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Kultur So war die „Effi Briest“-Aufführung als Sommer-Open-Air
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17:50 09.06.2018
Denia Nironen spielt Effi Briest im Hans-Otto-Theater. Es ist das letzte Stück, bevor sie durch den Intendantenwechsel nach Regensburg geht. Quelle: Christin Iffert
Frank Starke

Große Ereignisse werfen ihre Schatten zuweilen weit voraus. Auch wenn der 200. Geburtstag Theodor Fontanes erst Ende 2019 ansteht, hat man sich am Potsdamer Hans-Otto-Theater schon jetzt des Jubiläums angenommen und sich für einen Bühnenfassung des „Effi Briest“-Romans als Sommer-Open-Air entschieden.

Wohl auch, weil man mit Denia Nironen eine Schauspielerin am Haus hat, die es vermag, den Anspruch dieser jungen Frau, selbstbestimmt zu leben und zu lieben, mit jeder Faser glaubhaft zu machen.

Aber was für ein Schicksal! Da wird die eigene Tochter, gerade einmal 17 Jahre alt, von den Eltern an einen dreimal so alten Herrn verheiratet, bloß weil der Aussicht auf eine glänzende Karriere hat.

Erste Nacht im neuen Zuhause

Natürlich geht das Projekt krachen. Regisseur Christian von Treskow erzählt das Geschehen mit eindringlichen szenischen Findungen. Da ist Effi am Anfang eigentlich noch ein Kind, das mit dem Ball herumtollt, als sie verkuppelt wird.

Da ist die beklemmende erste Nacht im neuen Zuhause. Während Effi vor Lebenslust schier brodelt, hüllt sich der Ehemann in den so ganz und gar unerotischen Bademantel und verzieht sich still in seine Schlummerecke.

René Schwittay gibt diesen Innstetten als regelrechte Schlaftablette. Freundlich, höflich, immer auf den guten Ton bedacht, aber ohne einen Funken Lebensgier.

Da ist es fast schon ein Wunder, dass Effi irgendwann doch schwanger wird. Auch dafür hat Treskow eine so simple wie eindrucksvolle Lösung gefunden. Die Dienerin Roswitha reicht Effi eine Bauchwulst, die sie umschnürt. Und mit einem Handgriff wird daraus wenig später das Baby im Steckkissen.

Klar, bei einem solchen Leben muss es zur Krise kommen. Sie springt in Form des Majors Crampas (Friedemann Eckert) förmlich in das Geschehen hinein. Ein sportlicher junger Mann, der gerade von einem Bad aus der herbstlichen Ostsee kommt.

Jürgen Liers Bühnenraum nimmt die Nietungen des Industriedenkmals auf

Und voller Ideen ist. So will er ein Theaterstück aufführen, mit dem bezeichnenden Titel „Ein Schritt vom Wege“. Und diesen Schritt tut Effi bei einer winterlichen Schlittenfahrt, die zwar im Crash endet, Effi und Crampas aber sehr nahebringt. Treskow lässt das Paar dabei einfach in die Bühnenunterwelt abtauchen.

Wie er mit seinem Ausstatterteam überhaupt ein Gespür für die Besonderheit des Spielorts hat, den historischen Gasometer, an den einst das Theater angebaut wurde. Jürgen Liers Bühnenraum nimmt die Nietungen des Industriedenkmals auf, hat dazu zerschlissene Vorhänge an den Fenstern und maroden Parkettboden.

Man sieht es auf den ersten Blick: Das ist eine Welt, in der kein Glück gedeihen kann. Im Gegensatz dazu die Kleider, die Kristina Böcher für Effi entworfen hat, darunter ein Traum in Rosa aus Tüll und Seide bei Effis Ankunft in der neuen fremden Heimat: ein buntschillernder exotischer Vogel.

Die übrigen tragen Kleider und Gehröcke, die an die Entstehungszeit des Romans kurz vor 1900 angelehnt sind. Und die anderen Akteure stehen in ihrem vitalen Spiel den drei schon Genannten in nichts nach. Meike Finck als eine betuliche Mutter Briest, die doch nur das Beste für ihr Kind will und nicht sieht, was ihr Klammern an gesellschaftliche Konventionen auslöst.

Peter Pagel als Briest, der eine Fontane-Anwandlung auf die Bühne bringt, nebenher auch der etwas schrullige Apotheker Gieshübler ist, einer der wenigen Vertrauten, die Effi in der trostlosen Stadt am Meer findet. Marianna Linden gibt das Dienstmädchen Roswitha anfangs geduckt und verhuscht, bringt sie im wachsenden Vertrautsein mit Effi dann aber sichtlich zum Aufblühen.

Am Ende bleibt ein Scherbenhaufen. Und als bei all dem Elend auf der Bühne auch im Publikum trotz hochsommerlicher Temperaturen die Stimmung abzusacken droht, findet der Regisseur erneut eine beeindruckende Lösung, lässt dabei den Spielort selbst zum Hauptdarsteller werden.

Effi, die Totkranke, meldet sich noch einmal von hochoben, aus einem hellerleuchteten Fenster des Theaterbaus, während Innstetten auf dem äußeren Gasometerrund über sein vertanes Lebensglück sinniert. Der alte Briests schweigt. Er hat seinen Klassiker-Satz „Das ist eine weites Feld, Luise“ da ja auch schon mehrfach eingebracht.

Von Frank Starke

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