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Susanne Kliem gegen manipulative Männer

Krimi live Susanne Kliem gegen manipulative Männer

Susanne Kliem liest im MAZ Media Store aus „Das Scherbenhaus“. Es ist ihr fünfter Kimi. Und wieder einmal sind es charmante, intelligente, attraktive Männer, die einen schrecklichen Verdacht erregen.

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Susanne Kliem kommt am Donnerstag nach Potsdam.

Quelle: FOTO. Bungert

Potsdam. Noch vor 20 Jahren wusste kaum jemand, was mit „Stalking“ gemeint ist. War es wirklich notwendig, das „Verfolgen und Belästigen eines Menschen“ zu einem Straftatbestand zu erklären? Im Laufe der Jahre wurden immer wieder neue Fälle publik, in denen sich Opfer eklatant in ihrer Sicherheit und Lebensgestaltung beeinträchtigt fühlten. Vor genau zehn Jahren entschloss sich der deutsche Gesetzgeber, die gerichtliche Verfolgung der „Nachstellung“ in Paragraf 238 zu regeln.

Die deutsche Gegenwartsliteratur hat die aktuelle Spielart des Psychoterrors nicht verschlafen. Es gibt schon eine ganze Reihe von Stalker-Romanen, die den merkwürdigen Trend aufgegriffen haben. Um nur zwei prominente Beispiele zu nennen: Judith Her-manns „Aller Liebe Anfang“ und Dirk Kurbjuweits „Angst“.

Susanne Kliems vierter Krimi „Das Scherbenhaus“ erzählt zunächst von einer unbescholtenen Frau, die durch Stalking aus ihrer ruhigen Lebensbahn kippt. In ihrem urgemütlichen reetgedeckten Haus in der Nähe von Stade fühlt sie sich zusehends unwohl, nachdem sie wiederholt Briefe mit grausamen Fotos und unheilvollen Ankündigungen in ihrem Briefkasten findet. In dem Buch, das der Verlag als „Psychothriller“ anpreist, sterben dann auch mehrere Menschen eines gewaltsamen Todes. Freunde blutiger Tatbestände kommen also auch auf ihre Kosten.

Susanne Kliem ist MAZ-Lesern und Besuchern der Lesereihe „Krimi Live“ keine Unbekannte. Im September 2015 feierte die in Berlin lebende Autorin im MAZ Media Store sogar eine Buchpremiere. Damals ging es um den Titel „Trügerische Nähe“, der in einem Dorf im Naturpark Nuthe-Nieplitz spielt und im urbanen Berlin.

Auch dieses Mal konfrontiert die 51-Jährige ihre Leser mit biederer Landlust und einem glatten Großstadt-Faszinosum. Die Köchin Carla liebt eigentlich die knarzende Gemütlichkeit eines norddeutschen Bauernhauses. Die Handlung verschlägt sie dann aber nach Berlin in ein hypermodernes Wohnhaus, dessen große Fensterscheiben sich automatisch verdunkeln, wenn die Sonne scheint. Carla erbt es von ihrer Halbschwester, die als Architektin auf die neusten High-Tech-Errungenschaften gesetzt hat. Türen werden hier nicht mit einem Schlüssel oder einer Magnetkarte geöffnet, sondern mittels Handy-App.

Diesen Lebensstandard können sich nur Schöne und Reiche leisten, die Susanne Kliem dem Leser als ziemlich unglückliche Personen vorstellt. Der Erfolg eines ehemaligen Zirkusdirektors oder eines Brokers beruht natürlich auf Machtausübung und Durchsetzungsvermögen. Zwei Charakterzüge, von denen sich die unverstellte Carla lange blenden lässt.

Wie sich eine weibliche Hauptfigur von einem charmanten, intelligenten, attraktiven Mann manipulieren lässt – das war für Susanne Kliem auch in dem Vorgänger-Krimi ein wichtiges Thema. Dieses Mal ist es kein Professor für Parasitologie, dieses Mal sind es ein Zirkusdirektor und ein Künstler. Die Autorin geht im „Scherbenhaus“ einen gewagten Schritt weiter, wenn sie über Carla schreibt: „Der Mann, in den sie sich verliebt hatte, konnte das derselbe sein, der sie bedroht, der diese widerlichen Fotos von den Wunden in der Haut angefertigt hatte? Sie dachte an die Fotografien der Frauen, die er in Gießharz erstarren ließ, in seinen schimmernden Säulen gefangen hielt wie in gläsernen Särgen.“

Manchmal hält der Leser die Luft an, wenn die naive Carla die möglichen Mörder unter vier Augen selbst befragt.

Susanne Kliem: Das Scherbenhaus. Psychothriller. carl’sbook, 332 Seiten, 14,99 Euro.

Susanne Kliem stellt am 18. Mai, 19 Uhr, ihr Buch vor. MAZ Media Store, Friedrich-Ebert-Straße 85/86, Potsdam.

Von Karim Saab

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