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Spanien: Losverkäufer bringt Badeort halbe Milliarde Euro

Glücksspiele Spanien: Losverkäufer bringt Badeort halbe Milliarde Euro

Tausende Spanier jubeln über einen unverhofften Geldsegen. Die Weihnachtslotterie hat 2,2 Milliarden Euro an Preisgeldern ausgeschüttet. Zu den großen Gewinnern gehört das Finanzamt - und ein Badeort im Südosten.

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Kinder singen die Zahlen vor. Foto: Juan Carlos Hidalgo

Madrid. Wochenlang hatten die Spanier über Politik debattiert, aber zwei Tage nach der Parlamentswahl wollte davon niemand mehr etwas wissen: Das Land blickte auf die Lostrommeln der Weihnachtslotterie, aus denen am Dienstag die Glückszahlen für Gewinne von über 2,2 Milliarden Euro gezogen wurden.

Tausende Spanier - Rentner, Bauern, Arbeiter, Beamte und Arbeitslose - wurden mit einem Schlag alle Geldsorgen los. Die vor 203 Jahren geschaffene Lotterie ist die größte und älteste der Welt.

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Dieser Gewinner wird die Champagnerdusche verschmerzen können. Foto: Ismael Herrero

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Besonders gut meinte es das Glück mit dem Badeort Roquetas de Mar im Südosten Spaniens. Dort hatte José Martín, der Betreiber einer Lottostelle, 136 Lose mit der Nummer 79 140 verkauft, auf die der Hauptgewinn, genannt "El Gordo" (der Dicke), entfiel. Da es für jedes ganze Los jeweils vier Millionen Euro gibt, brachte er 544 Millionen Euro unter die Leute.

Martín erfuhr davon am Schalter einer Bank, in der er Geld abheben wollte, um die Gewinner der kleineren Preise auszahlen zu können. "Mensch, mach mich nicht verrückt", fuhr er den Bankangestellten ungläubig an, der ihm die Nachricht unterbreitete. Später berichtete er: "Die Gewinne sind weit gestreut, denn viele Leute haben diese Lose bei mir gekauft. Es kann sein, dass auch ein paar Touristen darunter sind."

Die Stadt mit 92 000 Einwohnern und einem langen Badestrand lebt vom Tourismus sowie von Anbau von Tomaten, Paprika und anderem Gemüse in den Plastikgewächshäusern der Umgebung. "Wir haben hier eine Arbeitslosenquote von 30 Prozent", sagte der Gemeindesprecher José Juan Rodríguez. "Die Lotteriegewinne werden der Wirtschaft einen riesigen Anstoß geben."

Allerdings blieben die Gewinne des "Gordo" nicht alle in Roquetas de Mar selbst. Einen Teil der Lose hatten die Leiter einer Schule im 60 Kilometer entfernten Dorf Laújar de Andarax erworben. Sie verkauften die Lose an die örtliche Bevölkerung weiter, um eine Klassenreise finanzieren zu können. "Bisher waren die Ausflüge nach Italien gegangen, aber nun werden die Schüler wohl nach Miami reisen können", berichtete die Bürgermeisterin Almudena Morales der Nachrichtenagentur Europa Press. "Hier im Dorf haben fast alle Bewohner etwas gewonnen."

Die Gewinne der Lotterie sind breit gestreut. Die Spanier kaufen in der Regel keine ganzen Lose zum Preis von 200 Euro, sondern Zehntellose, die dann auch nur ein Zehntel des Gewinns abwerfen. Zudem ist es üblich, sich Lose mit Kollegen, Freunden und Verwandten zu teilen. Die Lotterie macht daher nicht viele Spieler zu Millionäre. Die Gewinne verteilen sich vielmehr auf größere Freundes- und Kollegenkreise und erinnern an einen Geldregen, der über das Land niedergeht.

Der Losverkäufer Martín hatte 24 Lose, auf die später der Hauptgewinn fiel, an die staatliche Lotteriegesellschaft LAE zurückgegeben, weil er dafür keine Abnehmer gefunden hatte. Die Gewinne für diese Lose in Höhe von 96 Millionen Euro kassiert nun das Finanzamt. Der Fiskus ist ohnehin der größte Gewinner der Weihnachtslotterie, denn für jeden Preis über 2500 Euro müssen 20 Prozent als Steuern abgeführt werden.

Die Veranstalter preisen die Lotterie als ein Gemeinschaftserlebnis und einen Akt der Solidarität, weil in größeren Kreisen gespielt wird und unter den Gewinnern nicht selten solche Spanier sind, die das Geld besonders nötig haben.

Aber es gibt auch jene, die ihren Nutzen aus der Lotterie ziehen. Es war aufgefallen, dass wegen Korruption angeklagte Politiker und Unternehmer zuweilen auffällig viele Lotteriegewinne kassiert hatten. Der Grund: Sie hatten Gewinnlose gegen einen Aufpreis gekauft und auf diese Weise Schwarzgeld gewaschen. Der Verbraucherverband Facua rief die rechtmäßigen Gewinner auf, sofort die Polizei zu informieren, wenn sie Kaufangebote für ihre Glückslose erhalten.

dpa

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