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Sting feiert in Berlin ein friedliches Fest

Konzert in der Waldbühne Sting feiert in Berlin ein friedliches Fest

Nach den Anschlägen in Deutschland hatte der Veranstalter des Konzertes von Sting in der Berliner Waldbühne aufgerüstet. Mehr Sicherheitsmaßnahmen, strenge Taschenkontrollen. Wer in der Schlange ausharrte, wurde belohnt mit vielen Hits und einem friedlichen Familienfest.

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Sting am Montag in der Waldbühne.

Quelle: POP-EYE

Berlin. Pop-Konzerte im Jahr 2016 beginnen meist absurd. Auf mehreren hundert Metern stehen sich am Montagabend Sting-Fans vor der Berliner Waldbühne die Beine in den Bauch, ihre Taschen werden doppelt durchsucht. Die Polizei ist präsent wie vor einem Fußballspiel, bewaffnete Beamten patrouillieren zwischen partywilligen Fans. Wer erstmal drin ist, erlebt ein friedliches Familienfest. Ausgelassenheit statt Anschlagsangst, lange Schlangen gibt’s hier nur vorm Prosecco-Stand.

Sting war halt schon immer ein Mann der guten Tat. Beim ausverkauften Konzert am Montagabend in der Berliner Waldbühne besteht diese darin, den Fans reichlich von dem zu geben, was sie wollen: viele Police-Hits und die tanzbarsten Solostücke. Der britische Superstar – juvenil, trainiert und drahtig – liefert den 22.000 Fans, was sie bestellt haben. Und weil er so ein Edelmann ist, gönnt Sting auch der eigenen Familie ein Stück vom großen Kuchen namens Ruhm. Sohnemann Joe Sumner spielt als Vorband des berühmten Vaters lieblich dahintröpfelnden Fahrstuhl-Folk. „Das ist ganz einfache Musik“, sagt eine Zuschauerin und meint das positiv. Stings kleine Enkelin tänzelt auf der großen Bühne zum letzten Song vor Opas Auftritt.

Nach so viel Kitsch geraten Stings schnörkellos gespielte Superhits zur Wohltat. Der 64-Jährige steigt mit „Every Breath You Take“ ein, später komplettieren “So Lonely”, “Message In A Bottle” und “Roxanne” das Konglomerat der Superhits von The Police, die Reggae, New Wave und Pop miteinander vermählten, sich aber nach fünf sagenhaft erfolgreichen Alben (vier davon auf Platz 1 der britischen Charts) voneinander genervt getrennten. Sogar von Tourbus-Schlägereien war zu hören. Mittlerweile sind Prügeleien bei Sting so undenkbar wie ein Bierbauch. Der diesmal bartlose Menschenrechts-, Klimaschutz-, Regenwald- und Kinder-in-Afrika-Unterstützer mischt ein paar ruhige Songs fürs Herz zwischen die rockigeren Hits, die eher für die Beine gedacht sind. Bei „Shape of My Heart“ zum Beispiel kehrt abrupte Balladenstille ein, es ist so ruhig, dass man die Mücken brummen hören könnte. Doch auch die pieksen an diesem ärgernisfreien Abend nicht.

Die Show ist aufs Allernötigste reduziert – Instrumente, Mikros, Licht, sonst nichts. Verglichen mit dem Bombast anderer Waldbühnen-Konzerte, etwa Rammstein und Iron Maiden, wirkt der Sting-Auftritt wie ein Zelt, das neben Palästen steht. Der wahre Glanz erschließt sich musikalisch. Die Band harmoniert wie ein Ehepaar, dass das Streiten verlernt hat. Gitarrist Dominic Miller zum Beispiel arbeitet seit rund 25 Jahren mit Sting, auch die Background-Sängerin Jo Lawry bereichert den leicht jazzigen Klang im besten Sinne routiniert.

Die Rundreise durch das mittels jahrzehntelanger Radioberieselung ins Hirns gebrannte Hit-Repertoire dauert knapp zwei Stunden. Ob junge Kerle mit Hipster-Bärten, Männer mit Rentner-Bäuchen oder Eltern mit umgeschnallten Babys – sie alle blicken selig drein. Das Konzert endet mit „Desert Rose“ und „Fragile“ bedächtig. Von der Zerbrechlichkeit des Menschen ist darin die Rede. Wie wahr, wie wahr – und so zerbrechlich ist auch der Frieden. An diesen Abend aber bleibt er bestehen. Großer Applaus, Happy End.

Von Maurice Wojach

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