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Subway To Sally: Wenn die erste Reihe nie altert

Mittelalterrock traditionell in Potsdam Subway To Sally: Wenn die erste Reihe nie altert

Es ist ein bewährter Brauch: Der Tag vor Silvester ist traditionell auch der Tourabschluss von Kultband Subway To Sally. Und das findet wie immer in Potsdam statt – da, wo alles begann. Sie machen Folk und Metal, gepaart mit dem Mittelalter. Das sei eine Fusion, die zur Blüte strebe. Und wie sehr die blüht, macht sich vor allem in der ersten Reihe auf Konzerten bemerkbar.

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Subway To Sally, 1990 in Potsdam gegründet, spielen Mittelalterrock, ein Genre, sagt Bodenski, das von der Band geprägt wurde – und heute große Wellen schlägt.

Quelle: DPA

Potsdam. Bodenski sagt, ein gutes Rockkonzert sei wie ein Gottesdienst, und so erfüllend wie ein Kindergeburtstag. Er beißt in seinen Brownie, fest und glücklich, weil er weiß, die Worte sitzen. Bodenski ist ein Mann mit ruhiger Stimme, sein Haar hat er zum Zopf gebunden. Er isst den Kuchen schon am Vormittag, denn warum sollte man mit sowas warten?

Er spielt bei einer Band Gitarre, die jeden Auftritt zelebriert, als gebe es kein Morgen – weil irgendwo ein Werwolf heult, er wartet nur auf dich! Behaupten Subway To Sally, Bodenskis Band, die sich nach ihrem eigenen Lied benannt hat. „Down The Line“ heißt dieses Stück, dort sangen sie von einer Sally, die als Metapher für den Sinn des Lebens stand.

So fühlt man sich, wenn man auf der Bühne „Lärm“ macht

Sinn des Lebens? Bodenski beißt noch einmal in den Kuchen. Natürlich steht „Bodenski“, diese nackte Wort ganz ohne Vornamen, nicht in Bodenskis Pass, „auch meine Frau nennt mich nicht so.“ Bürgerlich heißt er Michael Boden, kommt aus Potsdam, und das „Bodenski“ ist ein Name aus der frühen Jugend, geboren auf dem Schulhof, wo sie dich früh fürs Leben taufen. Bodenski ist inzwischen auch sein Bühnenname, dort oben auf den Brettern, wo er Hemden ohne Ärmel trägt, „man darf ruhig sehen, dass ich ins Sportstudio gehe.“ „Bodenski“, sagt Bodenski, „fühlt sich wie 25 Jahre, wenn er da oben Lärm macht.“ Aber als Michael Boden merke er mitunter, dass er 51 sei. Er spült die Worte mit schwarzem Kaffee runter.

Sie sind nun wieder auf Tournee, und wieder wird die Tour in Potsdam enden, in der Metropolis-Halle. Diese Arena, die sich nicht komplett verdunkeln lässt, weil die Wandabspanner weiß sind. Das schafft eine Helligkeit, die einer Gothic-Metal-Band wie Subway To Sally im Wege steht – weil Metal sich gern suhlt in Finsternis und lichtscheu seine Lieder singt. Bodenski sieht das nicht als Hindernis, „Metropolis ist geil“, sagt er, „man muss sich in der Halle anstrengen. Das ist gut!“

Die erste Konzert-Reihe altert niemals

Gut sei auch, sagt Bodenski, dass die erste Reihe in Konzerten niemals altert. „Immer stehen da die jungen Mädchen und werden von ihren jungen Freunden beschützt.“ Denn vorne kriegt man Beulen, da wird gestoßen und getanzt. Wer sich zu alt für diese Ruppigkeiten fühlt, der wandert irgendwann nach hinten. Und die nächsten jungen Frauen samt Beschützer rücken nach. „Die Jugend in der ersten Reihe macht uns stark, denn sie vermittelt Energie.“

Die erste Reihe bei „Subway To Sally“-Konzerten altert nicht

Die erste Reihe bei „Subway To Sally“-Konzerten altert nicht.

Quelle: Friederike Steemann

Subway To Sally, 1990 in Potsdam gegründet, spielen Mittelalterrock, ein Genre, sagt Bodenski, das von der Band geprägt wurde – und heute große Wellen schlägt. Es gibt andere Gruppen, die sind aufgesprungen auf den Zug, In Extremo beispielsweise, der Markt sei jetzt umkämpft, viele hätten jetzt die Flöten und die Drehleiern, garniert mit Dudelsack und dampfender Gitarre. Folk und Metal, das sei eine Fusion, die weiterhin zur Blüte strebe, doch er fürchte keine Plagiate – „denn wir haben einen eingebauten Kopierschutz.“

„Das Mittelalter ist mein Tableau“

Bodenski schreibt die Texte. „Das Mittelalter ist mein Tableau, um zeitlose Themen zu beackern“, sagt er. Er habe über Kindesmissbrauch geschrieben, über Amoklauf und Sterbehilfe. Er sei als DDR-Bürger geprägt, doppelte Böden in die Songs zu ziehen. Und harte Themen in Poesie zu betten. „Wenn jemand merkt, das ist ja gar kein Liebeslied, da geht es ja noch um viel mehr, dann ist es gut“, glaubt Bodenski.

Sie touren im großen Bus, 22 Leute fahren mit, sieben aus der Band, der Rest gehört zur Crew. Sie haben den einzigen Nightliner genommen, den es deutschlandweit in dieser Größe gibt. Ein Bus, den Bodenski schon ein Jahr im Voraus bucht, sonst ist er weg.

Seit 20 Jahren Brauch: Der Tag vor Silvester in Potsdam

Der Brauch, einen Tag vor Silvester in Potsdam zu spielen, besteht seit guten 20 Jahren. „Der Tag vor Silvester ist besonders, die Leute sind müde von Weihnachten, doch schon in Feierlaune für Silvester. Die Tage scheinen still zu stehen, man ist empfänglich für laute Musik.“ Sie begannen im Lindenpark. Als sie 2008 den Bundesvision-Songcontest von Stefan Raab gewannen, gab das der Band noch einen Schub. Sie wechselte in die Metropolis-Halle, gerade neu gebaut, bis zu 4000 Leute passen rein, viermal größer als der Lindenpark. „Das muss man erstmal schaffen, in einer Stadt wie Potsdam jedes Jahr so viele Leute zu mobilisieren“, sagt Bodenski.

Die Band hat sich ein Motto ausgedacht, das jetzt auf den Plakaten steht und vielleicht doch den einen oder anderen Gast noch einfängt fürs Konzert: „15 Prozent böser!“ Bodenski lacht. Der Brownie ist jetzt alle. „Und wenn Silvester kommt“, sagt er, „dann sind wir wieder brave Jungs. Dann machen wir Raclette mit unseren Familien.“

Eisheilige Nacht

Subway To Sally spielen Mittelalterrock, sie haben sich 1990 in Potsdam gegründet.

Zu den Männern der ersten Stunde zählt Michael Boden (Bodenski) – er schreibt die Songtexte.

Der Sänger Eric Fish (Erik-Uwe Hecht) kam 1991 zur Band, er stammt aus Treuenbrietzen.

Zunächst setzte die Band aus Potsdam auf englische Texte, später kamen dann lateinische und gälische dazu, mittlerweile singt die Band fast ausschließlich auf Deutsch.

In der Potsdamer Metropolishalle spielen Subway To Sally am Freitag um 19 Uhr bei der „Eisheiligen Nacht“. Mit dabei: Eluveitie, Lord Of The Lost und Vroudenspil. Tickets: 0331/28 40 284.

Von Lars Grote

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