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Takayuki Daikokus Inspiration ist die Natur

Japanische Kunst aus Rathenow Takayuki Daikokus Inspiration ist die Natur

Im Schlosspark Wagenitz stehen hier und da schwarze quaderförmige Eisengestelle. Zwischen ihren Streben baumelt eine Traube weißer Knospen, die auf den ersten Blick an zu groß geratene Knoblauchzehen erinnern. Geht man näher ran wird klar: Die Objekte sind Teil des Kunstprojektes „Land Art Schlosspark Wagenitz“ und erschaffen vom japanischen Künstler Takayuki Daikoku.

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Takayuki Daikoku bei der Arbeit.

Quelle: Julian Stähle

Friesack/Wagenitz. Wer in diesen Tagen einen Spaziergang durch den Schlosspark Wagenitz (Havelland) macht, der erblickt zwischen den knorrigen Bäumen immer wieder schwarze quaderförmige Gestelle. In der Mitte der Streben baumeln Trauben von weißen Knollen, die auf den ersten Blick an zu groß gewachsene Knoblauchzehen erinnern. Nach einem Blick auf die Infotafel wird jedoch klar: Die Objekte sind Teil des Kunstprojektes „Land Art Schlosspark Wagenitz“ und wurden erschaffen vom japanischen Künstler Takayuki Daikoku.

Der 40-Jährige hat Brandenburg bereits vor vier Jahren zu seiner zweiten Heimat gemacht, lebt mit Frau und Tochter in Rathenow. Sein Atelier befindet sich in Friesack, der Kulturreferent des Landkreises, Bruno Kämmerling, hat Daikoku den gut 50 Quadratmeter großen Raum in einem alten Scheunenviertel vermittelt.

Beim Betreten des Raumes sieht und riecht man: Hier wird vor allem mit Holz, Papier und Farbe gearbeitet. Links steht eine der Skulpturen, die denen in Wagenitz ähnelt – aber sie ist für drinnen konzipiert, erklärt der Künstler. „Das Gestell ist nicht so kräftig und die Knospen werden nur mit dünner Angelsehne zusammengehalten“, sagt Daikoku. Bei den Skulpturen, die wetterfest sein müssen, seien nicht nur die Gestelle schwerer – sie wiegen nach Aussage des Künstlers ein paar Tonnen –, auch die Einzelteile sind mit festen Kordeln verbunden. Außerdem habe er die Knospen mehrfach lackiert, erklärt Daikoku.

Anhand eines Querschnitts kann man sehen, wie die Einzelteile genau entstanden sind. „In der Mitte ist nur Zeitungspapier, auch viel Märkisch Allgemeine“, scherzt der 40-Jährige. Der gesamte Landkreis habe für ihn gesammelt und Altpapier geliefert. „Dann wurden die Knospen mit japanischem Papier und Kordel umwickelt und schließlich mit weißer Farbe lackiert.“ Zweieinhalb Jahre haben alle Skulpturen im Schlosspark von der Idee bis zur Fertigstellung gebraucht, die weißen Elemente sind Metaphern für Blüten, Früchte oder Knospen: 60 an der Zahl. Sie stehen für die Vergänglichkeit der Natur, erklärt Daikoku, der schon als Kind gerne gemalt und gebastelt hat. „Die Natur ist einfach die beste Lehrmeisterin.“

Die Land Art in Wagenitz ist ein Begleitprojekt zur diesjährigen Buga. Ob die Skulpturen auch danach noch im Schlosspark stehen bleiben, stehe noch nicht fest, sagt Daikokus Berliner Galerist H. N. Semjon. „Interesse ist auf jeden Fall da, aber spruchreif ist das noch nicht.“

Was den Wagenitzern auf jeden Fall auch nach der Bundesgartenschau erhalten bleibt, ist eine Skulptur aus Eichenholz, die vor dem Schwedenturm platziert ist – einst der Schlot der Schlossküche, steht heute nur noch die Ruine auf dem Dorfanger. Die Einzelteile, aus denen die Skulptur mit dem Namen „Wood Cell“ besteht, erinnern an Walnüsse. Zuerst habe er das Eichenholz durchgeschnitten und drinnen alles ausgehobelt“, erklärt der Familienvater sein Vorgehen. Die zwei hohlen Teile wurden dann mit einer Schwalbenschwanz-Verbindung zusammengesetzt. Ihren Namen trägt diese Verbindung, weil ihre gegabelte Form an den Schwanz einer Schwalbe erinnert.

