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Kultur System Of A Down wollen aufrütteln
Nachrichten Kultur System Of A Down wollen aufrütteln
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09:45 14.06.2017
Sänger Serj Tankian – hier am 4. Juni beim Musikfestival „Rock am Ring“ in Nürburg (Rheinland-Pfalz) mit der US-amerikanischen Alternative-Metal-Band System of a Down – bespielte Dienstagabend die Berliner Waldbühne. Das Konzert war ausverkauft, unser Reporter Maurice Wojach vor Ort. Quelle: dpa
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Berlin

Trump darf an diesem Abend nicht fehlen. Bilder des US-Präsidenten flackern auf und verschwinden wieder, als seien sie aus einem schlechten Traum. Auf der Leinwand marschieren Soldaten, Dollar-Scheine sind zu sehen und Bilder von einem Bienenschwarm. Serj Tankian singt vom Schwanzvergleich narzisstischer Machthaber. „Cigaro“ heißt der Song, die verstellte Stimme macht den Wahnsinn hörbar.

System Of A Down gehen dahin, wo es weh tut. Krieg, Sexismus und Völkermord – das sind die Themen ihrer Songs. Klingt abschreckend und nicht gerade nach einem netten Abend. Die mehr als 15.000 Fans in der Berliner Wuhlheide sehen das anders. Die Parkbühne ist ausverkauft – wie immer, wenn die Band aus Los Angeles zu Gast ist. Dabei lassen die vier Amerikaner armenischer Abstammung seit zwölf Jahren auf ein neues Album warten. Am Dienstagabend spielen sie vor allem Songs ihrer Nummer-eins-Alben „Toxicity“ (2001) und „Mesmerize“ (2005). Sie zerhäckseln Hardcore, Funk, Hip Hop und armenische Volksmusik. Was dabei rauskommt nennt man, aus Ermangelung besserer Bezeichnungen, Heavy Metal. Beim Gesang spielen Frontmann Tankian und Gitarrist Daron Malakian Engelchen und Teufelchen. Abwechselnd brüllen, sprechen und singen sie. Dann wieder münden ihre bitterbösen Reime in Choralgesängen.

Gitarrist Daron Malakian beim Musikfestival „Rock am Ring“ in Nürburg (Rheinland-Pfalz) Quelle: dpa

Beim Konzert in Berlin verzichten die virtuosen Sonderlinge weitgehend auf Ansagen, sie feuern 30 Songs in 100 Minuten ab. Anfangs hadert Sänger Tankian mit dem Sound, richtet böse Blicke zum Mischpult. Dann funktionieren die Laut-leise-Exzesse, die System Of A Down auszeichnen, auch soundtechnisch. In den Texten prallen Welten aufeinander. Die Belanglosigkeit des kommerzverseuchten Alltags – Partygeschichten und Werbetexte – kollidiert mit Geschichten von Krieg, Hass und Armut. Auf der Leinwand erscheinen Pin-up-Girls, die Gasmasken tragen, bewaffnete Nonnen und immer wieder Szenen aus Fernsehshows. Zum Superhit „Toxicity“, einem Abgesang auf Los Angeles, sind die Sterne auf dem Hollywood Boulevard zu sehen. Natürlich nicht, ohne gleich danach Elendsbilder von den Nachtquartieren der Obdachlosen zu zeigen. Die Stadt der Engel? Bestimmt nicht.

Silhouette des System Of A Down-Gitarrist Daron Malakian Quelle: dpa

Völlig gegensätzlich ist auch, was vor und auf der Bühne abläuft. Die Fans schieben sich weg, so dass die Masse löchrig wird, um dann im Kreis zu pogen. Woanders legen Männer mit freiem Oberkörper einander die Arme auf die Schulter, als ob sie Sirtaki tanzen wollten. Und oben – da steht Serj Tankian herum wie ein gelangweilter Pendler an einer einsamen Bushaltestelle. Die Antithese zu allen üblichen Heavy-Metal-Posen.

System Of a Down begeistern die Massen, ohne dass sie darauf abzielen. Sie wollen nicht verzücken, sie wollen verstören. Als letzten Song spielen sie „Sugar“. Tankian schlüpft in die Rolle des waffengeilen Widerlings. Auf der Leinwand geht ein Atompilz in die Luft. Na dann, gute Nacht!

Von Maurice Wojach

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