Berg geht eine Affäre mit ihr ein. Eine zerstörerische Liebesgeschichte beginnt, die ihn von seinen politischen Zielen in der Zeit der Ost-West-Vereinigung abhält.

Wie liest er?

Schacht liest dynamisch, schnell, passioniert – wie im Bewusstseinsstrom. Auch seine Gesten deuten daraufhin, dass er das Geschriebene noch einmal durchlebt. Seine Stimme klingt dabei dunkel und etwas grummelig, aber freundlich. Obwohl ganz der Typ nordischer Seebär, groß und kräftig, öffnet er in der Diskussion nach der Lesung doch sein Dichterherz. Die Zuhörer sind gebannt, erfahren, dass der Autor wie sein Alter Ego im Buch gern liebt und auch gern zu leiden scheint.

Der Autor liest, als hätte er nie etwas anderes getan: Mit einer freundlichen, grummeligen Stimme variiert er gekonnt Tempo und Intonation Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Der Konflikt mit den Wertvorstellungen

Der Aufeinanderprall dieser starken gegensätzlichen Emotionen lieferte den Stoff für das Buch. Ulrich Schacht versteht sich als Romantiker und sagt: „Große Liebesgeschichten, kleine auch, sind ja zunächst Naturereignisse der ungeheuren Art. Und man kann sich schwer dagegen wehren.“ Mit dieser Begründung wäscht der Autor in „Notre Dame“ sein Alter Ego von der außerehelichen Affäre rein. Damit lässt er den Leser im Regen stehen, denn der erwartet sich von seiner Autobiografie zumindest den Ansatz von Reue gegenüber Frau und Kind. Die Frage, die sich stellt, ist: Gelten für Künstler andere Wertvorstellungen in der Ehe als für Menschen, die keiner künstlerischen Berufung nachgehen?

Trotz seiner sympathischen Art bleibt der Ehebruch bestehen. Die Versuche, den Betrug poetisch aufzuladen, missglücken dem LiteraTour Nord – Preisträger. Quelle: MAZ/Josefine Kühnel

Von Josefine Kühnel

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