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Stabat Mater: Das Ideal der „absoluten Musik“

Uraufführung in Potsdam Stabat Mater: Das Ideal der „absoluten Musik“

Gisbert Näther weiß, dass atonale Musik nicht gerade hoch im Kurs steht. Und sie ist auch schwer zu singen. Sein „Stabat Mater“ folgt dem Ideal der „absoluten Musik“. Es werden keine Hörgewohnheiten bedient, es gibt zum Beispiel keine Dominantseptakkorde, die aufgelöst werden. Wie gelingt es ihm, trotzdem die nötige Spannung zu erzeugen?

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Der Potsdamer Komponist Gisbert Näther.

Quelle: KARLA FRITZE

Potsdam. Man muss nicht fromm sein, um geistliche Lieder zu singen. Am Samstag bringen in der protestantischen Erlöserkirche zwei große Chöre, zwei Solisten und ein Orchester im Rahmen des Vocalise-Festivals ein „Stabat Mater“ zur Uraufführung. Die wenigsten der mehr als 170 Musiker möchten damit die Lehren der Katholischen Kirche preisen. „Stabat Mater“ - das sind die Eingangsworte eines mittelalterlichen Schmerzgedichtes. Übersetzt lautet die erste Strophe: „Es stand die Mutter schmerzerfüllt“. Der Text handelt von Maria, die den Tod ihres Sohnes beweint. Der „Gottes-Mutter“ kommt im Katholizismus eine Schlüsselrolle zu.

Wie viele „Stabat Mater“- Kompositionen es bereits gibt, ist kaum zu klären. Fest steht aber, die jüngste Vertonung stammt von Gisbert Näther. Er bekennt sich als evangelischer Christ und sitzt neben dem Flügel in seiner kleinen Arbeitswohnung in der Potsdamer Innenstadt. „Ich habe mich in freitonaler Tonsprache und mit heutigen stilistischen Mitteln erneut mit dem Thema des Schmerzes und der Leiden auseinandergesetzt“, sagt er. Die gedrückte Grundstimmung entspricht aber eigentlich nicht seinem Naturell. Wer seine musikalischen Märchen „Max und Moritz“ oder „Die Bremer Stadtmusikanten“ kennt oder auch seine Kindermusiken, weiß, wie vergnügt, schmissig und witzig Näther-Kompositionen klingen können.

Für große Kollegen wie Bach, Vivaldi oder Dvorak war das Stabat Mater ein Meilenstein. Fragt man den 67-jährigen Potsdamer, bezeichnet er sein Stabat Mater als Zeichen der Reife und als ein „Zielpunkt“ in seinem kompositorischen Schaffen. Er habe „die Instrumentation fest im Griff“ und es gelinge ihm, „Klangideen umzusetzen“ und „die Klangfarben des Orchesters bewusst zu steuern“.

Gerade kommt er von der letzten Chorprobe, noch vor dem ersten Zusammentreffen mit dem Neuen Kammerorchester Potsdam. Ungefragt würde Näther nie darüber berichten. Und, wie war es? „Die schaffen das“, freut sich Gisbert Näther. Nicht so, wie vor wenigen Tagen in Berlin, wo er in einer Kirche der Aufführung eines seiner Werke beiwohnte und erleben musste, wie der Mann an der Pauke nicht einen Einsatz hinbekam.

Beim Stabat Mater sei er nah am Text geblieben. Die Arbeit habe sich über zwei Jahre hingezogen. Vor einem Jahr stellte er den Klavierauszug fertig und die Singakademie Potsdam und der Berliner Lehrerchor konnten mit der Probenarbeit beginnen. Mit dem Dirigenten Thomas Hennig traf Näther die Verabredung, auf das Instrumentarium von Gabriel Faurés Requiem op. 48 zu bauen, das nach der 35-minütiger Uraufführung noch erklingen soll. „Nur etwas Schlagwerk ist dazugekommen“, verrät der gebürtige Sachse, der zuletzt als Hornist beim Deutschen Filmorchester tätig war.

Das Tamtam zum Beispiel sei ein gutes Mittel, um Spannung und Struktur herzustellen. Das sei auch notwendig, verzichte doch die atonale Musik auf Dominantseptakkorde, die sich dann in der Tonika auflösen. Sein Stabat Mater folge dem Ideal der „absoluten Musik“. Im achten Abschnitt der zehnteiligen Komposition stehen viele Achtelnoten und das geforderte Tempo ist mit 126 recht schnell. „Ja, hier geht es mal nicht getragen zu, sondern aggressiv, der Text handelt von ‚Angst, Marter und bitterem Scheiden’.“ Näther möchte Jesus’ Leidensgeschichte keinesfalls nur individuell deuten. „Ich habe beim Komponieren oft auch an die Flüchtlingsdramen und andere gesellschaftliche Missstände gedacht!“

Uraufführung: 14. November, 19.30 Uhr. Erlöserkirche, Rudolf-Tschäpe-Platz, Potsdam-West.

Von Karim Saab

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