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Süchtig nach

67. Berlinale Süchtig nach

Das schottische Drama „Trainspotting – Neue Helden“ über eine hoffnungslose Heroin-Clique aus dem Jahr 1996 ist schnell zum Kultfilm aufgestiegen. 21 Jahre später traut sich Regisseur Danny Boyle an eine Fortsetzung, angelehnt an Irvine Welshs Roman „Porno“. Schafft „Trainspotting 2“ es, an den Kultfilmstatus des ersten Teils anzuknüpfen?

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Versinken in einem abgedrehten Traum: „Sick Boy“ (Johnny Lee Miller) und Mark Renton (Ewan McGregor).

Quelle: Fotos: Verleih

Berlin. An Fortsetzungen herrscht im Kino nun wirklich kein Mangel. Kaum ein erfolgreicher Film, der nicht nachträglich nummeriert wird und in Serie geht. Der Mangel an Kreativität ist unübersehbar – das gilt nicht nur für Hollywood, siehe den bereits angekündigten „Fack ju Göhte 3“.

Aber in diesem besonderen Fall liegen die Dinge doch ein wenig anders: Was Mark Renton und seine Junkie-Kumpel in den 20 Jahren seit „Trainspotting“ getrieben haben, wollten wir schon lange wissen. Die Berlinale hat die Antwort parat: Gestern präsentierte Regisseur Danny Boyle den zweiten Teil jenes Films, der 1996 wie ein surrealer Drogentrip daherkam – und in dem Mark Renton (Ewan McGregor) in der berühmtesten Szene in Schottlands ekeligstem Klo abtauchte und plötzlich in einem azurblauen Meer schwamm. Am Ende erleichterte Mark seine Freunde um 16 000 Pfund, die aus einem dilettantischen Drogendeal stammten, und verschwand. Nur dem liebenswürdigen, aber heroinabhängigen Spud hinterließ er später in einem Schließfach seinen Anteil. Die mit einem niedrigen Budget gedrehte Produktion von Boyle, die sich mit einer Mischung aus Musikvideo und drastischen Bildern von Drogenmissbrauch zwischen Satire und Drama bewegt, gilt mittlerweile aber längst als Kultfilm. Allein die Eröffnungsszene, in der Ewan McGregor zu Iggy Pops „Lust For Life“ durch die Stadt rennt, ist legendär.

Regisseur Danny Boyle hat die ganze Heroin-Clique noch einmal zusammengetrommelt

Regisseur Danny Boyle hat die ganze Heroin-Clique noch einmal zusammengetrommelt

Quelle: WDR

Boyle hat die komplette Truppe von damals zusammengetrommelt und bedient sich wieder sehr frei aus dem Roman „Porno“ von Irvine Welsh. Und siehe da: Das Leben in „Trainspotting 2“ ist immer noch herrlich hoffnungslos. Mark (Ewan McGregor) kehrt aus Amsterdam nach Schottland zurück und trifft auf die Loser von einst. Simon „Sick Boy“ Williamson (Jonny Lee Miller) führt einen heruntergekommenen Pub, verdient sich ein paar Pfund extra als Erpresser und wird beim ersten Wiedersehen sofort handgreiflich. Daniel „Spud“ Murphy (Ewen Bremner) hängt immer noch an der Nadel und Francis „Franco“ Begbie (Robert Carlyle) ist wie eh und je ein gewalttätiger Psycho.

Von der Vergangenheit ist hier niemand losgekommen, und jetzt wird sie mit Wonne herbeizitiert. Mark – mittlerweile clean, aber mitten in der Midlife Crisis – begibt sich als „Tourist in seine eigene Jugend“, wie es hier einmal so schön heißt. Verpassten Chancen wird ausgiebig hinterhergetrauert. In einer Szene sagt Sick Boy zu Renton: „Der einzige Grund, warum du hier bist, ist Nostalgie.“ Dieser Satz darf durchaus als augenzwinkernde Botschaft an die Zuschauer verstanden werden. Immerhin hat Regisseur Boyle ein gutes Gleichgewicht geschaffen zwischen der Nostalgie, die seine Charaktere auch selbst erleben, und ihrer Gegenwart. Den Drive des Originalfilms erreicht der Regisseur trotz einiger knackiger visueller Einfälle nicht wieder.

„Trainspotting 2“ startet bei der Berlinale außer Konkurrenz und am Donnerstag in den Kinos.

Von Stefan Stosch

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