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Kultur Spender können Pate für Turmtreppe werden
Nachrichten Kultur Spender können Pate für Turmtreppe werden
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00:31 01.04.2018
Siegfried Grube übernimmt die Patenschaft für die ersten Treppenstufen im Garnisonkirchturm. Quelle: Bernd Gartenschläger
Innenstadt

Siegfried Grube, Potsdamer Kaufmann und langjähriger Unterstützer des Wiederaufbaus der Garnisonkirche, feierte am Donnerstag seinen 79. Geburtstag – und machte sich selbst das größte Geschenk. Für die stattliche Summe von 5000 Euro übernahm Grube die persönliche Patenschaft für die ersten von exakt 365 Treppenstufen im neuen Turm der Kirche, dessen Wiederaufbau nach einer unerwarteten Verzögerung bei der Bohrpfahlgründung nun weiter voranschreitet.

„Als ich im September 1954 aus Niemegk zur Lehre nach Potsdam kam, habe ich mich vom ersten Tag an in die Stadt verliebt. Ich sah damals auch die Ruine der Garnisonkirche, die schließlich 1968 trotz des Widerstandes vieler Menschen gesprengt wurde. Ich möchte dazu beitragen, dass dieses bedeutende Baudenkmal des Barock wieder in altem Glanz erstrahlt“, so das Geburtstagskind.

Bauarbeiten am Turm gehen weiter voran

Die Bauarbeiten für das Fundament des neuen Garnisonkirchturms kommen wieder gut voran, sagte Wieland Eschenburg von der Stiftung am Donnerstag.

In die historischen Fundamentreste der 1945 zerstörten und 1968 abgerissenen Barockkirche seien inzwischen 38 Löcher mit einem Durchmesser von 1,5 Metern gebohrt worden.

Anfang des Jahres hatte es bei den Bohrungen Probleme gegeben. Welche Kosten der mehrwöchige Stillstand auf der Baustelle verursacht hat, wird derzeit geprüft.

„365 Stufen bis in die Glockenstube, 365 Tage hat das Jahr, das sind in unserem Turm 365 Möglichkeiten, eine Patenschaft mit dem eigenen besonderen Datum zu verbinden“, sagt Wieland Eschenburg, Kommunikationsvorstand der Stiftung Garnisonkirche. 128 „Stufenspender“ gäbe es bereits, 460 000 Euro wurden mit den Treppenstufen bis dato erlöst.

Die Gründe, für eine Spende sind äußerst vielschichtig, weiß Eschenburg. „Ein Ehepaar ließ sich den 1. Oktober reservieren. Das war der Hochzeitstag. Andere Menschen nehmen ihre Geburtstage oder ein Tag im Jahr, der eine besondere Bedeutung hat.“

85-jährige Potsdamerin spendet für sechs Stufen

Die 85-jährige Potsdamerin Erna Moskal, beispielsweise, will mit den Stufen 22. und 23. April an den Philosophen Immanuel Kant und dessen Heimatstadt Königsberg erinnern, in der sie als Kind von 1938 bis 1945 lebte. Kant wurde am 22. April 1724 geboren. „Er wird auch im heutigen Kaliningrad sehr verehrt – eine wichtige Brücke zwischen Russen und Deutschen“, erklärte die Rentnerin. „1942 habe ich mit meinen Potsdamer Tanten in der Garnisonkirche Weihnachten gefeiert“, erinnert sich Moskal, die für insgesamt sechs Stufen gespendet hat, denn: „Der Wiederaufbau gehört zu Potsdam, es ist eine großartige Architektur – und es gibt keinen anderen Ort, der so gut geeignet ist zur Auseinandersetzung über die Geschichte Deutschlands.“ An den Stufen solle deshalb auch nicht ihr Name zu sehen sein, sondern ein Hinweis auf geschichtliche Ereignisse.

„Die Garnisonkirche hat viele Jahrhunderte das Stadtbild geprägt und sollte deshalb wieder aufgebaut werden“, meint Detlef Harz. Er hat die Kirchenruine als Kind noch gesehen und den schmerzlichen Abriss miterlebt. Der 63-jährige, der heute in Cottbus lebt, spendete für eine Stufe mit dem Datum seines Geburtstages mit einem großen Teil seines letzten Gehalts, bevor er Rentner wurde.

Für den Turm fehlen noch zehn Millionen Euro

Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Eschenburg hofft nun, dass sich nach Ostern – und mit dem zunehmenden Sichtbarwerden des Turmes – immer mehr Spender finden. Denn der Wiederaufbau ist noch längst nicht durchfinanziert. Für den rund 39 Millionen Euro teuren Turm werden noch weitere rund zehn Millionen Euro Spenden benötigt. Für die zunächst geplante Grundvariante ohne Schmuckelemente und Turmaufsatz stehen 27,5 Millionen Euro bereit, darunter zwölf Millionen Euro vom Bund, fünf Millionen Euro aus kirchlichen Krediten und rund 10,5 Millionen Euro Spenden.

Wer zu den „zehn bis 20 großen Spendern“ gehört und welche Summen mit Hilfe des Spendenkatalogs, dessen dritte Auflage in Arbeit ist, eingeworben wurden, mag Eschenburg nicht verraten. „Wir reden erst über die Eier, wenn sie gelegt worden sind“, weicht er aus. Zudem sei es den Spendern vorbehalten, inwieweit sie sich der Öffentlichkeit präsentieren.

Kaufmann Grube will Lego-Modell der Kirche versteigern lassen

Kaufmann Grube hat schon Ideen, wie weiteres Geld für den Turm eingespielt werden kann. So will er das aus 35 000 Lego-Steinen gefertigte Modell der Garnisonkirche, das einst im Marktcenter ausgestellt wurde, versteigern lassen. Bereits am 6. April laden er und sein Sohn Thomas Grube zum großen Benefizkonzert für den Turmaufbau in die Probsteikirche St. Peter und Paul am Bassinplatz. Der international bekannte Kammersänger Jochen Kowalski und das Carl-Maria-von-Weber-Ensemble der Staatskapelle Berlin bringen Lieder und Klänge der Romantik zu Gehör, Altministerpräsident Manfred Stolpe hat die Schirmherrschaft übernommen.

Das Konzert sei auch ein „Zeichen der Ökumene, das wir setzen“, sagt Grube. Im Übrigen war auch die katholische St.  Peter und Paul dereinst „Garnisonkirche“, nur dass sie den Titel nicht im Namen trug.

Tickets für das Benefizkonzert am 6. April sind in der MAZ-Ticketeria erhältlich

Von Jens Trommer

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