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Kultur Streiche des märkischen Eulenspiegels
Nachrichten Kultur Streiche des märkischen Eulenspiegels
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14:58 26.08.2016
Figur auf dem Marktplatz in Trebbin: Der märkische Eulenspiegel Hans Clauert. Quelle: Margrit Hahn
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Potsdam

Eine der Possen Hans Clauerts soll sich dereinst im Trebbiner Ratskeller zugetragen haben. Der märkische Eulenspiegel tauchte dort mit seinem Busenfreund Fabian Tauerbier auf. Sie köpften eine Flasche Rotwein nach der anderen. Sturzbetrunken wollten sie dann losziehen – ohne die Zeche zu zahlen. Wirtin Jette Birk packte sie am Schlawittchen. Clauert listig: Auf dem Holzbrett überm Schanktisch stünde doch für jedermann sichtbar eingebrannt: in vino veritas. Er argumentierte weiter: „Aber die Wahrheit haben wir auch in deiner letzten Pulle nicht gefunden.“ Und flugs machte sich der Schelm samt Kamerad aus dem Staube.

Da staunte Bartholomäus Krüger nicht schlecht, als Jette ihm diesen Streich erzählte. Ob’s stimmt? Nun ja – man braucht nicht alles zu glauben, was da in Peter J. Fabichs nunmehr siebtem Buch „Clauerts langer Schatten“ über Trebbins (Teltow-Fläming) berühmten Pfiffikus geschrieben steht. Aber es ist wunderbar ersonnen.

Historisch verbürgt ist dies: Hans Clauert, von Beruf Büchsenmacher und Vogelsteller, wurde um 1506 in dieser Stadt geboren. Als die Pest anno 1566 grassierte, starb er dort. Ebenso den um 1540 in Sperenberg geborenen späteren Stadtschreiber Bartholomäus Krüger hat’s gegeben. Nach 1597 – genau weiß man’s nicht – segnete er in Trebbin das Zeitliche. Ihm verdanken wir die erste, 1587 gedruckte Niederschrift von 35 tolldreisten Streichen über Clauert – das Volksbuch von „Hans Clauerts werklichen Historien“. Allzu viel ist sonst nicht über ihn bekannt. Nur, dass er Organist, Kantor und Dichter war.

Fiktives aus dem Leben des Bartholomäus Krüger

Der Berliner Autor und Maler Fabich hat sich da parallel zu Clauert in seinem Buch auch was einfallen lassen. Eine fiktive Lebensgeschichte Krügers. Dieser wollte nicht bloß über Tunichtgut Clauert ein Werk verfassen. Nachts grübelte er dermaßen über ein Monumentalstück, „dass literweise Eisengallustinte, stapelweis erschwingliches Fehldruckpapier und dutzende Schwanenfederkiele für seine szenischen Tüfteleien im Nu abgeschabt waren und schnell wieder beschafft werden mussten; meistens auf Pump“. Zudem bekam er einen eiligen Auftrag. Krüger, gerade 28-jährig, sollte ein Chor- und Orgelwerk zum Gedenken an Amtshauptmann Eustachius von Schlieben komponieren. Zehn Monate nach dessen Tod wurde es 1568 an Allerseelen im Schloss Zossen aufgeführt. Krüger meisterte das Requiem mit Bravour. Und in der Kirche St. Marien in Berlin wurde nach Pfingsten 1574 sein vertontes christlich-protestantisches Theaterstück in fünf Akten unter seiner Regie mit 46 Schauspielern aus Sperenberg gezeigt. Ein Spektakel.

Beim Festumzug zur 800-Jahr-Feier in Trebbin im Juni 2013: Stadtschreiber Bartholomäus Krüger (l.) und Schelm Hans Clauert in Begleitung seiner Frau Margreta. Quelle: Nadine Pensold

Unter den Besuchern auch Fabian Tauerbier, Spökenkiekerin Wiebke Brandt, der blinde Korbflechter Tobias Lerch – Clauerts Freunde aus Trebbiner Zeiten, die nach den Stadtbränden und der Pest 1566, 1567 und 1571 nach Berlin geflüchtet waren und ihn überlebt hatten. Für Fans der Buchreihe längst gute alte Bekannte.

Und für Bartholomäus Krüger, der nach dem Erfolg seines Stücks dem Churfürsten vorgestellt wird, sind sie bei der Premierenfeier mit Festschmaus und etlichen Kannen kühlem Werderschem „Galgenstrick“ wichtige Quellen für sein Buch über Hans Clauerts Streiche. So berichtet Wiebke, wie dieser beim Damespiel zum „Maikönig“ gewählt wurde, als er gegen alle Burschen Trebbins gewann. Ausgerechnet die blatternnarbige Lene aus Körzin wurde seine „Maikönigin“. Für sie „bot er die meisten Groschen bei der Weiber-Versteigerung, was ihm keine einzige Jungfer ihr Lebtag verzieh“. Lene weinte vor Glück. Nach altem Brauch tanzte Clauert mit ihr unterm Maibaum und hatte sie zu beschützen. Seine Fürsorge bewirkte, dass ihre Blatternnarben verblassten und sie nun Verehrer hatte. Clauert brachte sie binnen Kurzem unter die Haube. Mit Gewinn – für seine eigene Hochzeit.

In der Mundart des Flämings: Dildapp und Suurkruutfatt

Krüger, 1580 zum Kantor in Trebbin ernannt, erfuhr hier von einem Wagenbauer weitere witzige Geschichten des Schalks. So soll selbst der Churfürst bei einer Belustigung im Schloss Grunewald auf einen Schwindel hereingefallen sein. Nur soviel: Clauert behauptete, dass der römische Kaiser Julius Caesar nicht mehr wusste, wann er eigentlich Geburtstag habe.

Fabichs neuestes Buch seiner Heptalogie über Clauert ist sein wohl letzter poetischer und amüsanter Nachruf über den Schlingel, der ihn bereits als Schulkind fasziniert hatte. Es ist flott und mit Witz geschrieben, vermittelt ein Bild vom mühsamen Leben, den religiösen und politischen Verhältnissen jener Zeit. Es gibt Zeitsprünge und Rückblenden zu den Geschehnissen in märkischen Gefilden. Der Band lebt auch von der Mundart im Fläming. So ist ein Dildapp ein Dummkopf. Und ein Suurkruutfatt ein Sauerkrautfass. Hätten Sie’s gewusst?

Info: Peter J. Fabich: Clauerts langer Schatten. Rollwenzel, 100 Seiten, 22 Euro .

Von Angelika Stürmer

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