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Kultur So kämpft der RBB gegen miese Quoten
Nachrichten Kultur So kämpft der RBB gegen miese Quoten
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11:26 07.10.2016
Will mit dem RBB ins Mittelfeld der ARD-Dritten: Die neue Intendantin Patricia Schlesinger bei ihrem Amtsantritt in Berlin. Quelle: dpa
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Berlin

Links neben der Tür zum Büro der RBB-Intendantin hängt jetzt ein Webteppich an der Wand. Ge­genüber schaut einen Jerry Lewis an. Das Plakat zeigt den US-Schauspieler als KZ-Häftling in seinem teilweise verschollenen und nie ausgestrahlten Film „The Clown“. Eric Fiedler ist der Entstehungsgeschichte des Films nachgegangen und ergründete, welche Bedeutung er für Jerry Lewis hat. Betreut hat diese herausragende Dokumentation Patricia Schlesinger. Da arbeitete sie noch beim NDR. Auch den oscarprämierten Film „Citizenfour“ über Edward Snowden hat sie betreut. Davon zeugt das Plakat über ihrem Schreibtisch. Jenes Bild aber, das eine der geschwungenen Treppen im Haus des Rundfunks zeigt und das Dagmar Reim so sehr mochte, lehnt auf dem Boden an einem Regal.

Hundert Tage sind vergangen seit Dagmar Reims letztem Arbeitstag als Intendantin des RBB. Hundert Tage ist nun Patricia Schlesinger im Amt.

Man möge es mit der Bürogestaltung nicht so genau nehmen, sagt sie zur Begrüßung. Es sei alles längst nicht so, wie es werden soll. Der Satz passt auch zum Fernsehprogramm. Seit einer Woche ist bekannt, dass „Klartext“, alle Sendungen mit Max Moor und „RBB um Vier“ gestrichen werden. Die tägliche Nachmittagssendung hatte – verglichen mit dem Aufwand und vor allem mit den Kosten – zu wenig Akzeptanz gefunden. Die Quote lag bei 4,1 Prozent. „Bücher und Moor“ erreichte zuletzt verschwindend geringe 1,2 Prozent Marktanteil, „Bauer und Kultur“ lag mit 3,2 Prozent ebenfalls weit unter den Erwartungen. Und mit „Klartext“, das mit 3,8 Prozent Marktanteil ebenfalls unter dem Senderschnitt lag, wird zwar ein Informationsformat gestrichen, doch Schlesinger will erst gar nicht das Missverständnis entstehen lassen, ihr liege zu wenig an Information.

Abgesetzt: Max Moor im RBB

Der gebürtige Schweizer Max (früher Dieter) Moor moderierte zuletzt drei Sendungen im RBB.


Bauer sucht Kultur: Max Moor reist durch Brandenburg und trifft auf Künstler, Maler und Schriftsteller, die hier leben. In der letzten Folge vom 1. September besuchte er etwa das Model Eva Padberg und ihren Mann,


Bücher und Moor: Moor spricht mit Prominenten über ihre Liebe zur Literatur. Zudem werden jeweils drei neue Bücher vorgestellt. Das Format war 2013 für den Grimme-Preis nominiert.

Köche und Moor: Moor begleitet bekannte Sterneköche wie Kolja Kleeberg und Stefan Hartmann – in die Küche und nach Brandenburg, wo sie auf die Suche nach lokalen Erzeugern gehen.

Im Gegenteil. Relevanz, sagt sie, habe für sie oberste Priorität, Einordnung sei der Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Die investigative Recherche wolle sie ausbauen, nicht nur in Form von Zulieferungen an „Tagesschau“ und „Tagesthemen“, sondern auch, indem der Reporterpool des RBB enger mit „Kontraste“ zusammenrückt. Es gelte das Prinzip „Online first“.

Zudem haben die Redaktionen des RBB den Auftrag, mit dem angekündigten Verbraucher- und dem satirischen Gesellschaftsmagazin Neues zu entwickeln. Weitere acht Formate werden runderneuert.

Schlesingers Botschaft lautet: Alle Kraft ins Abendprogramm. Werktags nach den Regionalnachrichten, die von den Moderatoren jetzt locker, ohne Krawatte, präsentiert werden dürfen, sollen die Zuschauer um 20.15 Uhr statt irgendwelcher Wiederholungen aus dem Ersten zuverlässig regionale Information erhalten. Erst im Anschluss folgen unterhaltende Formate.

1,7 Millionen Euro investiert der RBB zusätzlich ins Programm, weitere fünf Millionen Euro stammen aus Umschichtungen. Schlesinger sagt: „Ich habe viele, auch große Bälle in die Luft geworfen“. Nicht jeden wird sie halten können. Dann wird nachjustiert. Ihr Ziel: „Sieben Prozent Marktanteil im Sendegebiet. Das geht nicht von heute auf morgen“. Sieben Prozent, das hieße, der RBB rückte von ganz unten ins Mittelfeld der ARD-Dritten auf.

Eine gute Stunde Zeit hat sich Schlesinger genommen, um ihre ersten hundert Tage zu bilanzieren. Sie wirkt authentisch und erweist sich als Anhängerin klarer Ansagen. Über das Magazin „Stilbruch“ sagt sie, sie vertrete einen anderen Kulturbegriff, der neben Oper auch „das Glitzerige, Flippige, Anstrengende umfasst“. Über Mitarbeiter, die sich als reformunwillig oder –unfähig erweisen, sagt sie: „Man wird sehen, wer da mitgeht“. Das sei wie an einem Bahnhof, wenn ein Zug abfährt: „Ein paar werden am Bahnsteig stehen bleiben“. Und was dann? Dann geht es an die Strukturen, was wohl bedeutet: Dann fallen Personalentscheidungen.

Schlesinger sagt: „Dieser Reformprozess ist kein Sparprozess.“ Und: „Der RBB gehört nicht mehr zu den armen Schluckern.“ Beides müsse beim RBB erst gelernt werden. Ihr Führungsstil? „Management by walking“. Zu jedem hingehen, mit jedem reden.

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