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Startrubel und Spaßfaktor zum Auftakt

Berlinale Startrubel und Spaßfaktor zum Auftakt

George Clooney zeigt Bein. Channing Tatum tanzt im Matrosen-Look. Scarlett Johansson schwimmt als Nixe umher. Die 66. Auflage der Berlinale startete am Donnerstag mit der Hollywood-Satire „Hail, Caesar!“. Nach dem ruhigen Porträt über die New Yorker Folk-Szene „Inside Llewyn Davis“ sorgen die Regisseure Joel und Ethan Coen für einen Auftakt mit Startrubel und Spaßfaktor.

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Der Schauspieler George Clooney als Schauspieler Baird Whitlock im Film „Hail, Caesar!“, bei dem Brüder Ethan und Joel Coen Regie führten.

Quelle: Universal Pictures/DPA

Berlin. Was für ein gelungener Beginn! Diese Komödie passt so punktgenau zur Eröffnung eines Kinofestivals, dass man den beiden Regisseuren glatt unterstellen möchte, sie hätten ihren Film eigens für die Berlinale gedreht. Aber so viel Pointensinn ist wohl nicht einmal den wirklich pointensinnigen Brüdern Ethan und Joel Coen zuzutrauen, die am Donnerstag mit Hail, Caesar!“ die 66. Filmfestspiele in eine echte Spaß-Veranstaltung verwandelten.

Eddie Mannix (Josh Brolin) – hier mit Klatschreporterin Thacker (Tilda Swinton) auf der Suche nach dem Schauspieler Baird Whitlock

Eddie Mannix (Josh Brolin) – hier mit Klatschreporterin Thacker (Tilda Swinton) auf der Suche nach dem Schauspieler Baird Whitlock.

Quelle: Universal Pictures

Gewitzt ist dieser Auftakt in gleich mehrfacher Hinsicht: Die beiden US-Brüder sorgen dafür, dass gut gelaunte Stars von George Clooney über Tilda Swinton und Josh Brolin bis zu Channing Tatum über den roten Berlinale-Teppich wandeln – und gleichzeitig veralbern sie in ihrem Film das Hollywood-Starwesen. Sie nutzen den Medienrummel der Berlinale als Werberampe für den Europastart ihres Films (in Deutschland: 18. Februar) – und mokieren sich in „Hail, Caesar!“ über das PR-Gewese in den eigenen Reihen. Vor allem aber: Sie führen das Kino vor als Hort von Lug und Trug – und lassen doch immer wieder erkennen, wie sehr sie gerade seinen flirrenden Schein lieben.

Scarlett Johansson sorgt als Nixe für Wirbel

Scarlett Johansson sorgt als Nixe für Wirbel.

Quelle: Universal Pictures

Das gilt ebenso für ihre Hauptfigur, die mit oft grimmigem Gesicht durch diesen Film stapft und deren Tag nach Minuten getaktet ist – tägliche Beichten beim Pfarrer inklusive. Kein Wunder, Eddie Mannix (Brolin) ist in der goldenen Hollywood-Ära der fünfziger Jahre „Ausputzer“ des fiktiven Hollywoodstudios Capital Pictures. Coen-Freunde kennen das Studio schon aus der Satire „Barton Fink“, die aber viel böser geartet ist als nun „Hail, Caesar!“. Zu Mannix’ Job als „Cleaner“ gehört es, das Image von lasterhaften Schauspielern zu schönen, Drehpläne zu forcieren oder Besetzungslisten auch mit weniger geeigneten Darstellern aufzufüllen. Kurz: Mannix ist der Mann für alle Fälle. Und jetzt hat er ein echtes Problem. Baird Whitlock (Clooney), der größte Star des Studios, ist abhanden gekommen.

