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Kultur Wie ein geheimes Mondprojekt
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20:44 21.02.2018
Sie kommen von weit draußen: Turn Me On Dead Man. Quelle: Promo
Potsdam

Es ist mächtig. Es ist kolossal. Es ist das Mutterschiff, das da gerade gelandet ist. Bemannt mit Turn Me On Dead Man. Eine Truppe aus San Francisco, die sich vermutlich jahrelang auf der Rückseite des Mondes verborgen hielt. Jetzt kommen sie über uns. „Heavy Metal Mothership“ haben sie ihre jüngste Platte genannt.

Mit wüstem, durchgeknalltem Space Rock, erdacht nach einem teuflischen Plan jenseits unserer Wahrnehmung, legen diese Verderber der Langeweile und des Durchschnitts alles mit ihren fürchterlichen Laserwaffen in Schutt und Asche. Weil sie es können! Die Invasion hat gerade erst begonnen. Die US-Amerikaner haben mit Heavy Psych Sound Records exakt bei jenen Spezialisten angeheuert, die für diese Musik leben und sterben. Deren Name ist Programm, weshalb sich auch Größen wie die wieder formierten Nebula zu den betreuten Bands gehören.

Die Marmozets haben ihre nächste Platte fertig. Quelle: Promo

Wenn es um eine Entscheidung gehen sollte, wer denn bei den Marmorzets für das Maximum an Adrenalinschüben sorgt – die Frontfrau oder die nervös giftenden Gitarren –, dann hat Becca Macintyre gewonnen.

Viel mehr davon

Donnerschlag noch eins: Wer heutigentags unverwandt und musikalisch gefestigt von der New Wave of British Heavy Metal spricht, der kommt an Saxon keinen Schritt vorbei. Nicht einen. Ganz neu ist diese Welle zwar nicht mehr. Doch der Fünfer aus dem Süden von Yorkshire verfügt offenbar über ein ganz ausgefallenes Lebenselixier. Schnell, schlagfertig und eben episch sind Frontmann Biff Byford und seine Kämpen noch immer unterwegs. Daher steigt der Adler wieder stolz hinauf in die Lüfte. Die sind schwer vom Blitz und Donner der Götter. Und die Schlacht gegen die Titanen entbrennt. Dann begegnen wir noch der Schreckgestalt Nosferatu. Saxon bleiben bei mythisch, monumental und metallisch konsequent. Große Geste: Die Band verneigt sich ein letztes Mal vor Lemmy Kilmister (1945–2015). Den Song „They Played Rock and Roll“ hätten Motörhead wohl genau so kompromisslos heruntergedroschen.

Saxon: Thunderbolt. Militia Guard/Silver Lining Music.

Unzweifelhaft zählen Loudness zu den Metal-Pionieren aus Fernost: Seit mehr als drei Dekaden lässt die Truppe Japan beben. Standhaft und ausdauernd. Trotz einiger stilistischer Häutungen und personeller Verschiebungen, die der Bandgeschichte eingeschrieben sind. Gleich 26 Stücke, darunter einige instrumentale, werden aufgefahren. Neben vorzüglichem frischem Lärm gibt es etliche aufgehübschte Klassiker zur Welttournee der europäischen Ausgabe des Tonträgers beigelegt. Die volle Packung – für alte und sicherlich neue Fans.

Loudness: Rise To Glory. Ear Music/Edel.

Wie diese Schweden röcheln können! Bravo! Tribulation folgen auch auf ihrer vierten Scheibe finsteren Pfaden in eine abgründige Dunkelheit. Den Hauch des Todesmetal von einst spürt man längst nicht mehr. Die Reise geht doch eher in Richtung eines kantigen Gothic Rock. Fein dramatisiert und irgendwie okkult. Schließlich weiß bei „Down Below“ niemand, wer oder was dort in der Tiefe lauert. Und falls man sich selbst oder einem anderen Ich begegnet, sollte man auf einiges gefasst sein. Diese Erfahrung kann höllisch sein.

Tribulation: Down Below. Century Media.

Die Engländer peitschen ihren Sound auch auf ihrem jüngsten Album „Knowing What You Know Now“ nach vorn. Becca kann in einem Moment herrlich mädchenhaft flehen und sogar ziemlich nach Pop klingen. Doch dann gibt es sofort Kreisch-Alarm, wenn die Rock-Röhre keinerlei Zurückhaltung kennt.

Der Fünfer aus dem Westen von Yorkshire kommt smart, scharf und bisweilen ziemlich wütend rüber. Wie es sich im weit auslegbaren Feld von Indie-Rock, Punk und seinem Verwandten Hardcore gehört. Wenn Gefühle erst wüten...

Die Konzerte: Turn Me On Dead Man spielen am 20. Februar um 20 Uhr in der Jägerklause in Berlin-Friedrichshain. Die Marmozets gastieren am 21. Februar um 19 Uhr im Cassiopeia in Berlin-Friedrichshain.

Von Ralf Thürsam

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