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Sprit aus Altpapier

Neue Kraftstoffe Sprit aus Altpapier

Lange Zeit galt Biosprit als nicht mehr angesagte Zukunftslösung. Motorschwierigkeiten und die Konkurrenz zu Lebensmitteln machten dem Kraftstoff zu schaffen. Teltower Forscher haben jetzt neue Zusätze entwickelt, die eine Lösung der Probleme bedeuten könnten.

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Autokraftstoff aus Stroh und Altpapier, damit wollen Teltower Forscher die Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren.

Quelle: Fotolia/Montage: Scheerbarth

Potsdam. Biosprit hat in Deutschland schon lange nicht mehr den besten Ruf. Schlecht für den Motor fürchten die einen, schlecht für die Menschen in den armen Ländern, weil der Anbau der Rohstoffe die Nahrungsmittelproduktion verdrängen könnte, fürchten die anderen. Forscher aus Teltow (Potsdam-Mittelmark) könnten jetzt helfen, das ramponierte Image ein wenig aufzumöbeln und zugleich heutigen Mineralölkonzernen den Schritt in eine fossilfreiere Zukunft erleichtern. Wissenschaftler des dortigen Forschungsinstituts Bioaktive Polymersysteme (Biopos) haben umweltschonende Kraftstoffkomponenten entwickelt, die bald an die Stelle des umstrittenen Ethanols treten könnten. „Der hat viele Verbraucher skeptisch gemacht“, weiß Leiterin Birgit Kamm.

In Kooperation mit dem französischen Mineralölunternehmen Total, dem Katalysator-Produzenten Grace und dem Bundeslandwirtschaftsministeriums haben die Teltower Komponenten auf Lävulin- und Valeriansäure-Basis entwickelt, die zu erheblichen Anteilen Ottokraftstoffen beigemischt werden könnten. Sie werden vorwiegend aus Abfällen der Agrar- und Papierindustrie gewonnen, stehen nicht im Verdacht Motoren zu schädigen, und gelten auch gegenüber Erdöl als wettbewerbsfähig. Nicht zuletzt ist die Verbrennung in der Bilanz durch die Kohlendioxidverarbeitung beim Wachstum der Basispflanzen, aus denen Stroh oder Papier entsteht, treibhausgasneutral. Auf dem Weltklimagipfel in Paris Ende des vergangenen Jahres fest vereinbarte globale CO 2-Einsparungsziele verschaffen dem zusätzliche Aktualität.

Auch der regionale Bauer verdient mit

Doch nicht nur das: „An den neuen Komponenten kann auch der Bauer hier vor Ort etwas verdienen“, hebt Kamm hervor. Darüber hinaus könnte auch die heimische Papierverwertungsindustrie profitieren. Denn die benötigten Rohstoffe sind aus der Agrarproduktion etwa von Weizen anfallendes Stroh und nicht mehr recycelbares Altpapier.

Motortechnisch gesehen haben die von Biopos entwickelten Komponenten gegenüber dem bislang als Beimischung verwendeten Ethanol einen großen Vorteil. Der heute übliche Biokraftstoff gilt wegen seiner vergleichsweise hohen Dichte elektrischer Ladung als Wasser anziehend. Eben diese Feuchtigkeit aber soll Dichtungen im Autoantrieb beeinträchtigen.

Nachdem die Entwicklung im Labor nahezu abgeschlossen ist, wird nun eine Demonstrationsanlage ins Visier genommen, die als Modell für die spätere industrielle Umsetzung dienen könnte. Der Demonstrator wäre zudem eine Blaupause für eine sogenannte Bioraffinerie, die weltweit auf der Agenda steht und in der unterschiedliche Stoffe, die sonst aus Erdöl gewonnen werden, aus Biomasse entstehen. Eine Variante dafür wäre der für jahrzehntelange Raffinerietradition stehende Standort Schwedt (Uckermark), der zudem noch über eine Papiermühle verfügt. Entsprechende Gespräche mit der dortigen Velind Sonderkraftstoffe würden bereits laufen, sagt Kamm. Aber auch Raffinerien von Total werden als Standort diskutiert.

Eine Inbetriebnahme des Demonstrators wird von Biopos bis zum Jahr 2020 angepeilt. Die Investitionen in die Entwicklung von bislang etwa einer halben Millionen Euro würden sich durch den Bau der Anlage allerdings vervielfachen. Hintergrund des Projekts ist auch eine Potenzialanalyse für nachhaltige organische polymere (aus großen Molekülen zusammengesetzte) Materialien, die Biopos im Auftrag des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums erarbeitet hat.

Bislang hat Biopos seine neuen Komponenten auf der Fachmesse Naturetec im Rahmen der Grünen Woche Anfang des Jahres in Berlin vorgestellt. Eine weitere Präsentation ist während der Zuse-Tage in der Bundeshauptstadt am morgigen Dienstag und am Mittwoch geplant, zu denen sich auch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angekündigt hat.

Von Gerald Dietz

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