Whitlock wurde vom Set eines Sandalenfilms weg entführt und wird im gesamten weiteren Filmverlauf römische Toga plus Brustpanzer und Schwert tragen. Clooney genießt es sichtlich, seine nackten Beine vorzuzeigen. In diesem Aufzug würde man den sonst so coolen und hier ein wenig tumben Graumelierten gerne mal Espresso-Kapseln bewerben sehen.

Channing Tatum (v) steppt wie weiland Gene Kelly

Channing Tatum (v.) steppt wie weiland Gene Kelly.

Quelle: Universal Pictures

Zwei Tratschkolumnistinnen (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) sitzen Mannix bereits im Nacken. Und die Unterbrechung der Dreharbeiten ist sündhaft teuer: Was allein die Statistengagen all der Gekreuzigten am Wegesrand nach Studio-Rom kosten!

Das ist die Ausgangslage für diesen leider nur außer Konkurrenz im Wettbewerb laufenden Frohsinn, um das alte Hollywood in technischer und handwerklicher Brillanz zu feiern. Eine Meerjungfrau wie weiland Esther Williams (gespielt von Scarlett Johansson) schwimmt mit grünem Nixenschschwanz durch den Wassertank, ein singender Cowboy nach Art von Roy Rogers (Newcomer Alden Ehrenreich) schwingt das Lasso, ein gar nicht keuscher Nachfahr von Gene Kelly (der vielseitig talentierte Channing Tatum) steppt im Matrosenkostüm über den Bartresen.

Der gerade in der Entstehung begriffene Sandalenfilm erinnert verdächtig an „Ben Hur“. Und sogar einen Ausputzer namens Eddie Mannix gab es mal beim Studio Metro-Goldwyn-Mayer, das einst von sich behauptete, es verfüge über mehr Stars als Sterne am Himmel strahlen.

Die Regie-Brüder Joel und Ethan Coen

Die Coen-Brüder sind so etwas wie Berlinale-Stammgäste. Mit „The Big Lebowski“ waren sie 1998 im offiziellen Wettbewerb. Vor fünf Jahren eröffneten sie mit ihrem Western „True Grit“ die Filmfestspiele.

George Clooney spielt nicht zum ersten Mal den „Idioten“ in einem Coen-Film, wie er selbst diese Rollen nennt. „Ich habe Spaß daran, dass sie sich über mich lustig machen“, meinte er gestern grinsend. Bereits in „O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee“ und „Burn After Reading“ war der Frauenschwarm gegen sein Image besetzt.

Nach ihrem Debüt „Blood Simple“ 1984 feierten die Coen-Brüder mit Filmen wie „Fargo“ (Oscar für das beste Drehbuch 1996), „No Country for Old Men“ (drei Oscars 2007) und „Inside Llewyn Davis“ internationale Erfolge.

Aber all das muss man gar nicht so genau wissen. Köstlich, wie Mannix das Einverständnis verschiedener Kirchenoberen einholt, um Jesus eine kleine Nebenrolle in dem Sandalenfilm zu ermöglichen – „Göttliche Erscheinung in Vorbereitung“, so steht es einstweilen noch auf den Filmmustern. Witzig, wie die Coens aus Hollywood verbannte kommunistische Drehbuchautoren würdigen – die demnächst im Spielfilm „Trumbo“ eine viel ernsthaftere Rolle spielen. Hier nutzen die Coens mal eben die Gelegenheit, um ein sowjetisches U-Boot vor der Küste von Los Angeles auftauchen zu lassen.

Langeweile kommt also keinesfalls auf in „Hail, Caesar!“. Und wenn hier jemand Hollywood als „Zirkus“ zu bezeichnen wagt oder dem Kino wegen des aufkommenden Fernsehens das baldige Ende prophezeit, dann guckt Eddie Mannix richtig böse. Er sieht das ganz offenkundig anders – und hat ja auch recht behalte: Das Kino gibt es noch immer. Bei der Eröffnung der 66. Berlinale macht es Freude.

Von Stefan Stosch

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