Ausstellung in Nauen bis September

Der japanische Künstler Takayuki Daikoku kam erstmals 2001 nach Deutschland, um die Sprache zu lernen. 2011 kam er zurück und ging nach Rathenow.

Von 1999 bis 2001 absolvierte Daikoku einen Meisterkurs der Bildhauerei an der Universität der Künste in Osaka, Japan.

H. N. Semjon ist nicht nur Daikokus Galerist, sondern auch sein ehemaliger Lehrer. 2003 unterrichtete er den 40-Jährigen im Zeichnen.

 

Einige Werke von Takayuki Daikoku sind noch bis zum 27. September auf Schloss Ribbeck (Havelland) zu sehen. Die Ausstellung „Landschaft und Gärten – Teil 2“ hat täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet: www.schlossribbeck.de.

Land Art im Schlosspark Wagenitz kann montags bis samstags von 10
bis 17 Uhr besichtigt werden.

Für unseren Besuch hat sich der 40-Jährige schick gemacht – in einem pinkfarbenen Hemd mit schwarzer Weste begrüßt er uns an der Einfahrt zu seinem Atelier. Dass wir ihn beim Arbeiten fotografieren wollen, passt ihm eigentlich gar nicht ins Konzept. Also wird sich kurzerhand umgezogen – in einem mit zahlreichen Farbflecken bekleckerten Arbeitsanzug kommt er zurück. Einweghandschuhe an, wie man sie sonst aus dem Krankenhaus kennt, dann kann die Arbeit mit Pinsel und Lack beginnen. Dass er beim Arbeiten lächeln muss, ist der Künstler nicht gewohnt. Der Fotograf muss immer wieder nachhelfen, damit sich die konzentrierten Gesichtszüge entspannen.

Der im japanischen Shiga geborene Daikoku ist 2001 nach dem Ende seines Kunststudiums für einen Sprachkurs nach Berlin gekommen. Damals lernte er auch H. N. Semjon kennen. „Takayuki hat zu dieser Zeit große Skulpturen hergestellt, die er wegen der hohen Transportkosten nicht zurück nach Japan mitnehmen konnte“, erinnert sich der Galerist. 2011 hat er die Galerie „Semjon Contemporary“ gegründet, Takayuki Daikoku gehört fest zum Künstlerstamm Semjons.

Im April 2011 kam auch Daikoku zurück nach Deutschland – genauer gesagt nach Rathenow – und diesmal gemeinsam mit seiner Frau. Im Dezember 2012 wurde das Familienglück mit der Geburt seiner Tochter schließlich komplett. „Durch den Geburtsvorbereitungskurs haben wir viele neue Freunde gefunden“, sagt der Wahl-Brandenburger, der gerne in Deutschland bleiben will.

„Im Bezug auf Kunst gibt es große Unterscheide zwischen Japan und Deutschland. In meiner Heimat gibt es wenig zeitgenössische Kunst“, sagt Daikoku. Speziell in Berlin dagegen gebe es viele Möglichkeiten für interessante zeitgenössische Kunst. „Außerdem gibt es in Japan eher wenige Galerien und der Kunstmarkt an sich ist zu klein“, sagt Daikoku weiter. Auf viele Künstler kommen wenige Galerien und Sammler, in die großen Galerien in der japanischen Hauptstadt Tokio kommen meist nur bekannte Künstler rein. Außerdem müsse man in Japan dafür bezahlen, wenn man in einer Galerie ausstellen möchte. „Deshalb ist es besser, sich in der Fremde einen Namen zu machen und dann zu versuchen, auch im eigenen Land auszustellen.“

Die Hauptthemen seiner Kunst sind Wachstum, Vergehen, Zeit und Raum. „Mich interessiert der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, Zerstörung und Neuordnung“, sagt Daikoku. Auch religiöse Einflüsse aus seiner Heimat spielen in seiner Kunst eine Rolle, ohne dass spezielle Themen dargestellt werden. „Ich selbst hänge keiner Religion an, glaube aber, dass es in der Welt eine universelle Kraft gibt“, erklärt Daikoku.

Von Josephine Mühln

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