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Kultur Wenig inspiriert: „Good People“ feiert am HOT Premiere
Nachrichten Kultur Wenig inspiriert: „Good People“ feiert am HOT Premiere
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00:23 27.03.2018
Andrea Thelemann (rechts) spielt die Überlebenskünstlerin Margaret. Quelle: Böhme
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Potsdam

Der Abend beginnt mit einer Prise schwarzem Humor. Margaret, die im Ein-Dollar-Shop an der Kasse sitzt, erzählt die Geschichte von der Frau mit dem Truthahn. Die kam mit einem weiten Mantel und verstaute darin ihren kompletten Einkauf. Direkt vor der Kasse fällt alles von ihr ab, auch das gefrostete Tier. Statt verlegen zu sein, dreht sie sich um und ruft: „Wer hat den Vogel nach mir geworfen?“

Margaret hat mal wieder die Lacher auf ihrer Seite. Doch das hilft ihr nun auch nicht weiter. Sie ist bei Stevie einbestellt, dem Filialleiter. Und der hat gerade keine gute Nachricht. Er muss sie kündigen. Weil sie zum soundsovielten Mal zu spät gekommen ist. Warum, das wissen alle. Weil sie zu Hause eine behinderte Tochter hat, und die Betreuung war nicht rechtzeitig da.

Stevie kann nicht anders, er hat Anweisung von oben. Auch wenn sich hier doch alle seit Urzeiten kennen. Die Frau mit dem Truthahn, das war seine Mutter. Und Dottie, die nicht ganz zuverlässige Hilfe, ist zugleich Margarets Vermieterin.

Katrin Hauptman als Jean, Andrea Thelemann als Margaret und Meike Finck als Dottie (von links nach rechts). Quelle: Böhme

„Good People (Mittelschichtenblues)“, das jetzt im Potsdamer Hans-Otto-Theater Premiere hatte, ist ein Stück über jene, die hart um ihre Existenz kämpfen müssen, sich von einem schlechtbezahlten Job in den nächsten hangeln. Aber selbst wenn die Not am größten ist, bleibt doch noch Hoffnung auf einen Ausweg. Margaret nimmt Kontakt zu ihrem Jugendfreund Mike auf. Er stammt aus denselben miesen Verhältnissen wie sie, ist aber mittlerweile ein angesehener Arzt mit schicker Praxis. Ob er nicht was für sie tun könnte? Kann er natürlich nicht. Stattdessen erzählt er von der Geburtstagsparty für seine Frau. In der vagen Hoffnung, dort auf Leute zu treffen, die einen Job für sie haben, lädt sich Margaret selbst ein. Bingo.

Bingo, das ist hier auch das Hauptfreizeitvergnügen. Und auf einem solchen Spieleabend entsteht die Idee, nicht bloß zu der Party zu gehen, sondern Mike auch ein bisschen unter Druck zu setzen. Als er anruft und sagt, das Fest sei wegen der Krankheit der Tochter abgesagt, ist sich Margaret nicht sicher, ob das nicht vielleicht bloß eine Finte ist, um sie fernzuhalten.

Elias Perrig inszeniert das neue Theaterstück am Hans-Otto-Theater in Potsdam. Quelle: Böhme

Sie macht sich hübsch und geht. Um dann der einzige Gast zu sein. Mit einer Käseplatte als Prüfstein. Da sind edelste Happen drauf, von denen Margaret noch nicht mal die Namen gehört hat. Wie geht man mit sowas um? Zunächst ist die um einiges jüngere Ehefrau Kate von der Besucherin ganz angetan, will endlich mal etwas aus der Jugend von Mike erfahren, macht sogar ein paar Scherze. Doch irgendwann kippt die Stimmung, der Osterhase, den Margaret als Geschenk mitgebracht hat, wird zerdeppert, und sie steht mal wieder vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens.

Pulitzer-Preisträger David Lindsay-Abaire

David Lindsay-Abaire hat sich als Drehbuchautor, Dramatiker, Lyriker und Librettist einen Namen gemacht. 1969 wurde er in South Boston geboren, in einer Gegend, die als sozialer Brennpunkt bekannt war. Es gelang ihm aber, an die Juilliard School in New York City zu kommen.

2006 entstand das Stück „Rabbit Hole“, für das er mit dem Pulitzer-Preis für Theater ausgezeichnet wurde. 2010 wurde es von John Cameron mit Nicole Kidman in der Hauptrolle verfilmt.

„Good People (Mittelschichtenblues)“ war in der Spielzeit 2012/13 das meistgespielte Stück in den USA.

Das Stück aus der Feder des US-amerikanischen Pulitzer-Preisträger David Lindsay-Abaire, 1969 selbst in einem Armeleuteviertel geboren, kam 2011 am New Yorker Broadway heraus - mit der Ausnahmeschauspielerin Frances McDormand, die eben erst für ihre Rolle in dem Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

Dem Potsdamer Team um Andrea Thelemann als Überlebenskünstlerin Margaret fällt es schwer, über die Schwächen der Vorlage hinwegzuspielen. Natürlich, es geht um die, die nicht das große Los gezogen haben in der Lebenslotterie und deren Schicksal nicht allzu oft vorkommt im Theater. Aber die Texte plätschern so dahin, zuweilen auch ein bisschen klischeehaft-geschwätzig, und den Akteuren gelingt es nur bedingt, ihren Figuren über den jeweiligen Informationsstand hinaus so etwas wie Tiefe zugeben. An Thelemanns Seite Meike Finck, Katrin Hauptmann und Eddie Irle aus ihrer Alltagswelt, dazu Jan-Kaare Koppe und Patricia Coridun aus der Villen-Vorstadtszene.

Das Regieteam um Elias Perrig schafft es zumindest auf raffinierte Art, die große Bühne mit dem kleinen Stück doch einigermaßen zu füllen. In der Mitte wurde ein Riesenkubus platziert, der anfänglich kräftig rot leuchtet, im Verlaufe des Abends seine Farbe wechselt und aus dem sich die wenigen Spielorte herausklappen lassen.

Info: Nächste Vorstellungen: 31. März und 1. April. Karten gibt es unter Tel. 0331/98 118.

Von Frank Starke

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